"Es würde mich nicht überraschen, wenn 10 bis 15 Prozent der zugelassenen Vermögensverwalter ihre Lizenzen zurückgeben oder fusionieren", sagte Günter Schlösser, Vorstandsvorsitzender des Verbands unabhängiger Vermögensverwalter (VuV), der FTD. Als Grund nannte er wachsende Verdienstausfälle in der Branche.
Damit würde ein neuer Tiefststand bei den Zulassungen erreicht. Insgesamt waren Ende 2008 in Deutschland 509 Finanzportfolioverwalter bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) gemeldet. In den vergangenen zehn Jahren hatten schärfere gesetzliche Regulierungen immer wieder dazu geführt, dass Vermögensverwalter ihr Geschäft aufgaben. Das bisherige Tief dieses Trends markierte das Jahr 2005.
Die zwei Säulen des Vergütungssystems
In der Krise erweist sich vor allem das Vergütungssystem der unabhängigen Vermögensverwalter als Falle. Es beruht häufig auf zwei Säulen: Auf die Höhe des insgesamt verwalteten Vermögens berechnen Finanzportfolioverwalter eine fixe Verwaltungsgebühr, die zwischen 0,5 und 1,5 Prozent beträgt. Dazu kommen Gewinnbeteiligungen auf Vermögenszuwächse. Diese werden aber nur gezahlt, wenn das Gesamtvermögen über den Höchststand des jeweils letzten Bewertungsstichtags hinauswächst. Angesichts der jetzigen Marktturbulenzen dürfte das schwer zu erreichen sein, schätzt Schlösser. "Damit fällt ein Vergütungsfaktor 2009 tendenziell aus."
Hinzu kommt, dass auch die Verwaltungsgebühr schrumpfen dürfte, da der Kurs vieler Wertpapiere eingebrochen ist. Noch im September 2008 betrug das betreute Vermögen aller 180 VuV-Mitglieder 40 Mrd. Euro. Wie stark das Vermögen seitdem geschrumpft ist, soll eine Umfrage des Verbands im Sommer klären. Mit Blick auf die Mittelabflüsse und Kursverluste beim Fondsanbieter DWS sagte Schlösser: "Ich glaube nicht, dass der Rückgang bei uns so stark sein wird." 2008 war das verwaltete Vermögen der DWS um ein Fünftel zurückgegangen.
Es ist aber nicht nur die Finanzkrise, die den selbstständigen Vermögensverwaltern zu schaffen macht. "Viele scheuen noch die Selbstständigkeit, weil sie fürchten, für bereits vergangene Schadensfälle anderer haften zu müssen", mutmaßt Eberhard Heck, Leiter des Kerngeschäftsfelds Unabhängige Vermögensverwalter bei der Privatbank Hauck & Aufhäuser. Denn Finanzportfolioverwalter sind verpflichtet, der Entschädigungseinrichtung der Wertpapierhandelsunternehmen (EdW) beizutreten. Und diese ist seit dem Betrugsfall Phoenix stark unter Druck geraten. Die Wertpapierhandelsbank Phoenix hatte 2005 Konkurs angemeldet, nachdem jahrelang Gelder der Anleger in ein betrügerisches Schneeballsystem gewandert waren.
Der Schaden beträgt rund 650 Mio. Euro wovon die EdW 200 Mio. Euro tragen muss. Zwar sind die Mitglieder der EdW zunächst von Belastungen befreit. Mit einer Gesetzesänderung könnten die rund 790 in der EdW versammelten Finanzdienstleister und Vermögensverwalter aber rückwirkend noch zur Kasse gebeten werden.