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Merken   Drucken   09.10.2012, 12:25 Schriftgröße: AAA

Britische ING-Onlinetochter: Neuer Barclays-Chef setzt Zeichen mit Zukauf

Erst seit wenigen Wochen im Amt, setzt der neue Chef der britischen Großbank Barclays, Antony Jenkins, bereits jetzt eine Duftmarke: Er kauft die Onlinetochter der niederländischen Finanzgruppe ING auf der Insel und verringert so die Abhängigkeit seines Geldhaus vom riskanten Investmentbanking.
© Bild: 2012 DPA/Bildfunk/Barclays
Erst seit wenigen Wochen im Amt, setzt der neue Chef der britischen Großbank Barclays, Antony Jenkins, bereits jetzt eine Duftmarke: Er kauft die Onlinetochter der niederländischen Finanzgruppe ING auf der Insel und verringert so die Abhängigkeit seines Geldhaus vom riskanten Investmentbanking.
von Frankfurt

Barclays  kauft für eine nicht genannte Summe die britische Onlinetochter der niederländischen Finanzgruppe ING . Mit der Übernahme wechseln 1,5 Millionen Kunden, Vermögenswerte von 16 Mrd. Pfund Sterling (20 Mrd. Euro) sowie 750 Angestellte den Besitzer. Im vergangenen hatte ING Direct UK vor Steuern 89 Mio. Euro Verlust erwirtschaftet. Unter Dach und Fach einschließlich der Zustimmung der Aufsichtsbehörden soll die Transaktion im zweiten Quartal 2013 sein, wie beide Seiten am Dienstag mitteilten.

Für Antony Jenkins, erst seit Ende August neuer Chef der britischen Großbank, ist die Übernahme von ING Direct UK die erste strategische Maßnahme. Jenkins, der bis zu seinem Wechsel an die Konzernspitze sechs Jahre lang das Massenkundengeschäft von Barclays leitete, will die Abhängigkeit des Instituts vom schwankungsanfälligen Kapitalmarktgeschäft reduzieren.

Der Kauf von ING Direct UK ist ein Schritt in diese Richtung: Die ING-Tochter sammelt Einlagen von Massenkunden ein und reicht sie in Form von Verbraucher- und Hypothekenkrediten wieder aus. Dieses Geschäft ist zwar konjunkturabhängig und schwankt ebenfalls; die Risiken sind dennoch kleiner als im Handel mit Aktien, Anleihen oder Derivaten. Jenkins hatte den Amerikaner Robert Diamond als Barclays-Chef abgelöst, der im Zuge des Skandals um die Manipulation des Interbankenzinssatzes Libor gehen musste. Libor gehen musste.

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Zwar verschwiegen beide Seiten den Kaufpreis. Klar ist aber, dass ING seine Onlinetochter mit Verlust verkauft. Der Konzern bezifferte die Abschreibung auf 320 Mio. Euro. Zugleich aber setzt die Veräußerung 330 Mio. Euro Eigenkapital frei.

ING war in den Wirren der Finanzkrise im Herbst 2008 für 10 Mrd. Euro notverstaatlicht worden. Jetzt muss der Konzern seine Bank- und Versicherungssparten entflechten und als Gegenleistung für die Staatshilfe auf Anordnung der EU-Wettbewerbskommission deutlich schrumpfen.

Seine amerikanische Direktbanktochter hatte ING bereits im Sommer 2011 für 9 Mrd Dollar (6,3 Mrd. Euro) an den US-Finanzkonzern Capital One aus McLean im Bundesstaat Virginia verkauft. Gemessen an den Einlagen stieg Capital One damals zur sechstgrößten amerikanischen Bank auf. Seine Autoleasing-Sparte mit 1200 Beschäftigten und einem Bestand von 240 000 Fahrzeugen in acht europäischen Ländern hatte ING 2011 an den deutschen Automobilkonzern BMW veräußert. Die kolumbianische Grupo Sura wiederum übernahm im gleichen Jahr für 2,6 Mrd. Euro einen Großteil der ING-Sparte in Lateinamerika.

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