Die Regierung hat den Aufstieg der Banken finanziell unterstützt. 2002 lag der Anteil notleidender Kredite an den Darlehen bei 22 Prozent. Nach hohen Kapitalspritzen ist der Wert bis Ende März auf 6,6 Prozent gefallen. Allein für die Restrukturierung des größten Instituts ICBC hat China 100 Mrd. $ aufgewandt. Für die börsennotierten Banken fällt der Indikator deutlich niedriger aus. Der ausstehende Sanierungsfall Agricultural Bank of China (ABC) hält ihn hoch.
Finanzsektor dient auch politischen Zielen
Trotz der Börsengänge der vergangenen Jahre: Der staatliche Einfluss ist nach wie vor hoch, der Finanzsektor dient auch politischen Zielen. Ende Juni hat die Bankenaufsicht verfügt, dass weder an energieintensive Branchen noch an Firmen mit einer veralteten, ineffizienten Produktion Kredite ausgereicht werden dürfen. Das soll ein ökologischeres Wirtschaften unterstützen. Auch bei Personalien redet Peking mit. Im Juni wurden für ABC, Shanghai Pudong und China Everbright Bank neue Chefs ernannt. Alle drei bekleideten bisher hohe Positionen bei der Bankenaufsicht.
Bei den fünf großen Instituten ICBC, ABC, Bank of China, China Construction Bank und Bank of Communications ist der Staat noch mehrheitlich direkt beteiligt. Eine Reduzierung der Anteile ist nicht absehbar. "Das Rating dieser großen Banken ist in erster Linie von der staatlichen Unterstützung geprägt", sagt David Marshall von der Ratingagentur Fitch. Anders gesagt: Sollte eines der Institute in Schwierigkeiten geraten, ist fest mit dem Einschreiten des Staates zu rechnen. Bei kleineren Banken wird die Wahrscheinlichkeit geringer, sagt Marshalls Kollegin Charlene Chu, schon um die Gefahr einer Versicherungsmentalität zu verringern. Zumindest indirekt spielt der Staat aber auch bei diesen Instituten eine große Rolle.
In der Liga unterhalb der großen fünf bieten die Banken immer mehr Darlehen für Privatkunden, etwa Kreditkarten oder Hypothekenfinanzierung. "Die kleineren Institute nehmen sich auch verstärkt der Mittelstandsfinanzierung an", sagt Horst Löchel, Chef des Shanghai International Banking and Finance Institute. In einem weiteren Punkt unterscheiden sie sich von den Großen: "Die Qualität ihrer Aktiva ist ein bisschen besser", sagt Fitch-Analystin Chu.
Begrenzte Beteiligung
Bei dem Dutzend sogenannter Joint-Stock- oder Aktienbanken sind inzwischen fast überall ausländische Anteilseigner eingestiegen. An Huaxia sind etwa die Deutsche Bank und Sal. Oppenheim beteiligt, an Shanghai Pudong hat Citigroup Anteile erworben. Mehrheitlich gehören die Institute großen Staatsunternehmen. Die Beteiligung ausländischer Aktionäre ist auf ein Viertel begrenzt, ein einzelner Anteilseigner darf nicht mehr als 20 Prozent besitzen.
Daneben gibt es über 100 City Commercial Banks, die nur regional tätig sind. Bei den größeren Häusern, vor allem jenen der wirtschaftlich starken Ostküste, haben sich ebenfalls strategische Investoren aus dem Ausland Anteile gesichert. Erst begonnen hat die Restrukturierung ländlicher Kreditkooperativen.
Bei den Kennziffern stehen die größeren Institute relativ gut da. Viele erwirtschaften Eigenkapitalrenditen von 15 Prozent. "Das ist nicht erstaunlich, da die meisten Banken lange ein sehr niedriges Eigenkapital hatten", sagt Fitch-Analystin Chu. Die Gesamtkapitalrendite, meist unter ein Prozent, sei daher der bessere Indikator. Das Verhältnis von Kosten zu Erträgen liegt um die 40 Prozent. Chu erklärt das mit niedrigen Arbeitskosten sowie dem Fokus auf das weniger kostenträchtige Firmenkundengeschäft.
Ehrgeizige Geldhäuser
Für die starke Ausrichtung auf das Kreditgeschäft ist auch der regulatorische Rahmen verantwortlich. Die Verantwortlichen hatten sich für eine strikte Trennung zwischen Kreditgeschäft, Wertpapieren und Versicherungen entscheiden. "So ist auch die Regulierung aufgebaut. Es gibt aber eine Tendenz, das aufzuweichen", sagt Löchel. In den vergangenen Wochen wurden verstärkt Verbindungen zwischen Versicherern und Banken zugelassen.