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Merken   Drucken   03.11.2008, 11:03 Schriftgröße: AAA

Credit Default Swaps: Kompetenzstreit um Derivatemarkt  

Die New Yorker Notenbank Fed dringt bei der Regulierung des Marktes für Kreditausfallrisiken auf eine rasche Lösung - und provoziert damit einen Machtkampf. von Sebastian Bräuer und Astrid Dörner (New York)
Bisher wird der 55.000 Mrd. $ schwere Markt für Kreditausfallversicherungen (CDS) nicht überwacht, Finanzinstitute handeln die Papiere unter sich. Die Fed erklärte am Freitag, dass spätestens im Dezember mit der zentralen Abwicklung der CDS-Transaktionen begonnen werden solle. Bisher gebe es keinen Favoriten, erklärte ein Fed-Sprecher auf Anfrage. Zu den Entscheidungskriterien wollte er sich nicht äußern.
Um die Aufgabe, die Transaktionen transparenter und damit risikoloser zu gestalten, bewerben sich die New York Stock Exchange (NYSE) sowie die Derivatebörsen Eurex, Chicago Mercantile Exchange (CME) und Intercontinental Exchange. Aus Notenbankkreisen verlautete, dass die Marktteilnehmer an der Entscheidung beteiligt werden sollen, welche Börse den Zuschlag erhält. Bereits im Juni hatte der Chef der New Yorker Fed, Timothy Geithner, 17 Finanzinstitute, die zusammen etwa 90 Prozent des CDS-Marktes repräsentieren, zusammengerufen.
Das Vorpreschen der Fed missfällt den anderen Finanzmarktaufsichten. Die für den Terminmarkt zuständige Commodity Futures Trading Commission (CFTC) sieht die Politik in der Pflicht. "In so einer wichtigen regulatorischen Entscheidung muss der Kongress das letzte Wort haben, nicht die Fed", sagte CFTC-Kommissar Bart Chilton der FTD. Was das Risikomanagement angehe, müsse seine Behörde stärker in den Prozess eingebunden werden.
Auch die Börsenaufsicht SEC fühlt sich von der Fed an den Rand gedrängt. Aufsichtschef Christopher Cox fordert für seine Behörde die Befugnis, bei Verdacht auf Betrug, Fehlinformationen oder Insidergeschäfte ermitteln zu dürfen - genau wie bei Aktien. Voraussetzung dafür wäre, dass der SEC jede Transaktion gemeldet wird. Dagegen dürften sich die am CDS-Geschäft beteiligten Finanzinstitute aber vehement wehren.
CDS-Kontrakte sind eine Art Versicherung für Anleihen: Dabei übernimmt ein Marktteilnehmer, häufig eine Bank, den Part des Versicherers. Gegen eine Gebühr verpflichtet sich der Versicherer zu zahlen, wenn eine Anleihe ausfällt. Anleger, die den Schutz kaufen, müssen dann eine Anleihe der Pleitefirma liefern und erhalten dafür die Versicherungssumme. Der Versicherer hofft, noch über das Insolvenzverfahren etwas zu erhalten.
Volumen weit hinter Erwartungen
Sowohl die Eurex als auch die CME waren bereits 2007 mit eigenen Produkten in den Markt eingestiegen: Die Eurex listet seit März 2007 CDS-ähnliche Kreditfutures, die CME startete drei Monate später. Das gehandelte Volumen blieb jedoch weit hinter den Erwartungen zurück. Die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers und die Verstaatlichungen der Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac haben gezeigt, dass die Unsicherheit über das Transaktionsvolumen Gefahren birgt.
Die CME hat sich für ihr Modell die eher für ihre Hedge-Fonds-Expertise bekannte Citadel Investment Group ins Boot geholt und angekündigt, die CDS-Transaktionen über die bestehende Handelsplattform für Futures abwickeln zu wollen. Anfang Oktober war die Börse mit der Ankündigung vorgeprescht, innerhalb von 30 Tagen einsatzbereit zu sein. International Exchange hat sich dagegen mit der Clearing Corporation zusammengetan und möchte eine neue Plattform gründen, wenn sie den Zuschlag bekommt. Die NYSE hat bislang keine Details ihres Vorstoßes veröffentlicht. Die Eurex rechnet sich für den US-Markt nach FTD-Informationen keine guten Chancen aus. Doch könnte sie eventuell in Europa zum Zuge kommen, da EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy auch eine zentrale Abwicklungslösung für CDS-Kontrakte forciert.
Wachovia Capital Markets beziffert den Jahreserlös für das Abwickeln der CDS-Transaktionen auf bis zu 100 Mio. $. Allerdings würde der Anbieter auch ein enormes Risiko auf sich nehmen, da er beim Ausfall eines Marktteilnehmers einspringen müsste. "Gerade bei der CME gibt es deshalb intern starke Vorbehalte gegen den Wunsch, die CDS-Regulierung zu übernehmen", sagt Michael Greenberger von der University of Maryland. Er geht nicht davon aus, dass die Fed den kompletten Markt einem einzigen Anbieter überlässt: "Das Risiko wäre zu groß." Denkbar sei daher, dass die Fed versuche, mehrere Anbieter zusammenzuführen.

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