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  27.10.2009, 11:55    

Das Orakel schlägt zu: Warren Buffett auf Hamstertour

Durch die Pleite der amerikanischen Gewerbeimmobilienfirma Capmark Financial sieht die erste Liga der US-Finanzunternehmen schlecht aus. Nur einer lacht sich ins Fäustchen: Der Superinvestor aus Omaha. von Sebastian Bräuer
Bis zuletzt will man bei Capmark Financial die Warnsignale nicht hören, übernimmt Bürotürme, kauft sich in Einkaufszentren ein und schluckt Hotels. Jetzt ist der US-Immobilienfinanzierer pleite - und eine stattliche Zahl renommierter Finanzunternehmen steht belämmert da. Capmark gehörte Goldman Sachs sowie der Beteiligungsgesellschaft KKR und Five Mile Capital Partners.
Die Gruppe hatte sich erst 2006 zusammengetan, um die Sparte der General-Motors-Tochter GMAC abzukaufen. Ein schlechtes Timing: Wenige Monate später, im Herbst 2007, platzte die Blase auf dem Geschäftsimmobilienmarkt. KKR hat sein Investment bereits komplett abgeschrieben und verweigert jeden Kommentar. Aber die Käufer sind nicht die einzigen Verlierer: Mehrere namhafte Gläubiger müssen sich auf Verluste einstellen. Die größten Posten gehörten der Citigroup  (4,6 Mrd. $) und der Deutschen Bank (1,8 Mrd. $).
Doch einer lacht sich wieder einmal ins Fäustchen. Warren Buffett  nutzt die Pleite des Immobilienfinanzierers Capmark Financial und baut seine Position im Finanzsektor weiter aus. Er sichert sich die Hypothekensparte des Pleiteunternehmens zu einem Spottpreis.
Seinen jüngsten Coup leitet der legendäre Investor aus Omaha (Nebraska) Anfang September in aller Stille ein. Buffetts Mischkonzern Berkshire Hathaway signalisiert dem Capmark-Management, dem das Wasser bereits bis zum Hals stand, als Käufer bereitzustehen - natürlich zu seinen Bedingungen. Daher kam es zu einem Vorvertrag mit ungewöhnlichen Konditionen. Capmark zahlte zunächst 40 Mio. $ an Berkshire und dessen Partnerunternehmen Leucadia National. Im Gegenzug verpflichtete sich Buffett zu einer Übernahme zum Fixpreis zu einem späteren Zeitpunkt.
Warren Buffett   Warren Buffett
Während bei Besitzern und Gläubigern noch die Hoffnung bestand, dass Capmark um die Insolvenz herumkommen würde, wartete Buffett in aller Ruhe auf die Pleite. Er hatte sich bereits den Kaufpreis festschreiben lassen, sollte die Zahlungsunfähigkeit eintreten: Das Konsortium Berkadia, bestehend aus Berkshire und Leucadia, zahlt nun 415 Mio. $, um das Hypothekengeschäft zu übernehmen. Dazu kommen bis zu 75 Mio. $ für mögliche Verluste von Capmark .
Fachleute loben die Entscheidung Buffetts, sich auf den Geschäftsimmobilienmarkt zu wagen, der zum Zentrum der US-Finanzkrise geworden ist. "Der Markt ist am Boden. Jetzt ist Zeit zu kaufen", sagt Buffett-Experte Gerald Martin, Finanzprofessor an der Kogod School of Business in Washington, der Agentur Bloomberg. Die Capmark-Sparte passe zum Immobiliengeschäft, das er bereits gekauft habe.
Der zweitreichste Mann der Welt nutzt die Schieflage der Finanzinstitute nicht zum ersten Mal aus und hamstert Beteiligungen. Wenige Tage nach der Pleite von Lehman Brothers, die auch Goldman Sachs in den Strudel riss, stieg er mit 5 Mrd. $ bei der Investmentbank ein. Der Vertrauensbeweis brachte Goldman wieder in ruhigeres Fahrwasser und war möglicherweise sogar wichtiger als der spätere Einstieg der US-Regierung. Buffett ließ sich die Stütze teuer bezahlen: Er erhält eine jährliche Dividende von zehn Prozent. Genau so viel wie auf seine Anteile an General Electric, die er sich wenige Wochen später sicherte, wiederum zu einem Zeitpunkt höchster Not. Im Falle von Goldman darf Buffett darüber hinaus jederzeit weitere Vorzugsaktien für 115 $ pro Titel im Wert von 5 Mrd. $ kaufen. Das könnte eines Tages zum Milliardendeal werden, immerhin kostet die Goldman-Aktie heute bereits wieder 178 $. Auch die bestehenden Anteile werden für Buffett dank der Kurserholung zur Goldgrube. Im Juli waren sie laut Berechnungen der University of Louisiana bereits 9,1 Mrd. $ wert.
David Sokol - in Buffetts Imperium der heißeste Kandidat auf dessen Nachfolge - bringt in einem Interview mit dem TV-Sender CNBC die Dinge auf den Punkt: "Buffett hatte in den letzten 18 Monaten einfach die erfolgreichste Zeit seines Lebens an der Spitze von Berkshire - weil er Geld hatte, als es andere nicht hatten."
  • Aus der FTD vom 27.10.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland
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