18.11.2009, 13:05
Datenmissbrauch: Banken ziehen 100.000 Kreditkarten ein
Aus Angst vor Datenmissbrauch haben deutsche Banken die bislang größte Umtauschaktion von Kreditkarten in Deutschland gestartet. Alle Institute sind betroffen. Die Branche versucht, die Kunden zu beruhigen.
von Karsten Röbisch
und Doris Grass
Sämtliche deutsche Banken ziehen wegen eines mutmaßlichen Datenklaus im großen Stil die Kreditkarten ihrer Kunden ein. Insgesamt dürften weit über 100.000 Karteninhaber von dem größten Kartentausch in Deutschland betroffen sein. "Die Austauschaktion betrifft alle Banken in Deutschland gleichermaßen", sagte ein Sprecher des Zentralen Kreditausschusses (ZKA), der Dachorganisation der Banken, am Mittwoch. Er sprach von einer reinen Vorsorgemaßnahme.
Die FTD hatte zuvor berichtet, dass die Volks- und Raiffeisenbanken allein 60.000 Karten einziehen. Andere Finanzinstitute folgen nun. Die Sparkassen, die ebenfalls rund ein Drittel des deutschen Privatkundenmarktes kontrollieren, konnten keine genauen Zahlen nennen. Doch auch bei ihnen würden Karten ausgetauscht, sagte ein Sprecher des Verbands. Bei der
Commerzbank und der
Deutschen Bank hieß es, mehr Karten als üblich seien ausgewechselt worden. Die HypoVereinsbank teilte mit, bis zu 300 Karten seien bereits im September aus dem Verkehr gezogen worden, weitere 3000 sollen noch folgen.
Das Problem mit Kreditkarten zieht immer weitere Kreise. Der Massenrückruf wirft Fragen hinsichtlich der Sicherheit von Kreditkartendaten auf. Bereits im Oktober hatte die KarstadtQuelle Bank 15.000 Plastikkarten aus dem Verkehr gezogen. In der Vorwoche gab die Deutschlandtochter von
Barclays bekannt, ebenfalls Tausende Karten auszutauschen. Am Wochenende räumte zudem die
Lufthansa ein, Tausende ihrer Miles-and-More-Karten mit Bezahlfunktion zurückzunehmen. Kooperationspartner der Fluglinie ist die Deutsche Kreditbank.
Betroffen sind zunächst Karten von Visa und Mastercard, die in den vergangenen Monaten in Spanien genutzt wurden. Der Kreditkartenbetreiber Visa hatte die Banken vor rund vier Wochen gewarnt, es gebe Hinweise auf Ungereimtheiten bei einem sogenannten Prozessor in Spanien. Ein Kartenprozessor ist ein Unternehmen, das Kreditkartenzahlungen abwickelt und dafür sorgt, dass Einzelhändler ihr Geld bekommen oder dass etwa bei Abhebungen am Automaten das entsprechende Konto des Kunden belastet wird.
Möglicherweise wurden bei dem spanischen Dienstleister Kundendaten abgegriffen. Unklar ist noch, um welches Unternehmen es sich handelt und auf welche Weise Kartendaten gestohlen wurden. Visa lehnte eine Stellungnahme mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen ab.
Gefährdet sind nach FTD-Informationen nicht nur Karten, die in Spanien genutzt wurden. Betroffen sein könnten auch Kreditkarten, die beim Einkauf in Deutschland eingesetzt wurden, wenn der Handelspartner seinen Zahlungsverkehr über den Dienstleister in Spanien abgewickelt hat. Insbesondere bei Großunternehmen gibt es den Trend, Dienstleistungen wie den Zahlungsverkehr zu zentralisieren.
Teil 2: Kunden haben Widerrufsrecht
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Aus der FTD vom 18.11.2009
© 2009 Financial Times Deutschland