Der Hauptsitz der Depfa-Bank in Irland
Die Rating-Agentur Moody's hatte die Bank bereits im Dezember auf die Liste für eine mögliche Bonitätsherabstufung gesetzt. Gleichwohl zahlt die Bank ihren Aktionären eine um 47 Prozent auf 25 Cent erhöhte Dividende. An der Börse verlor die im MDax notierte Aktie 7,1 Prozent.
Während Konzernchef Gerhard Bruckermann in London Analysten Rede und Antwort stand, sprach sein bisheriger Vize Thomas Kolbeck in Frankfurt mit Journalisten über das abgelaufene Jahr und die Zukunftsaussichten des Staatsfinanzierers. Ab sofort gehört Kolbeck der operativen Führung der Bank nicht mehr an, sondern wird Vorsitzender eines Risikoausschusses. Dieser soll Bandbreiten für Risikopositionen vorgeben, die der Vorstand künftig einhalten muss. Neuer Vizevorstandschef wird Matthias Mosler, der seit Oktober für Depfa arbeitet und zuvor Deutschlandchef von Merrill Lynch war.
Mangelhaftes Risikomanagement bei Depfa
Kolbecks neue Funktion deutet nach Auffassung von Analysten darauf hin, dass das bisherige Risikomanagement zu wünschen übrig ließ. Immerhin musste die Depfa Bank, die stets mit Stolz auf die Risikoarmut ihres Geschäfts hingewiesen hatte, im vergangenen Jahr 3 Mio. Euro bei einer Infrastrukturfinanzierung abschreiben. Das Pikante daran: Es erwischte die Bank ausgerechnet auf ihrem Heimatmarkt, nämlich in Rostock. Im weitaus größeren Auslandsportfolio fiel dagegen nichts an.
Die Bilanz zeigt zudem, dass die Depfa mit ihren Eigenhandelsaktivitäten keine besonders glückliche Hand hatte. "2005 lagen die Ergebnisse im Eigenhandel unter den Erwartungen der Bank", sagte Kolbeck. Die gesamten Erträge, die im neuen Segment Global Markets bilanziert werden, fielen um 26,9 Prozent auf 350 Mio. Euro, das Ergebnis vor Steuern um 28,8 Prozent auf 316 Mio. Euro.
Gewinnprognose verfehlt
Der Konzernabschluss wiederum war geprägt durch eine negatives Handelsergebnis von 115 Mio. Euro, nachdem hier vor einem Jahr noch ein Plus von 41 Mio. Euro gestanden hatte. Dieser Verlust wurde jedoch überkompensiert durch Erträge aus dem Verkauf von Aktiva in Höhe von 480 Mio. Euro, die mehr als die Hälfte des Gesamtertrags des Konzerns von 814 Mio. Euro ausmachten.
Ursprünglich wollte die Depfa 2005 ein Vorsteuerergebnis von rund 500 Mio. Euro erzielen. Der Vorjahreswert von 534 Mio. Euro galt als unerreichbar, da er einen einmaligen Sonderertrag von 50 Mio. Euro enthielt.
Die ursprüngliche Gewinnprognose für 2006 von 600 Mio. Euro wurde nicht aufrecht erhalten. Kolbeck begründete dies damit, dass die Depfa mittlerweile ein "gereiftes Unternehmen" sei. Deshalb werde sie die Gepflogenheiten anderer internationaler Banken übernehmen und in Zukunft ein Ziel für die Eigenkapitalrendite verfolgen. Dies liege bei 20 bis 25 Prozent nach Steuern und könne je nach Entwicklung von Eigenkapital und Gewinn durchaus auf 600 Mio. Euro hinauslaufen.