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Merken   Drucken   26.04.2012, 15:48 Schriftgröße: AAA

Deutsche Bank: Ackermanns unvollendetes Werk

Deutsche-Bank-Chef Ackermann hat mit dem Kauf der Postbank das Privatkundengeschäft gestärkt und seinem Haus damit ein zweites Standbein verschafft. Doch das ist noch ziemlich wackelig. Vor seinen Nachfolgern liegen schwierige Aufgaben.
© Bild: 2012 Reuters/KAI PFAFFENBACH
Kommentar Deutsche-Bank-Chef Ackermann hat mit dem Kauf der Postbank das Privatkundengeschäft gestärkt und seinem Haus damit ein zweites Standbein verschafft. Doch das ist noch ziemlich wackelig. Vor seinen Nachfolgern liegen schwierige Aufgaben.
von Frankfurt

Nein, wirklich glamourös sind die Quartalszahlen nicht, die Deutsche-Bank -Chef Josef Ackermann zum Ende seiner Dienstzeit vorgelegt hat. Mit einem Vorsteuergewinn von 1,9 Mrd. Euro blieb Deutschlands größtes Kreditinstitut unter dem Vorjahreswert und den Prognosen der Analysten. Doch Rekorde waren nicht zu erwarten angesichts des schwierigen Marktumfelds.

Deutsche Bank Stationen eines Topbankers

Für eine Bewertung von Ackermanns Leistung, der auf der Hauptversammlung Ende Mai das Zepter an Anshu Jain und Jürgen Fitschen übergibt, taugen die Zahlen ohnehin nicht. Denn natürlich bekam der 64-Jährige zum Abschied noch einen eingeschenkt, wie es bei Chefwechseln dieser Größenordnung oft geschieht. Die Aufräumarbeiten, beispielsweise weitere Ausgaben zur Beilegung von Rechtsstreitigkeiten, hinterließen abermals deutliche Spuren. Sie kosteten die Bank rund 500 Mio. Euro, die die Analysten nicht auf ihrem Zettel hatten.

Ackermann hinterlässt seinen Nachfolgern eine Baustelle

Böswillige Zungen könnten sagen, dass bis auf die Sonderbelastungen im Zahlenwerk ohnehin nichts an Ackermanns Wirken erinnert. Klar, die Bank ist heute größer und internationaler als zu seinem Amtsantritt vor zehn Jahren. Die starke Abhängigkeit von der Investmentbank ist jedoch geblieben. Die vom künftigen Co-Chef Jain angeführte Sparte, das wurde im zurückliegenden Quartal erneut deutlich, steht für zwei Drittel des Gewinns. Die klassischen Bankdienstleistungen machen hingegen nur ein Drittel aus. Ähnlich war das Verhältnis schon vor zehn Jahren, obwohl die Deutsche Bank damals noch nicht die Postbank besaß.

Wer es mit Ackermann jedoch gut meint, verweist gerade auf die von ihm durchgesetzte Übernahme von Postbank und Sal. Oppenheim. Damit hat der Schweizer die Bank nach der Finanzkrise strategisch neu aufgestellt, auch wenn sich das in den Zahlen noch nicht widerspiegelt. Ackermann hat eben nur ein Versprechen abgegeben, einlösen müssen es nun seine Nachfolger. Und die Quartalszahlen zeigen, wie schwer das Ziel zu erreichen ist.

Denn während das Zahlungsverkehrsgeschäft für Firmen immerhin noch mit dem besten Quartalsergebnis in der Geschichte aufwarten kann, schwächelt das Privatkundengeschäft bedenklich. Gewiss, dafür sind auch Sonderbelastungen im Zusammenhang mit der Postbank-Integration verantwortlich. Die Zahlen offenbaren aber auch ein generelles Problem: Sobald es an den Finanzmärkten ruckelt, halten sich die Anleger mit Investitionen in Fonds und anderen Finanzprodukten zurück. Die Folge: die Erlöse sinken.

Für die Deutsche Bank wird es künftig darum gehen, die Erträge im Privatkundengeschäft zu stärken, und zwar so, dass sie auch in schwierigen Marktphasen möglichst gleichmäßig sprudeln. Denn wenn die Sparte schon nicht an die Profitabilität der Investmentbank heranreicht, so sollte sie diesen Nachteil mit einer größeren Stabilität ausgleichen.

  • FTD.de, 26.04.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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