Als Mark Fulton noch durfte, wie er wollte - da produzierte die Deutsche Bank im Namen der Weltenrettung gern mal große Mengen Papier. Über stolze 104 Seiten streckt sich der Bericht "Investieren in den Klimawandel 2012", den das größte deutsche Geldinstitut im Mai präsentierte. Darunter machte es Fulton, der "Global Head of Climate Change Investment Research", nicht.
Die Sache ist nur: Die 2012er-Studie - von der Deutschen Bank hochtrabend als "Weißbuch" bezeichnet - dürfte die letzte in der vor fünf Jahren gestarteten Reihe sein. Fulton darf nicht mehr, wie er will. Seine Analyseabteilung wurde nach FTD-Informationen in dieser Woche aufgelöst.
Quantitativ ist die Schließung kaum der Rede wert. Sieben Analysten, so ist zu hören, arbeiteten zuletzt in Fultons Researchteam. Als Sinnbild taugt die Maßnahme trotzdem: Die in New York beheimatete Ökotruppe sollte für die Fortschrittlichkeit und vielleicht auch für das Gute der Deutschen Bank stehen. Geld verdienen mit dem Megathema Klimawandel - und zugleich einen Beitrag leisten, die Erderwärmung zu stoppen. Unter den neuen Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen ist für die imagefördernde Abteilung nun aber kein Platz mehr. Was nutzt alle Fortschrittlichkeit, wenn sie sich nicht in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung niederschlägt?
Die Deutsche Bank will sparen, um die Kosten runterzukriegen. Tausende Arbeitsplätze stehen zur Disposition. Vermutlich ist es kein Zufall, dass es die Fulton-Truppe als eine der ersten traf. Sie war besonders eng verknüpft mit dem Ancien Régime. Kevin Parker, damals noch mächtiger Chef der Vermögensverwaltung, hatte die Abteilung 2007 begründet. Und noch zu deren 2011er-Bericht trug er ein bedeutungsschwangeres Vorwort bei. Doch Parker galt als Ackermann-Getreuer. Mit Jain dagegen konnte er weniger gut. In der neuen Deutschen Bank war kein Platz mehr für ihn.
Verabschieden sich die Frankfurter vom Investmentthema Klimawandel? Nein. Die Tochter DWS verwaltet rund 5,3 Mrd. Euro in entsprechenden Fonds - mit dem Klimalabel lassen sich nach wie vor Kunden locken. Auf Weißbücher aus New York ist die Sparte aber nicht angewiesen. Sie waren zwar schön zu lesen, aus Investorenperspektive aber doch arg luftig. Die zuständigen Fondsmanager jedenfalls, so heißt es, hätten sich für Fultons Großstudien kaum interessiert.