Gut, dass Hilmar Kopper gekommen ist, werden die Leute vom Buchverlag der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" gedacht haben. Ohne solch einen namhaften Laudator hätten sie wohl kaum das Interesse der Medien für die Vorstellung einer Biografie gewinnen können, deren Titel eine Nähe des Autors zum Porträtierten vermittelt, die an das Zusammenleben von Legehennen erinnert. "Josef Ackermann. Leistung aus Leidenschaft. Eine Würdigung". Dies ist der Slogan der Deutschen Bank . Eine allzu tiefe Verbeugung.
Dass Kopper erscheinen würde, war alles andere als klar. Es sei ihm schwergefallen, wie der langjährige Vorstandssprecher und Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank einräumt. "Bei der Flut an Ackermann-Publikationen habe ich mich gefragt: Was soll das?", sagt der 78-Jährige. Den Ausschlag gaben letztlich das Renommee des Verlags und der Autor Manfred Pohl, der als ehemaliger Leiter des hauseigenen Historischen Instituts die Bank so gut kenne wie kein anderer.
Anscheinend ist dem studierten Historiker ja in der Zeit seine Distanz zur Bank abhandengekommen. Denn natürlich bekommt der Leser für 19,90 Euro das, was der Titel suggeriert: eine oberflächliche Lobhudelei auf Ackermann, der die Bank nach zehn Jahren an der Spitze Ende des Monats verlässt. Pohl erwähnt die unbestrittenen Verdienste Ackermanns, etwa den von ihm forcierten Aufstieg zur internationalen Großbank.
Kritische Punkte wie die Rolle der Bank in der Finanzkrise spart Pohl aber weitgehend aus. Neues enthält das Buch ohnehin nicht, wie auch: Direkten Kontakt zu Ackermann oder dessen Weggefährten hatte Pohl nicht, als Quellen dienten ihm nur Zeitungsartikel oder Bankpublikationen. Die gefundenen Zitate nutzt Pohl, um Ackermanns Wesen und Gedanken zu entschlüsseln. Als ob die öffentliche Figur und der Privatmann identisch wären. Kaum zu glauben, dass die Bank am Buch nicht beteiligt war.
Für ein paar kritische Töne sorgt ausgerechnet Kopper. Es sei ein Rückschritt von Ackermann gewesen, sich zum Vorstandsvorsitzenden zu küren, nachdem die Bank zuvor nur Vorstandssprecher hatte. Die Konstellation sei mitverantwortlich für das Chaos bei der Nachfolgersuche gewesen, sagt Kopper. "Ein Sprecher wird vom Vorstand gewählt, ein Vorsitzender vom Aufsichtsrat." Weil das neu war für die Bank, habe es prompt gehakt.
Gut, dass Hilmar Kopper gekommen ist, denken nach dieser Schelte die Journalisten.