Es ist wahrlich kein leichter Start für Anshu Jain und Jürgen Fitschen an der Spitze der Deutschen Bank. Seit die beiden im Juni die Nachfolge von Josef Ackermann angetreten haben, müssen sie den Aktionären eine schlechte Nachricht nach der anderen erklären: Der geplante Verkauf der Vermögensverwaltung an die US-Finanzfirma Guggenheim ist gescheitert, die Finanzaufsicht BaFin hat wieder den Verkauf der Frankfurter BHF-Bank verhindert, Gewinnwarnung, Stellenabbau im Investmentbanking. Vor allem der Skandal um Manipulationen an den Vergleichszinssätzen Libor und Euribor, an denen Händler der Deutschen Bank beteiligt waren, kann für Jain gefährlich werden. Ihm unterstand das Investmentbanking, in dem die Händler arbeiteten.
Mit der Rückendeckung ihres Aufsichtsratschefs Paul Achleitner, der Jain am Dienstag in einem Mitarbeiterbrief aus der Schusslinie nahm, versuchten beide die Flucht nach vorn, stellten sich den Analysten und versprachen einen Kulturwandel in der Bank. Doch ihre Gegner lassen nicht locker. Vor allem nicht jene aus dem Umfeld des früheren Bankchefs, der sich bis heute nicht anfreunden kann mit der neuen Doppelspitze.
In kleiner Runde, so berichten es übereinstimmend mehrere Personen, die es mitgehört haben wollen oder denen es zugetragen wurde, habe Ackermann Jain und Fitschen als "Loser" (Verlierer) bezeichnet. Nun fragt man sich in den Frankfurter Zwillingstürmen der Bank, warum soll Ackermann es nötig haben, seine Nachfolger Verlierer zu nennen?
Dass der Schweizer lieber den Ex-Bundesbankchef Axel Weber als seinen Nachfolger gehabt hätte, das war für alle klar, seit Ackermann im April 2011 in einem Interview sagte: "Die richtige Persönlichkeit kann alles lernen. Persönlichkeit aber kann man nicht lernen." Damit wollte Ackermann interne Kritiker Webers umstimmen, und umgekehrt mussten Jain, Fitschen und andere Vorstände den Satz so verstehen, dass Ackermann sie nicht für die richtigen Persönlichkeiten hielt. Was folgte, ist bekannt: Ackermann versuchte, den damaligen Chefkontrolleur Clemens Börsig wegzuputschen und sich selbst an die Aufsichtsratsspitze zu setzen - und scheiterte. Börsig bedankte sich, indem er an Fitschens Seite Jain installierte, den Ackermann für zu angelsächsisch, für zu verhaftet im riskanten Investmentbanking hielt.
All das wäre für Jain und Fitschen längst Vergangenheit, wenn das mediale Dauerfeuer nicht noch anhalten würde. Ackermann ist inzwischen Präsident des Verwaltungsrats des Versicherers Zurich und Beirat der türkischen Akbank und der Kuwaitischen Nationalbank. Der Schweizer äußert sich nicht öffentlich über die Deutsche Bank. Doch die Büchsenspanner aus seinem früheren Umfeld äußern sich weiter eifrig. So verbreiteten sogenannte Insider jüngst über das "Handelsblatt", Ackermann habe den Aufsichtsrat wegen der Zinsaffäre mehrfach vor Jain gewarnt. Und die frühzeitige Kooperation mit den Ermittlern trage die Handschrift Ackermanns, der "den Fall vollständig aufgeklärt haben wollte". Da darf man fragen: Warum hat Ackermann den Fall dann nicht selbst aufgeklärt? Er war doch damals der Chef.
Nun darf Jain noch gespannt sein auf ein Buch, das im Oktober erscheint. Es trägt den Titel "The Deutsche", Autor ist Georg Meck, Redakteur der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Im Begleittext des Verlages heißt es über den Inhalt: "Ein Inder erobert die Deutsche Bank ... Wie gefährlich ist der neue Kurs? Wird das deutsche Traditionshaus zur Zockerbude?" Wenn in dem Buch Insider zitiert werden, die es schon immer gewusst haben, ahnt man schon, wer sich dahinter verbergen könnte.