Aktienexperte Dieter Hein von der französischen Großbank Crédit Lyonnais, schreibt in einer Studie: "Aus unserer Sicht befinden sich die Investoren in einer Situation, in welcher sie der Deutschen Bank vertrauen müssen, dass alles korrekt ist, da es für sie selbst nicht möglich ist, die Zahlen exakt zu überprüfen". Die Deutsche Bank, die erstmals 2001 nach US-GAAP bilanzierte, wies im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Jahresüberschuss von 167 Mio. Euro aus. Nach dem alten IAS hätte der Gewinn nach Steuern allerdings 1,37 Mrd. Euro betragen.
Noch stärker fällt der Vergleich für das Jahr 2000 aus, für das die Bank eine Pro-forma-Bilanz nach US-GAAP vorgelegt hat. Laut dem US-Standard erzielte das Institut einen Jahresüberschuss von 13,5 Mrd. Euro. Nach IAS aber wies die Deutsche Bank für 2000 nur einen Gewinn nach Steuern von 4,23 Mrd. Euro aus.
Grund für die drastischen Unterschiede, die jede Berechnung von Eigenkapitalrenditen zur Farce machen, ist die Behandlung von Steueränderungen unter US-GAAP. In den zurückliegenden beiden Jahren hat die Bundesregierung die Körperschaftsteuer gesenkt und Buchgewinne aus Beteiligungsveräußerungen freigestellt. Deswegen musste die Deutsche Bank in ihrer Bilanz für 2001, grob gesehen, latente aktivierte Steuern von knapp 1 Mrd. Euro bilden. In 2000 wäre ein Steuereffekt in umgekehrter Richtung von 9,29 Mrd. Euro entstanden.
Die Deutsche Bank begründet den Wechsel zu US-GAAP mit der Börseneinführung an der New York Stock Exchange, die am 3. Oktober 2001 stattfand. Tatsächlich aber müssen Unternehmen, die an der Wall Street notiert sind, nicht in vollem Umfang US-GAAP anwenden. Sie tun dem Gesetz genüge, wenn sie eine so genannte Überleitungsrechnung vorlegen. So seien die Schweizer Großbanken Credit Suisse und UBS verfahren, sagt Analyst Hein.