Die Deutsche Bank hat im ersten Quartal 2012 1,9 Mrd. Euro vor Steuern verdient. Im außergewöhnlich starken Vorjahreszeitraum waren es gut 3 Mrd. gewesen. Analysten hatten dieses Mal im Schnitt mit 2,4 Mrd. gerechnet, dabei allerdings keine Sonderposten wie neuerliche Abschreibungen auf den Pharmakonzern Actavis und Kosten für Rechtsstreitigkeiten eingerechnet. Der Überschuss der Bank lag mit 1,4 Mrd. Euro ebenfalls unter den Erwartungen von 1,56 Mrd. Euro. Das ist deutlich weniger als noch vor einem Jahr, als 2,1 Mrd. Euro zu Buche standen. Die Erträge des Konzerns sanken um 12 Prozent auf 9,2 Mrd. Euro. Die Kernkapitalquote beträgt zehn Prozent.
Bankchef Josef Ackermann sagte über die letzte Bilanzvorlage unter seiner Führung: "Vor dem Hintergrund anhaltender Zurückhaltung auf den globalen Finanzmärkten haben wir solide Ergebnisse erzielt. (...) Mit Blick auf den weiteren Jahresverlauf 2012 sehen wir für unser Geschäftsumfeld einige ermutigende Zeichen einer Erholung, während gleichzeitig fundamentale Herausforderungen für die Weltwirtschaft bestehen bleiben." Eine konkrete Gewinnprognose wagte der Schweizer aber wie so viele Geldhäuser wegen des unsicheren Marktumfelds nicht.
Das sehen Analysten nicht ganz so positiv: "Die Zahlen waren eher schlecht, aber im europäischen Kontext sind sie immer noch gut", sagte Heino Ruland von Ruland Research der Nachrichtenagentur Reuters. Ein anderer Händler erklärte, er können an dem Zahlenwerk nichts Schönes finden. Das erste Quartal sei insgesamt enttäuschend ausgefallen. Die Aktie gab zu Handelsbeginn deutlich nach und war schlechtester Wert im deutschen Leitindex DAX .
Während die Schuldenkrise das Kapitalmarktgeschäft Ende 2011 weitgehend zum Stillstand gebracht hatte, belebte es sich in den ersten drei Monaten des neuen Jahres deutlich. Vor allem der Anleihehandel spülte der Deutschen Bank Geld in die Kasse. Insgesamt fuhr die Investmentbank (Corporate Banking & Securities) im ersten Quartal einen Vorsteuergewinn von 1,7 Mrd. Euro ein - zwei Drittel des Konzernergebnisses. Im Vorjahresquartal waren es allerdings noch 2,3 Mrd. Euro gewesen.
Die Investmentbank wird von Anshu Jain geleitet, der am 1. Juni gemeinsam mit Jürgen Fitschen den derzeitigen Bankchef Josef Ackermann ablösen wird. In seinem Brief an die Aktionäre dankte Ackermann diesen für "Ihre Loyalität, Ihre Unterstützung und Ihren Zuspruch" in den zurückliegenden zehn Jahren. Er übergibt seiner Ansicht nach Fitschen und Jain ein gemachtes Haus: "Es war mir eine Ehre, während meiner Tätigkeit Ihre Interessen bei der Deutschen Bank zu vertreten, von der ich mit Überzeugung sage, dass sie gut für eine erfolgreiche Zukunft gerüstet ist."
Das Privatkundengeschäft und die Vermögensverwaltung (Private Clients and Asset Management) wies ein Vorsteuerergebnis von 555 Mio. Euro auf, wobei auf den Bereich Privat- und Geschäftskunden 413 Mio. Euro entfielen. Hier sprach die Bank von einem starken Kredit- und Einlagengeschäft, das aber durch negative Effekte aus dem Risikoabbau bei der Postbank und "gedämpfter" Anlagebereitschaft belastet wurde.
Im Private Wealth Management lag das Vorsteuerergebnis bei 88 Mio. Euro, im Asset and Wealth Management bei 142 Mio. Euro und im Asset Management (AM) bei 45 Mio. Euro. Die Risikovorsorge im Kreditgeschäft lag bei 314 Mio. Euro. Das entspricht einem Rückgang um 16 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.
Am Mittwoch war bekannt geworden, dass der US-Generikahersteller Watson für 4,25 Mrd. Euro den in der Schweiz ansässigen Konkurrenten Actavis übernimmt. Der Verkauf sichert der Deutschen Bank Gelder, die sie dem isländischen Milliardär Bjorgolfur Thor Bjorgolfsson zum Kauf von Actavis im Jahre 2007 geliehen hatte. Überdies wird mit dem Amtsantritt des neuen Führungsduos Anshu Jain und Jürgen Fitschen Ende Mai weiteres Kapital frei.
Actavis hatte zuletzt das Geschäftsmodell überarbeitet, nachdem Bjorgolfsson im Zuge der Finanzkrise Kapital verloren hatte und die Deutsche Bank damit auf Schulden in Höhe von bis zu 5 Mrd. Dollar sitzen geblieben war..
Bereits im vierten Quartal hatte die Deutsche Bank eine Abschreibung von 407 Mio. Euro für Actavis vorgenommen. Wie das Unternehmen in der Nacht zum Donnerstag erklärte, sollen nun weitere 257 Mio. Euro an Abschreibungen hinzukommen. Der Betrag werde für das erste Quartal verbucht. Die Bank teilte mit, sie erwarte nun, dass die Tier-1-Kernkapitalquote im laufenden Jahr um 6 Basispunkte steigen werde, da sich das harte Kernkapital um 290 Mio. Euro erhöhen werde.
(Mit Agenturen)