Der erste Börsengang 2012 im regulierten Prime Standard in Frankfurt wird von einem chinesischen Unternehmen bestritten. Bis zum Ende der Zeichnungsfrist am 10. Mai will Haikui Seafood 1,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 10 bis 13 Euro an mögliche Investoren verkauft haben. Ab dem 15. Mai soll die Aktie an der Deutschen Börse handelbar sein. Zusätzlich beinhaltet das Angebot eine Mehrzuteilungsoption von bis zu 225.000 Aktien aus den Beständen zweier Altaktionäre.
Insgesamt wollen das Haikui-Management und die begleitenden Banken, die deutsche BankM und die norwegische Pareto-Gruppe, rund 20 Mio. Euro einsammeln. Haikui Seafood aus der Küstenprovinz Fujian verarbeitet Fisch und Meeresfrüchte zu verzehrfertiger Dosen- und Tiefkühlware.
Haikui wird in diesem Jahr nicht die einzige chinesische Firma sein, die in Frankfurt gelistet werden will. "Für das Jahr 2012 rechnen wir mit mehreren Börsengängen aus China, ohne uns auf eine genaue Zahl festlegen zu können. Die Nachfrage ist groß, die Unternehmen warten allerdings auch auf ein geeignetes Umfeld im Kapitalmarkt", sagt ein Sprecher der Deutschen Börse. Seit 2007 sind 31 Firmen aus China aufs Frankfurter Parkett gestrebt. 2011 wurden fünf Unternehmen in den geregelten Handel aufgenommen, dazu kamen neun Firmen, die kein öffentliches Angebot vorlegten und deren Aktien im Freiverkehr handelbar sind.
Börsengänge im Ausland gestalten sich für chinesische Unternehmen zunehmend schwierig. Denn Anleger haben mit einigen der bisher in Deutschland oder Nordamerika gelisteten Firmen schlechte Erfahrungen gemacht. Im Mai 2011, nur wenige Tage vor dem Parkettdebut in New York, warfen Investoren etwa dem sozialen Onlinenetzwerk Renren vor, potenzielle Anleger getäuscht zu haben. Die Firma und ihre Banken hätten die Bewertung des Internetunternehmens zu hoch angesetzt, lautete die Kritik.
Dem Vorwurf der Täuschung ist auch der Holzkonzern Sino-Forest ausgesetzt. Der Händler und Analyst Carson Block von Muddy Waters hatte im vergangenen Sommer behauptet, die Waldbestände der Firma seien geringer als ausgewiesen. Zahlreiche Anleger verkauften daraufhin die Aktien des Unternehmens. Ende März hat das im kanadischen Toronto gelistete Unternehmen Gläubigerschutz beantragt.
In Deutschland mussten der Generatorenbauer United Power und der Hersteller von Spezialgläsern China Specialty Glass (CSG) ihre eigentlich für Ende 2010 geplanten Börsengänge auf Juni 2011 verschieben. Der Grund: ein "schwieriges Kapitalmarktumfeld" - was bedeuten dürfte, dass es zu wenig Interessenten für die Aktien gab. Im Juli 2011 erlöste der Verpackungshersteller Youbisheng Green Paper im Zuge seines Börsengangs lediglich 1,4 Mio. Euro - geplant war ein Volumen von bis zu 54 Mio. Euro. Auch damals war die BankM Konsortialführer.
Das Risiko, als chinesisches Unternehmen aufgrund der Vorfälle bei Renren und Sino-Forest in Sippenhaft genommen zu werden, ist groß. Das mussten auch andere in Frankfurt gelistete Firmen wie der Handtaschenhersteller Powerland, der Generatorenhersteller United Power Technologies oder CSG erfahren, allesamt Börsenneulinge des Jahres 2011. Seit ihren Börsendebüts im April (Powerland) und Juni (United Power und CSG) 2011 haben die Papiere der Unternehmen zwischen 31,5 und 53,6 Prozent verloren - deutlich stärker als der Gesamtmarkt. Zum Vergleich: Das im April 2011 in Frankfurt erstnotierte Papier der deutschen Firma GSW Immobilien legte seit dem Börsenstart 12,5 Prozent zu.
Dem Haikui-Management ist durchaus bewusst, dass Unternehmen und Aktie von den Anlegern genau unter die Lupe genommen werden. "Wir wollen versuchen, die Dinge anders anzugehen", sagt Haikui-Finanzvorstand Alan Gey. Auch aus diesem Grund gebe es beim Börsengang eine Sperrfrist von zwölf Monaten, in denen die Geschäftsführung ihre Aktien nicht verkaufen darf und sich bereits beteiligte Investoren Verkäufe von beiden begleitenden Banken genehmigen lassen müssen. Zudem sei das Volumen von 1,5 Millionen Stück so niedrig gehalten, weil man sich zunächst das Vertrauen der Investoren erarbeiten wolle, so Gey. Das Investorenvertrauen sei auch ein Grund, warum die Deutsche Börse ausgewählt wurde und nicht London oder New York.
"Frankfurt fordert eine hohe Transparenz und stellt hohe Ansprüche an die Unternehmensführung", so Haikui-Vorstandschef Chen Zhenkui. Ebenfalls ausschlaggebend dürften die in Frankfurt vergleichsweise geringen Kosten für einen Börsengang sein. Während für den Prime Standard 5500 Euro für die Zulassung und 10.000 Euro jährlich für die Handelsaufnahme fällig werden, verlangt etwa die Londoner Stock Exchange alleine für die Zulassung mindestens 11.300 Euro. In New York werden gar 89.286 Euro fällig.
Für das Vertrauen der Anleger in die Haikui-Aktie sollen auch zwei deutsche Aufsichtsratmitglieder sorgen. Zudem wird das Unternehmen nur von einer Gesellschaft geprüft. Der Holzkonzern Sino-Forest hatte Prüfer in Kanada, die sich auf Zahlen einer anderen Prüfgesellschaft aus China verlassen hatten. Das soll bei Haikui vermieden werden, indem die Prüfer von Crowe Horwarth die Daten vor Ort in China einsammeln.
Haikui will die Emissionserlöse zu bis zu 75 Prozent in die Teilfinanzierung einer neuen Produktionsstätte in der Nähe der bestehenden Fabrikanlagen auf der Insel Dongshan verwenden. Zusätzlich sollen 25 bis 45 Prozent für die Finanzierung des operativen Geschäfts verwendet werden. 2011 macht Haikui 35,4 Mio. Euro Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen - 8,3 Mio. Euro mehr als im Vorjahr.