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  FTD-Serie: Legende sucht Nachfolger

Die Investment-Legende Warren Buffett tritt bald ab. Die FTD stellt mögliche Nachfolger vor.

Merken   Drucken   06.05.2007, 20:36 Schriftgröße: AAA

Die Pilger des Kapitalismus

Dossier Nicht einmal die Tornadowarnung hat sie abhalten können. In Scharen kamen die Aktionäre von Berkshire Hathaway nach Omaha. Sogar aus Kuwait und dem Schwarzwald. Es könnte die letzte Show von Altmeister Warren Buffett gewesen sein. von Heike Buchter
Anleger-Ikone: Warren Buffett,  Vorstandschef von Berkshire Hathaway   Anleger-Ikone: Warren Buffett, Vorstandschef von Berkshire Hathaway
Über 27.000 Aktionäre haben sich zur Hauptversammlung von Berkshire Hathaway  im Qwest Center, der lokalen Sportarena der 400.000-Einwohner-Stadt im amerikanischen Mittleren Westen, eingefunden. Keineswegs, um wie bei anderen Konzernen ihren Topmanager zur Rechenschaft zu ziehen, sondern um Warren Buffett zu feiern. Den Vorstandschef und Großinvestor des 170 Mrd. $ (125 Mrd. Euro) schweren Mischkonzerns. Unter den Jubel mischt sich eine Ahnung von Abschiedsschmerz: Der 76-Jährige sucht seit März nach einem Nachfolger - ohne aber einen Zeitpunkt für sein Ausscheiden genannt zu haben.
Der ergraute Mann im dunkelblauen Anzug mit dem Kassenbrillengestell tritt vors Mikrophon. Bevor er loslegt, ein kurzer Soundcheck: " Test: eine Million, zwei Millionen, drei Millionen ..." Gemeinsam mit den texanischen Quebe Sisters spielt er seinen Aktionären ein Country-Ständchen. "Ich werde mich bald nach einem Job umsehen und dies ist mein erstes Vorsingen - damit lande ich hoffentlich bei 'American Idol'", scherzt der begeisterte Ukulele-Spieler mit Anspielung auf die populäre Castingshow auf dem US-Sender Fox.
Sie nennen ihn das "Orakel von Omaha", und das nehmen die Versammelten wörtlich. Manche haben nur eine Aktie gekauft, um ihn live zu erleben. Barbara Evan ist zusammen mit Tochter und Freundin aus Ohio angereist. Jede von ihnen hat eine Aktie gekauft. "Ich liebe Mr Buffett und sein großartiges Unternehmen." Sie sei schon ein wenig besorgt über die Nachfolgefrage. "Aber er wird sicher auch den Übergang gut managen." Davon geht auch Greg Skoda aus, der Firmen bei der Vorstandssuche berät. "Der Aufsichtsrat darf bloß nicht den Fehler machen, einen jüngeren Klon von Buffett zu suchen."
Das wäre den Fans jedoch am liebsten. "Er gefällt mir, weil er bodenständig geblieben ist", sagt Evelyn Tur aus Carlsbad, Kalifornien. Sie gehört zu den Veteranen. Seit 25 Jahren hält sie Berkshire-Papiere, seit rund einem Jahrzehnt ist sie jedes Jahr in Omaha dabei. "Heute sind die Aktien unerschwinglich - damals habe ich sie für 30 $ bekommen." Am Freitag schlossen die Berkshire-Aktien der Class A bei 109.250 $, die der Class B bei 3631 $. Die Class-B-Aktien sind mit einigen Beschränkungen ausgestattet.
Zur Veranstaltung gehört auch eine Ausstellung, auf der gut zwei Dutzend der rund 60 Berkshire-Unternehmen ihre Produkte vorstellen. Justin Brands, Hersteller von Westernkleidung, hat sogar zwei Longhornbullen in die Halle gepfercht. Bei der Milchshakekette Dairy Queen gibt es Eis am Stiel.
Buffett, der einst vor dem Derivateboom gewarnt hatte, räumt zwar ein, dass er selbst Derivate nutzt. Doch das explosionsartige Wachstum dieser komplexen Finanzinstrumente beunruhigt ihn: "Wir wissen nicht, wo die Gefahr beginnt oder wann es zu einer Supergefahr wird." Damit steige das Risiko, dass "unangenehme Dinge" am Markt passierten. Für Hedge-Fonds hat der Veteran des Value-Ansatzes, der auf langfristige Anlage in unterbewertete Firmen setzt, wenig übrig: "Es ist ungesund, wenn eine elektronische Herde unterwegs ist, die täglich oder gar stündlich Portfolioentscheidungen trifft."
Seit Buffett 2006 den Großteil seiner Berkshire-Anteile im Wert von rund 37 Mrd. $ der Stiftung seines Freundes, des Microsoftgründers Bill Gates, vermacht hat, muss sich der Großinvestor moralische Fragen gefallen lassen. Berkshire-Aktionäre - darunter Angehörige von Holocaust-Opfern - werfen ihm vor, durch sein Investment in den chinesischen Ölkonzern Petrochina indirekt den Völkermord in Darfur zu unterstützen. Petrochinas Mutter CNPC ist einer der wichtigsten Handelspartner der sudanesischen Regierung. Doch die Kritiker werden als Störenfriede in der Berkshire-Familie empfunden. Mit 98 Prozent lehnen die Aktionäre die Forderung nach einem Petrochina-Ausstieg ab.
Nur das Wetter ist nicht auf Buffetts Seite: Die übliche Après-Party fällt wegen Blitzschlaggefahr aus.
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  • Aus der FTD vom 07.05.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
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