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Merken   Drucken   09.05.2005, 22:33 Schriftgröße: AAA

Dossier: Emissionshandel erreicht den Nullpunkt  

Der Emissionshandel an der Leipziger Energiebörse European Energy Exchange (EEX) ist fast zum Erliegen gekommen. An 14 der vergangenen 16 Handelstage wechselten jeweils nur 100 Zertifikate für den Ausstoß von einer Tonne Kohlendioxid (CO2) den Besitzer, am Montag gab es überhaupt keinen Handel. von Claus Hecking, Frankfurt
Dampfende Schornsteine der BASF in Ludwigshafen   Dampfende Schornsteine der BASF in Ludwigshafen
"Man könnte bei solchen Zahlen den Eindruck einer Goodwill-Aktion haben", sagte Hilmar Kahnt, Leiter Energiehandel des Stromversorgers GEW Rheinenergie, der FTD.
Schließlich entsprechen 100 Zertifikate einem täglichen Marktvolumen von nicht einmal 2000 Euro. Der durchschnittliche Tagesumsatz am Terminmarkt für CO2-Zertifikate ist dagegen mehr als 5000-mal so hoch. Auch der bilaterale Handel zwischen einzelnen Unternehmen boomt - im Gegensatz zur Leipziger Börse. "Wir waren von einem schwachen Start ausgegangen. Aber mit einem so verhaltenen Start haben wir nicht gerechnet", räumt ein EEX-Sprecher ein.
Schnittstellenprobleme führen immer wieder zu Systemausfällen
Leipzig hatte am 9. März den Spothandel mit den Emissionsrechten aufgenommen. Seit Jahresbeginn müssen EU-weit rund 12.000 Industriebetriebe für jede ausgestoßene Tonne CO2 ein solches Zertifikat besitzen. In Deutschland wurden die Rechte den Unternehmen vom Umweltministerium kostenlos in Absprache mit der EU zugeteilt. Ursprünglich sollten die Zertifikate den Betrieben spätestens bis zum 28. Februar bei der Deutschen Emissionshandelsstelle (DEHSt)- einer Art Bank für die Zertifikate - in einem Register auf individuellen Konten gutgeschrieben werden.
Doch hier hakt es: Immer wieder führen Schnittstellenprobleme zwischen dem deutschen Register und dem Brüsseler Zentralregister der EU zu Systemausfällen. Und so ist mehr als zwei Monate nach dem ursprünglich geplanten Termin nur ein Drittel aller Konten eingerichtet. Dies betrifft kaum den bilateralen Handel zwischen den Unternehmen, der oft auf guten Geschäftsbeziehungen und Vertrauen basiert, wohl aber den Börsenhandel. "Wenn es keine Zugriffsmöglichkeit auf die Konten gibt - wie soll da ein Markt funktionieren?", fragt Christian Mehl, Leiter für Emissionshandel bei MVV Energie. Ludwig Kons, Leiter Environmental Trading bei RWE Trading, ergänzt: "Solange Handelsteilnehmer nicht sicher sind, dass die Emissionsberechtigungen so wie vorgesehen übertragen werden können, sind sie im Spothandel zurückhaltend."
Auch die Übergangslösung der EEX - die Zertifikate werden schon jetzt abgetreten, aber erst später auf den Konten verrechnet - findet bislang nur wenige Freunde. Der Aufwand für die juristische Prüfung dieses Verfahrens erscheine offensichtlich vielen Handelsteilnehmern zu hoch, sagt Kons - "zumal die Registerbetreiber immer wieder gesagt haben, man werde die Probleme bald in den Griff bekommen."
Die Leipziger Börse weiß um ihre Schwächen
Doch das ist noch immer nicht der Fall: Am Freitag vergangener Woche war das deutsche Register schon wieder abgeschaltet. "Die Einführung dieses Systems ist sehr komplex, und die EU hat uns einen sehr ambitionierten Zeitplan vorgegeben", sagt eine Sprecherin der DEHSt. "Es kann daher noch einige Wochen dauern, bis alle Konten eingerichtet sind."
Aber auch dann dürfte der Emissionshandel bei der EEX kein Selbstläufer werden. "Liquidität zieht bekanntlich Liquidität an, und im Moment fehlt Leipzig noch die Akzeptanz bei den Händlern", sagt Kahnt. So findet an der EEX bislang nur eine Auktion pro Tag statt - "und das ist nicht mehr als ein statischer Schnappschuss", meint Benedikt von Butler, Broker der Firma Evolution Markets. "Im außerbörslichen Handel ändert sich der Preis dagegen fortlaufend."
Die Leipziger Börse weiß um ihre Schwächen - und versucht nun, sie zu beheben. "Wir wollen noch im Laufe dieses Jahres einen kontinuierlichen Handel einführen", verspricht Vorstandschef Hans-Bernd Menzel. Darüber hinaus erwäge die EEX auch die Gründung eines eigenen CO2-Terminmarkts, sagt der Börsensprecher. Dies allerdings werde wohl noch einige Monate dauern.
Der Handel mit den Emissionsrechten wird nach Einschätzung der Leipziger Strombörse ohnehin erst Ende des Jahres richtig in Schwung kommen. "Im Moment schieben gerade kleinere und mittelgroße Unternehmen das Thema Zertifikate noch vor sich her", sagt der EEX-Sprecher. "Doch spätestens am 31. März 2006 müssen sie ihren ersten Emissionsbericht abgeben." Die EEX geht daher in diesen Tagen auf eine deutschlandweite Roadshow: um das Problembewusstsein bei den Betrieben zu wecken - und so die eigenen Umsätze anzukurbeln.
  • Aus der FTD vom 10.05.2005
    © 2005 Financial Times Deutschland,
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