FTD.de » Unternehmen » Finanzdienstleister » Tops + Flops 2006: Viele Angler, aber zu wenig Fische

Merken   Drucken   10.01.2006, 21:40 Schriftgröße: AAA

Dossier: Tops + Flops 2006: Viele Angler, aber zu wenig Fische

Die internationalen Beteiligungsgesellschaften schwimmen im Geld. Trotzdem wird es für die Branche in Deutschland schwieriger, an Transaktionen zu kommen. von Angela Maier und Astrid Maier, Frankfurt
Große Private-Equity-Transaktionen in Deutschland   Große Private-Equity-Transaktionen in Deutschland
Für MAN-Chef Hakan Samuelsson fiel die Weihnachtsfreude kleiner aus als erhofft. Zu gerne hätte der Schwede dem Münchner Lastwagen- und Maschinenbauer die Daimler-Tochter MTU Friedrichshafen auf dem Gabentisch präsentiert. Doch Samuelsson musste seinem Landsmann Conni Jonsson den Vortritt lassen. Der von Jonsson geführte Finanzinvestor EQT aus Stockholm erkämpfte nach einem Jahr harter Verhandlungen den Zuschlag für den Dieselmotorenbauer, für 1,6 Mrd. Euro. Immerhin war MAN bis zum Schluss im Rennen. Noch vor einem Jahr hatten die internationalen Beteiligungsfonds Bietgefechte um deutsche Traditionsunternehmen weitgehend unter sich ausgemacht. 2006 dürfte sich der Vormarsch der strategischen Käufer fortsetzen, so die Meinung der Finanzexperten. "Die strategischen Investoren sind vor allem bei Auktionen ein Thema für die Private-Equity-Branche", sagt Thomas Pütter, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) und Chef der Allianz-Tochter Allianz Capital Partners. Viele Großkonzerne haben restrukturiert, ihre Bilanzen bereinigt und sitzen dank Rekordgewinnen auf vollen Kassen. Zielobjekte werden rarer So wird das Geschäft für die Finanzinvestoren 2006 schwieriger. Denn nicht nur der Wettbewerb nimmt zu - auch durch die Börse, an der sich zuletzt selbst schwierige Geschäfte wie die Baumarktkette Praktiker notieren ließen. Auch die begehrten Zielobjekte werden rarer. Für 2006 seien kaum große Transaktionen erkennbar, meint Jens Tonn, Deutschlandchef von Candover. Blackstones Deutschlandchef Hanns Ostmeier prognostiziert für 2006 nur "drei bis sieben Transaktionen mit einem Wert von jeweils über 500 Mio. Euro". Denn die meisten Konzerne haben ihre Randgeschäfte schon abgestoßen. Eine Ausnahme ist die Volkswagen-Tochter Europcar, für die Fonds 2,5 Mrd. Euro zahlen wollen. Dabei dürfte der deutsche Beteiligungsmarkt schon 2005 geschrumpft sein, trotz mehrerer großer Transaktionen im vierten Quartal. Per September haben die Fonds nach Zahlen des BVK im Rahmen von Buy-outs 498 Mio. Euro Eigenkapital investiert - zwei Drittel weniger als 2004. Dagegen rechnet BVK-Vorsitzender Pütter für den gesamten Markt in Europa in diesem Jahr mit Wachstum. Hoffnungsschimmer Mittelstand Finanzinvestoren kritisieren, dass der deutsche Beteiligungsmarkt auch wegen der Unschärfen im deutschen Übernahmerecht hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt. Übernahmen börsennotierter Firmen sind hierzulande wenig attraktiv, da die Fonds wegen der rechtlichen Unsicherheiten für einen Börsenrückzug ihres Zielobjekts hohe Risiken eingehen müssen. Dagegen bedienen sich die Finanzinvestoren im Ausland immer öfter an der Börse: Derzeit versuchen zum Beispiel fünf Fonds, den dänischen Telekom-Konzern TDC für 13 Mrd. Euro aufzukaufen. Die Beteiligungsfirmen schwimmen im Geld wie nie zuvor. Nach einer Analyse der Dachfondsgesellschaft Adveq haben sie 2005 weltweit rund 240 Mrd. Euro eingesammelt. So bleibt als Hoffnungsschimmer der deutsche Mittelstand, der seine Ablehnung gegenüber der Branche langsam aufgibt. "Transaktionen mit Familienunternehmen werden jetzt verstärkt kommen, da sich die Kommunikation verbessert hat und die Probleme, beispielsweise durch die Globalisierung dringlicher werden für den Mittelstand", sagt Candover-Partner Tonn. Zudem dürften 2006 auch Mittelständler aus den Portfolios von Finanzinvestoren wieder zum Verkauf gestellt werden. Die Auf- und Absteiger 2006 in der Private Equity Carlyle Carlyle hat in Deutschland seit dem Erwerb von HT Troplast Ende 2004 keinen Deal mehr gemacht. Mit dem aggressiven Vorgehen im Bieterwettstreit um MTU Friedrichshafen haben die Amerikaner nicht nur DaimlerChrysler verärgert. Permira Permira hat 2005 bei einigen Verkäufen wie Premiere abgesahnt. Die Investoren dürften dies mit einem weiteren Rekord-Fonds belohnen. Die Börse ist jedoch verärgert: Nach Permiras Ausstieg stürzten die Premiere-Aktien ab. CVC CVC hat 2005 den größten Fonds Europas mit 6 Mrd. Euro aufgelegt. Die Briten gehören zu den wenigen Europäern, die sich gegen die US-Konkurrenz durchsetzen. Mit Ruhrgas Industries entschied CVC den drittgrößten Deal 2005 für sich.
  • Aus der FTD vom 11.01.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland,
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