Spitze der JobkillerDamit summiert sich die Zahl der gestrichenen Stellen auf 10.800. Das sind mehr als 20 Prozent der Belegschaft bezogen auf den Beschäftigtenstand von rund 50.600 im Jahr 2000. In der deutschen Bankenlandschaft steht die Dresdner Bank mit dieser Quote an der Spitze der Jobkiller. "Wir schneiden tief ins Fleisch der Organisation. Das ist keine Frage", gibt Bankchef Fahrholz zu.
Getroffen wird von der neuen Entlassungswelle vor allem der Geschäftsbereich Corporates and Markets, in dem auch die Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein (DKW) angesiedelt ist. Deren Aktivitäten, oder besser: Nicht-Aktivitäten sind es, die dem Allianz-Konzern zu schaffen machen. Seit dem 11. September sieht sich der Versicherungssektor weltweit einer fundamentalen Neubewertung ausgesetzt. Und der Börsencrash, der im Gefolge der Terroranschläge eingesetzt hat, trifft das Kapitalanlagegeschäft der Versicherer. Bei den Investmentbanken, die für ihre Geschäfte auf prosperierende Kapitalmärkte angewiesen sind, läuft es genauso. Dresdner Kleinwort Wasserstein verdient seit geraumer Zeit kein Geld mehr, sitzt aber auf hohen Kosten.
So erweist sich der integrierte Allfinanzkonzern als eine Schönwetterveranstaltung. Florieren die Kapitalmärkte, kann DKW hohe Gewinne für die Allianz generieren, schwächeln sie, verstärkt die Investmentbank den Druck auf die ohnehin zyklischen Schwankungen ausgesetzten Kapitalerträge des Versicherers. Das zwingt die Allianz nun zum Handeln.
Die Mitarbeiterzahlen bei DKW werden weiter reduziert, Bonuszahlungen abgeschafft. "Am Ende läuft das auf eine klare Ergebnisverantwortung hinaus", heißt es bei der Allianz. "Entweder arbeiten die Leute profitabel: Dann gibt es Geld über die Gewinnbeteiligung. Oder nicht: Dann gibt es keinen Bonus mehr."
Vorstand Leonhard Fischer zieht ins Kalkül, dass diese Politik zum Abgang von Spitzenleuten führen könnte. Aber man könne ohnehin nur Leute gebrauchen, die diese Struktur unterstützen. Aufgeben will die Allianz das Investmentbanking nicht, ist sich jedoch im Klaren, dass sie dort nicht zur ersten Garde gehört. Nur im deutschen und britischen Aktienmarkt könne sie auch in Zukunft ihre Stärken zeigen. "Wir schneiden nicht am Geschäftsmodell, sondern an der Kostenstruktur", versichert Fahrholz.