Trotz lauten Lobbygeschreis will die US-Notenbank die Eigenkapitalvorschriften für die wichtigsten Geldhäuser verschärfen. Als Vorlage dienen laut "Wall Street Journal" die Basel-III-Regeln für systemrelevante Großbanken. Eine umfassende Reform wie in Europa steht aber noch aus.
"Antiamerikanisch" findet Jamie Dimon, Chef der größten US-Bank JP Morgan Chase, die Eigenkapitalvorschriften des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht. Doch ihre Umsetzung bleibt seinem Haus wohl nicht erspart: Nach Informationen des "Wall Street Journal" will die US-Notenbank zumindest die in Basel für international agierende Großbanken vereinbarten Regeln umsetzen. Einen Entwurf für eine entsprechende Verordnung könnte die Fed noch vor Weihnachten vorlegen, berichtete die Zeitung am Montag.
Die US-Finanzmarktreform sieht eine strengere Regulierung von Banken vor, deren Zusammenbruch das Weltfinanzsystem ins Wanken bringen könnte. Der Kongress in Washington zog damit Konsequenzen aus der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers, die vor drei Jahren zahlreiche weitere Geldhäuser an den Rand des Abgrunds brachte. Aus denselben Erwägungen heraus vereinbarten die im Baseler Ausschuss zusammengeschlossenen Aufsichtsbehörden der großen Industrie- und Schwellenländer Sonderregeln für global vernetzte Banken, sogenannte G-Sifis (global systemically important financial institutions).
Zusätzlich zu den für alle grenzüberschreitend aktiven Instituten vorgesehenen Basel-III-Regeln müssen die G-Sifis besondere Sicherheitspuffer bilden. Die G20-Staaten einigten sich Anfang November auf eine Liste von 29 solcher systemrelevanter Institute, genannt Sifi (systemically important financial institutions).
Auf dieser Liste stehen aus den USA JP Morgan, die Citigroup, Bank of America, Bank of New York Mellon, Goldman Sachs, Morgan Stanley, State Street und Wells Fargo. Laut "Wall Street Journal" müssen sich diese Institute darauf gefasst machen, gemäß den Basel-Vorschriften für Großbanken eine Kernkapitalquote von 8,0 bis 9,5 Prozent der risikogewichteten Bilanzsumme zu erfüllen.
Für Geldhäuser, die nicht auf der Liste stehen, schreiben die Basel-III-Regeln ab Januar 2019 eine Kernkapitalquote von 7,0 Prozent vor. Offen bleibt, ob und wann die USA diese allgemeinen Vorschriften umsetzen. Die Vorgängerregelung Basel II wurde in den Vereinigten Staaten niemals umgesetzt.
Die EU ist wegen der Schuldenkrise vorangeprescht und verlangt von 70 europäischen Instituten schon bis Mitte 2012 eine Kernkapitalquote von neun Prozent. Die Definition der Kapitalinstrumente, die dabei angerechnet dürfen, entspricht einer Übergangsform zwischen Basel II und Basel III.
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