FTD.de » Unternehmen » Finanzdienstleister » China misstraut Frankreichs Banken

Merken   Drucken   20.09.2011, 21:21 Schriftgröße: AAA

Euro-Krise: China misstraut Frankreichs Banken

Das Vertrauen schwindet: Die Bank of China hat ihre Devisengeschäfte mit einigen französischen Geldhäusern eingestellt. Europäische Konzerne belassen ihr Geld dagegen demonstrativ bei den Pariser Banken.
© Bild: 2011 FTD-Grafik
Das Vertrauen schwindet: Die Bank of China hat ihre Devisengeschäfte mit einigen französischen Geldhäusern eingestellt. Europäische Konzerne belassen ihr Geld dagegen demonstrativ bei den Pariser Banken. von Reinhard Hönighaus  , Frank Bremser  , Rolf Lebert  , André Kühnlenz  Frankfurt und Birgit Jennen, Madrid
Frankreichs Banken haben in der Staatsschuldenkrise das Vertrauen einiger Geschäftspartner aus China eingebüßt - bekommen aber gleichzeitig Rückendeckung aus der europäischen Industrie. So hat die staatliche Bank of China ihre Fremdwährungstauschgeschäfte mit den Pariser Geldhäusern BNP Paribas , Société Générale  und Crédit Agricole  eingestellt. Mehrere Nachrichtenagenturen meldeten am Dienstag, dies sei aus Sorge um die riskanten Forderungen französischer Banken in Griechenland und weiteren hoch verschuldeten Euro-Staaten geschehen. Auch andere Institute aus der Volksrepublik seien diesen Schritt bereits gegangen. Der Handelsstopp der Chinesen trifft ferner die Schweizer Großbank UBS , die vergangene Woche einen Milliardenverlust durch Fehlspekulationen eines Londoner Brokers einräumen musste.
Das Geschäftsviertel "La Defense" in Paris   Das Geschäftsviertel "La Defense" in Paris
Schon während des ersten Höhepunkts der Finanzkrise im Jahr 2008 hatte die Bank of China ihre Fremdwährungsgeschäfte mit Auslandsbanken eingestellt, um die Risiken zu minimieren. "Das ist ein Zeichen dafür, dass einige Gegenparteien sich inzwischen unwohl fühlen. Chinesische Banken sind zwar kein wichtiger Liquiditätsgeber für europäische Banken, sodass dies keine fundamentalen Probleme bringen wird", sagte Adrian Forster, Asien-Analyst der Rabobank, zu Reuters. "Aber es zeigt, dass die Häuser Schwierigkeiten kriegen können." Anleger reagierten am Dienstag empfindlich auf die Nachrichten. Die Aktie von BNP Paribas verlor 6,5 Prozent, die von Société Générale 3,1 Prozent, während andere Banktitel sich erholten.
Europäische Industriekonzerne zeigten sich dagegen demonstrativ überzeugt von der Solidität der französischen Häuser. Philippe Varin , Chef des Autokonzerns PSA Peugeot Citroën , sagte dem Radiosender BFM: "Wir haben unser Geld bei den großen Banken angelegt, und ich mache mir deshalb keine Sorgen." Ein Sprecher von VW Financial Services sagte, die Finanztochter des Volkswagen-Konzerns habe Einlagen bei französischen Banken und plane momentan nicht, dies zu ändern.
Geldparkplatz EZB
Einlagen Oft parken die Institute überschüssiges Geld über Nacht bei der Europäischen Zentralbank (EZB), wofür sie einen Einlagenzins von aktuell einem festen Satz von 0,75 Prozent bekommen. Bei den wöchentlichen Tendergeschäften geben die Banken dagegen Gebote über die Zinsen ab, wobei sie gleichzeitig die Summe nennen, die sie bei der EZB parken wollen. So können die Währungshüter den Banken attraktivere Zinsen bieten.
Angebote Am Dienstag wollten 109 Banken 203 Mrd. Euro bei der EZB hinterlegen. Die Notenbank hatte allerdings zuvor bekannt gegeben, dass sie nur 153 Mrd. Euro einsammeln wollte - so viel hatte sie vergangene Woche für Anleihekäufe ausgegeben. Das niedrigste Zinsgebot lag bei 0,84 Prozent. Jeder, der keinen höheren Zins als 1,05 Prozent aufgerufen hatte, bekam am Dienstag den Zuschlag, ab Mittwoch Geld für sieben Tage bei der EZB zu parken. Im Schnitt lag der Zuteilungszins bei 0,99 Prozent. Mindestens eine Bank wollte 1,5 Prozent Zins haben und ging bei der Auktion leer aus.
Beide Autokonzerne reagierten damit auf einen Bericht der Financial Times vom Montag, Siemens habe rund 500 Mio. Euro von einer französischen Großbank abgezogen und bei der Europäischen Zentralbank (EZB) deponiert. Insider sagten am Dienstag, Siemens  habe das Geld bereits Anfang Juli von der Société Générale abgerufen - und zwar nicht aus Sorge um die Verfassung der Bank, sondern um einen Zinsvorteil bei der EZB auszunutzen. Da Siemens eine eigene Bank unterhält, kann der Konzern überschüssige Barmittel bei der EZB parken.
Da die Notenbank derzeit jede Woche aufs Neue die Liquidität wieder einsammelt, die sie durch ihre Anleihekäufe zuvor ins Finanzsystem gepumpt hat, zahlt sie für Wocheneinlagen derzeit etwas höhere Zinsen als Geschäftsbanken für Tagesgeld. Institute, die zu viel Liquidität haben, etwa aus den stabileren nördlichen Euro-Ländern wie Deutschland, oder eben die Siemens-Finanztochter, legen hier sehr gerne ihre Gelder an, die sie in früheren Zeiten eher an Banken aus Griechenland, Spanien, Portugal oder anderen Staaten verliehen hätten.
Die Finanztöchter von Volkswagen , BMW  und Daimler  haben dank ihrer Banklizenz zwar wie Siemens die Möglichkeit, Geld vom Interbankenmarkt abzuziehen und bei der EZB zu parken, machen davon nach Auskunft ihrer Sprecher aber keinen Gebrauch. Ihre Kundeneinlagen werden nicht für Zinsdifferenzgeschäfte, sondern überwiegend für die Refinanzierung von Autokrediten gebraucht. Bei der BMW Bank beliefen sich zum Beispiel Ende 2010 die Forderungen gegenüber Kunden auf 8,8 Mrd. Euro, während die Kundeneinlagen 7,3 Mrd. Euro betrugen. Bei VW Financial Services reichen die Kundeneinlagen von mehr als 20 Mrd. Euro zur Refinanzierung von rund zwei Drittel der Kundenfinanzierungen von knapp 32 Mrd. Euro aus.
Am Interbankenmarkt ist der Stress für Banken aus Italien, Spanien und auch Frankreich immer deutlicher spürbar: Nach Angaben von Händlern müssen sie inzwischen etwa 1,1 Prozent Zinsen bieten, um Tagesgeldeinlagen zu bekommen, während Banken aus Kernstaaten wie Deutschland und den Niederlanden nur 0,75 Prozent zahlen. In Spanien locken viele Banken daher Privatkunden mit Zinssätzen von vier bis 4,5 Prozent. Die Deutsche Bank bietet spanischen Kunden maximal 2,25 Prozent Jahreszins. Dennoch konnte die Deutsche Bank als eine Art sicherer Hafen in den vergangenen Monaten ihre Einlagen moderat steigern.
14:45:12 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
BNP Paribas 25,185 EUR   +0,92%  0.23
Société Générale 15,9 EUR   -0,09%  -0.015
Crédit Agricole 2,875 EUR   -0,76%  -0.022
  • Aus der FTD vom 21.09.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
FTD-Versicherungsmonitor
FTD-Versicherungsmonitor

Der FTD-Versicherungsmonitor hat alle wichtigen Namen und Nachrichten auf dem Radar und bündelt die wichtigsten Informationen aus verschiedenen Quellen. So erhalten Sie einen exzellenten Überblick über die Assekuranz, analytisch kommentiert von FTD-Versicherungskorrespondent Herbert Fromme.

Jetzt kostenlos abonnieren
Tweets von FTD.de Unternehmens-News

Weitere Tweets von FTD.de

  16.05. Wissenstest Sind Sie Flughafenkenner?

Die verschobene Eröffnung des Berliner Großflughafens BER schlägt Wellen. Die internationalen Flughäfen sind nicht nur dynamische Orte, sondern auch Großunternehmen. Kennen Sie sich gut mit Airports aus?

Zunächst eine Frage zum weltgrößten Flughafen. Derjenige mit dem größten Passagieraufkommen ist …

Wissenstest: Sind Sie Flughafenkenner?

Alle Tests

Tools für Unternehmer
 
Gründung Finanzierung Steuern Firmenwert Vorlagen
Verträge und Vorlagen Sie benötigen Dokumente und nützliche Arbeitshilfen für Ihren Geschäftsalltag? Wählen Sie aus fast 5.000 rechtssicheren und aktuellen Verträgen, Vorlagen, Checklisten, Rechentabellen oder Ratgebern. mehr

Newsletter:   Eilmeldungen Unternehmen

Autobauer unterschreibt milliardenschwere Übernahme? Mit uns wissen Sie es, bevor die Tinte trocken ist.

Beispiel   |   Datenschutz
  • Ackermann-Nachfolger: Anshu Jain - Wider die Deutschtümelei

    Eine Bilanz vor dem Amtsantritt? Verbietet sich. Eigentlich. Nicht so bei Anshu Jain. Denn Josef Ackermanns Nachfolger hat schon vor dem Start bei der Deutschen Bank viel verändert. mehr

  •  
  • blättern
  Bilderserie Deutsche Bank Ackermanns Meilensteine

Bilderserie

  09:15 Wirtschaft Auslaufmodell Blackberry?
Wirtschaft: Auslaufmodell Blackberry? (00:01:22)

Hersteller Research in Motion schwer unter Druck - Offenbar Suche nach Verbündeten angelaufen mehr

FTD-Blogs
Weitere FTD-Blogs

alle FTD-Blogs

 



markets
  DAX 6285,88  [5.08 +0,08%
  Dow Jones 12419,86  [-160.83 -1,28%
  Nasdaq Composite 2837,36  [-33.63 -1,17%
  Euro Stoxx 50 2119,7  [3.52 +0,17%
VERSICHERUNGEN

mehr Versicherungen

INDUSTRIE

mehr Industrie

FINANZDIENSTLEISTER

mehr Finanzdienstleister

HANDEL+DIENSTLEISTER

mehr Handel+Dienstleister

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote