Einige stehen vor dem Ruin. Den Banken und Fonds drohen zudem Klagen geschädigter Anleger. Auf deutsche Institute kommen nach bisherigen Angaben keine hohen Belastungen zu. Madoff soll Investoren über Jahre hinweg mit einem Schneeballsystem um 50 Mrd. $ betrogen haben. Der Fall erschüttert die Finanzwelt auch deshalb besonders, weil der 70-Jährige ein enorm hohes Ansehen genoss.
Unter den Geschädigten sind Banken, Hedge-Fonds - und deren Anleger - sowie wohltätige Organisationen. Noch sind viele Fragen offen - vor allem die, wie ein derart groß angelegtes System so lange unentdeckt funktionieren konnte. Die US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) ist bereits in die Kritik geraten. Angeblich hatte es schon 1992 Hinweise auf illegale Aktivitäten gegeben.
Auch wo die erschlichenen Milliarden geblieben sind, ist unklar. Nur noch 200 Mio. bis 300 Mio. $ sollen übrig sein. Madoff war am vergangenen Donnerstag verhaftet und dann gegen Kaution freigelassen worden.
Die Deutsche Bank hat nach eigenen Angaben "kein wesentliches direktes oder indirektes Engagement" bei Madoff. Die Commerzbank und die Investmentbank Dresdner Kleinwort wollten sich nicht äußern. Die Postbank erklärte, sie sei nicht betroffen, ebenso wie Sal. Oppenheim, die Staatsbank KfW und die Landesbanken WestLB, BayernLB, Nord/LB und Helaba. Auch die HypoVereinsbank ist nach Informationen aus Finanzkreisen nicht tangiert. Bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hieß es, es gebe keine Hinweise auf Engagements deutscher Institute. Man sei aber noch dabei, Informationen zusammenzutragen.
Von dem Fall sind vor allem internationale Großbanken betroffen, aber auch viele Hedge-Fonds wurden betrogen. Sie haben über Dachfonds direkt in die Madoff-Vermögensverwaltung Geld gesteckt. Dazu zählt auch der weltgrößte Hedge-Fonds-Anbieter Man Group. Er hat über seine Tochter RMF 360 Mio. $ in zwei Madoff-Fonds investiert. RAB Capital gab sein Madoff-Engagement mit 10 Mio. $ an. Madoff lockte die Investoren, indem er ihnen vorgaukelte, durch seine Broker-Expertise auch am Aktienmarkt hohe Renditen zu erzielen.
Verluste durch den Betrug dürften die Misere der Branche verstärken und das Image der Fonds ankratzen: Viele Dach-Hedge-Fonds brüsten sich damit, dass sie die Einzelfonds, denen sie Geld geben, genau untersuchen. Oft dauern diese Prüfungen Wochen.
Dass einige Fonds offensiv bekunden, nichts mit Madoff zu tun zu haben, belegt die große Nervosität in der sonst so verschwiegenen Branche. Der Schweizer Dach-Hedge-Fonds Harcourt schrieb in einer E-Mail, keine Engagements bei Madoff eingegangen zu sein. "Wir haben nie irgendeine Transparenz bekommen, wie Bernie genau seine Magie erarbeitete", so die britische Fortune Group. "Wir haben nie die Risiken seiner Strategie erkennen können und deshalb auch nicht investiert."
Die Fairfield Greenwich Group hingegen fürchtet einen existenzgefährdenden Milliardenverlust. Sie hat nach eigenen Angaben mit 7,5 Mrd. $ mehr als die Hälfte ihres Portfolios Madoff anvertraut. Jeffrey Tucker, Fairfield-Gründer und -Partner, kündigte juristische Schritte an: "Wir beabsichtigen, die Sicherung sämtlicher Anteile aggressiv zu verfolgen."
| Bekannte Namen: Ausgewählte Madoff-Investoren | |
|---|---|
| Quelle: zusammengetragen von Bloomberg | |
| Kunde | Investment |
| Fairfield Greenwich | 7,5 Mrd. $ |
| Banco Santander | 3,1 Mrd. $ |
| Kingate Management | 3,5 Mrd. $ |
| Benbassat & Cie | 935 Mio. $ |
| Union Bancaire Privée | 850 Mio. $ |
| Fix Asset Management | 400 Mio. $ |
| Reichmuth Matterhorn | 330 Mio. $ |
| Maxam Capital | 280 Mio. $ |
| EIM Group | 230 Mio. $ |
| Shapiro Foundation | 145 Mio. $ |
| Banque Bénédict Hentsch | 48 Mio. $ |
| Madoff Family Foundation | 19 Mio. $ |