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Merken   Drucken   05.01.2006, 20:48 Schriftgröße: AAA

Exklusiv: Sparkassen nutzen Deutsche-Bank-Debakel   

Sparkassen wollen das Debakel der Deutschen Bank mit ihrem offenen Immobilienfonds Grundbesitz-Invest ausnutzen. Nach FTD-Informationen laufen derzeit bei vier der fünf größten Sparkassen zumindest Überlegungen, ob und mit welchem Abschlag sie Anteile an dem Fonds aufkaufen, um Kunden der Deutschen Bank zu sich zu locken. Der Fonds ist seit Dezember vorübergehend geschlossen. von Fidelius Schmid, Frankfurt
Die Hamburger Sparkasse (Haspa) prüft derzeit ein Angebot. Die Kreissparkasse Köln bietet bereits individuelle Lösungen an und prüft eine systematische Aktion. Die Sparkasse Hannover teilte am Donnerstag mit, sie kaufe Anteile zu 90 Prozent des letzten Rücknahmepreises auf, sofern Kunden ihr Depot und ihre Bankverbindung an sie übertrügen.
Damit versuchen die Sparkassen, Kapital aus der Verärgerung der Deutsche-Bank-Kunden zu schlagen. Im Dezember hatte die Deutsche Bank  in dem derzeit rund 6 Mrd. Euro schweren Fonds Abschreibungsbedarf ausgemacht. Voraussichtlich erst ab Februar will die Bank die Anteile wieder zurücknehmen. Ein Sprecher der Deutsche-Bank-Tochter DB Real Estate beantwortete eine Anfrage zu dem Thema am Donnerstag nicht.
Ob flächendeckend Angebote entstehen, blieb am Donnerstag unklar. Die Sparkasse Karlsruhe bietet den Aufkauf der Grundbesitz-Invest-Anteile bereits seit vor Weihnachten an. Sprecher großer Institute wie der Nassauischen Sparkasse und der Frankfurter Sparkasse (Fraspa) sagten am Donnerstag dagegen, derzeit seien keine solchen Angebote geplant. Ein Fraspa-Sprecher sagte, sein Institut tue das "grundsätzlich momentan nicht", beobachte aber die Situation.
Erfolg beim Pionier
Dieter Fromm, Zentralbereichsleiter Privatkunden der Kreissparkasse Köln sagte, seine Kasse, Deutschlands drittgrößte, finde "die Idee sehr gut". Eine Sprecherin der Haspa, Deutschlands größter Sparkasse, sagte, ihr Institut werde sich am Freitag entscheiden. Deutschlands zweitgrößte Sparkasse Köln-Bonn will ein Angebot ebenfalls prüfen.
Die Zentralorganisation der Sparkassen, der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV), fand lobende Worte für die Abwerbeaktionen von Sparkassen. Man könne diese "geschäftspolitisch gut nachvollziehen". Allerdings gebe es keine Empfehlung seitens des Verbands dazu, das liege in der Verantwortung der einzelnen Institute. Im vergangenen Herbst hatte der DSGV seine Mitglieder zu einer Vertriebsoffensive aufgerufen.
Der Pionier der Aktion, die Sparkasse Karlsruhe, hat nach eigenen Angaben Erfolg. Man werde von Anfragen "förmlich überrollt", sagte Vorstandsmitglied Manfred Blum. In welcher Höhe sein Institut bereits Anteile aufgekauft habe, wollte er nicht sagen, da Kundenberater ihre Termine erst abarbeiten müssten. Er stellte in Aussicht, das ursprüngliche Kontingent von 5 Mio. Euro aufzustocken.
  • Aus der FTD vom 06.01.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland,
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