Draußen ballert die Sonne, drinnen brüten sie über ihren finsteren Bilanzen. Dazu das ewige Krisengerede, die trostlosen Aussichten, die frustrierenden Rettungspakete. Nein, es gibt Lustigeres in diesen Tagen, als Banker zu sein.
Warum also nicht selbst ein wenig Schabernack treiben, haben sich die Kreditanalysten der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) gesagt. Und ihren aktuellen Branchenausblick "Banken" für das zweite Halbjahr 2009 überschrieben mit: "Auch 2000 Jahre nach dem Leben des Brian: Always Look on the Bright Side of Life."
Nun könnte man meinen, da habe vielleicht einer der Analysten zu lange das heiße Sommerwetter genossen, sich dann nachts noch mal ins Büro geschlichen und heimlich die Überschrift ausgetauscht. Doch die lustigen Landesbanker sind sehr konsequent zu Werke gegangen und spickten die 83-seitige Expertise mit einer Unmenge an Zitaten aus dem Film der britischen Komikertruppe Monty Python. "Das Leben des Brian" erzählt die Geschichte eines Juden, der zu Lebzeiten Jesu irrtümlicherweise für den Messias gehalten und dem unter einem Sprachfehler leidenden Pontius Pilatus vorgeführt wird.
Als Parallele zum Film trägt etwa eine Übersicht zu staatlichen Bankenrettungsprogrammen den Titel "Was haben uns die Römer eigentlich gebracht? – den Support". Ob es eine Verlaufskurve des Geldmarktzinses Euribor ist, eine Übersicht der Übernachteinlagen bei der Europäischen Zentralbank oder die Ausfallraten für US Commercial Loans: Die jahrzehntealte Jesus-Satire hat für so ziemlich jeden Aspekt der Bankenmisere einen treffenden Spruch parat.
Und Bilder – auf Seite zwei beispielsweise zeigen die Analysten den nackten Eremiten, der nach 18 Jahren frommen Schweigens sein Gelübde bricht, weil Brian ihm auf den Fuß tritt. Unterzeile: Die Banken. Will das Stuttgarter Institut, das selbst angeschlagen ist, gar Mitleid heischen? Ein anderes Filmbild zeigt eine aufgebrachte Menge, die gerade dabei ist, einen vermeintlichen Gotteslästerer zu steinigen. Unterzeile: Die Investoren. Die Botschaft der LBBW-Analysten ist klar. Die eigene Branche ist der wilden Anlegerhorde schutzlos ausgeliefert und muss immer mit dem nächsten Einschlag rechnen.
Um die Branche wieder aufzurichten, hätten die Analysten vielleicht lieber auf die letzte Filmszene eingehen sollen. Da wird Brian zwar ans Kreuz geschlagen und dem Gespött des Volkes ausgeliefert – eine Situation, die vielen Bankern nach den Erfahrungen der vergangenen Monate zumindest metaphorisch vertraut sein dürfte.
Brian allerdings reagiert souverän: Trotz der Umstände gut gelaunt stimmt er das Titellied "Always Look on the Bright Side of Life" an. Denn nach der Kreuzigung kommt bekanntlich die Auferstehung.