Schließlich werden diese Asset-Backed Securities (ABS) als Sicherheit für Refinanzierungsgeschäfte mit dem Eurosystem immer wichtiger. Da viele Banken sich wegen der Schuldenkrise nur schwer oder gar nicht mehr am Markt refinanzieren können, greifen sie auf die EZB zurück. Die verlangt für die Bereitstellung von Liquidität allerdings Sicherheiten. Inzwischen sind ABS für 500 Mrd. Euro bei ihr hinterlegt - Tendenz steigend. Doch für viele der Anleihen gibt es keinen Markt. Nach Berechnungen der DZ Bank wurden im Dezember in Europa für 38,4 Mrd. Euro Verbriefungen aufgelegt; nur 3,8 Prozent davon wurden am Markt platziert.
Wüssten die Marktteilnehmer um die Qualität der Papiere, so das Kalkül der EZB, würden sie die Anleihen auch stärker handeln. "Erhöhte Transparenz wird helfen, das Vertrauen in den Verbriefungsmarkt zu erhöhen, was im Interesse aller beteiligten Parteien ist", sagte ein EZB-Sprecher der FTD. Die Transparenz soll durch eine umfangreiche, öffentlich zugängliche Datensammlung erreicht werden.
Das in Frankfurt beheimatete und vom US-Unternehmen Sapient aufgebaute European Datawarehouse (ED) soll im Sommer starten, als Erstes werden Daten verbriefter Wohnimmobilienkredite (RMBS) gesammelt. Später sollen verbriefte Firmenkredite und Konsumentendarlehen wie Autokredite folgen. Auch für bereits zur Geldleihe eingereichte ABS-Papiere kommen die Geschäftsbanken nicht herum, die Daten zu liefern.
Bei RMBS-Anleihen muss die Bank laut einer EZB-Präsentation für jeden einzelnen Kredit 69 Felder verpflichtend ausfüllen, hinzu kommen 113 optionale Felder. Zu den Pflichtdaten gehören Zinssatz, Abschlusszeitpunkt und Entwicklung der Tilgungen. "Das wird die Marktteilnehmer in Zukunft fordern", sagte Hartmut Bechtold, Chef der deutschen Verbriefungsplattform TSI, kürzlich auf einer Konferenz, die sein Haus organisiert hatte. Er sieht jedoch die Macht des Faktischen: "Die Investoren wollen die Daten, also kommen die Daten", sagte Bechtold.
Doch die EZB-Pläne empören Geschäftsbanken. Sie fürchten den Verrat ihrer Geschäftsmodelle und schließen sogar einen Zusammenbruch des ohnehin schwachen Verbriefungsmarkts nicht aus. "Ein Mitbewerber kann unsere Datensätze kaufen und erfährt, wie wir unsere Risiken bepreisen", kritisierte Stefan Rolf, der bei Volkswagen Financial Services das ABS-Geschäft leitet. In Auto-ABS sind Zehntausende von Autokrediten oder Leasingverträgen gebündelt. Auch aus der Zuhörerschaft wurde auf einer TSI-Konferenz in Richtung EZB geschimpft. "Sie bringen die Geschäftspolitik von Firmen in die Öffentlichkeit. Sie machen den Markt tot", wetterte ein Banker. Ein großes Institut wird das Thema möglicherweise auf Vorstandsebene diskutieren.
Auf die Datenbank soll jedermann kostenpflichtig Zugriff haben. Der Zugang soll laut EZB etwa so viel kosten wie ein Terminal des Daten- und Nachrichtenanbieters Bloomberg, mithin rund 15.000 Euro im Jahr.
Allerdings ist noch unklar, wem das European Datawarehouse gehören wird. Laut einem Sprecher der Europäischen Zentralbank soll es ein eigenständiges Unternehmen sein - "organisiert vom Markt und durch den Markt". Derzeit werde an einer Anteilsplatzierung gearbeitet mit dem Ziel "einer breiten, diversifizierten und repräsentativen Aktionärsbasis". Dies schließe Emittenten, Investoren, Datenanbieter, Ratingagenturen und andere interessierte Parteien ein.