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Merken   Drucken   11.05.2012, 14:08 Schriftgröße: AAA

Fehlspekulationen bei JP Morgan: Dimon übt sich in Demut

Der Chef der US-Bank JP Morgan, Jamie Dimon, ist ein scharfer Kritiker der Finanzmarktreform. Ausgerechnet sein Haus verzockt sich - und liefert damit den Befürwortern einer harten Regulierung neue Munition. Der erfolgsverwöhnte Konzernlenker muss kleine Brötchen backen.
von Frankfurt

Der Chef der größten US-Bank JP Morgan macht sich ganz klein: "Viele Fehler, Schlamperei und schlechtes Urteilsvermögen" räumt Jamie Dimon mit Blick auf die Fehlspekulationen seines Hauses ein. Es sind außergewöhnliche Worte für den 56-Jährigen, der das für den 2-Mrd.-Dollar-Verlust verantwortliche Chief Investment Office noch vor wenigen Wochen lautstark gelobt hatte. Die Abteilung steuere die Bank geschickt durch die Finanzmarktturbulenzen, sagte Dimon damals.

Jamie Dimon gibt sich ungewohnt selbstkritisch   Jamie Dimon gibt sich ungewohnt selbstkritisch

Für die Probleme des Bankensektors machte Dimon in der Vergangenheit andere verantwortlich. In einem Brief an die Aktionäre beklagte er Anfang April "die Feindseligkeit gegenüber unserer Branche" und kritisierte zum wiederholten Mal die US-Finanzmarktreform. Besonders auf die sogenannte Volcker Rule war der Bankchef nicht gut zu sprechen. Die nach dem ehemaligen US-Notenbankchef Paul Volcker benannte Regel, nach der den Geldhäusern der Handel auf eigene Rechnung weitgehend untersagt werden soll, schadet nach Dimons Auffassung der gesamten Wirtschaft. Sie entziehe dem Markt Liquidität, warnte er im Januar. Damit werde es auch für Rentner und andere Kleinanleger schwieriger, ihr Geld gewinnbringend anzulegen.

"Das lässt uns ziemlich dumm dastehen"

Ausgerechnet der von Dimon so vehement verteidigte Eigenhandel hat JP Morgan  die Verluste eingebrockt. "Das lässt uns ziemlich dumm dastehen", gab der Bankchef zu.

Bislang galt Dimon als praktisch unschlagbar. Während andere Institute schwächelten, fuhr sein Haus im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn von 19 Mrd. Dollar ein und jagte der Bank of America  den Titel des nach Bilanzsumme größten Geldhauses in den Vereinigten Staaten ab. Bereits in der Finanzkrise hatte sich JP Morgan von der Konkurrentin aus North Carolina und von der dritten großen Universalbank, der Citigroup , abgesetzt.

Gäbe es nicht auch bei JP Morgan einige Altlasten aus der Krise, könnte das Institut mindestens 23 Mrd. Dollar im Jahr verdienen, hatte Dimon noch kürzlich geschätzt. Mit dem Handelsverlust entfernt sich die Bank noch weiter von diesem Ziel: In der Sparte Corporate/Private Equity werde die Fehlspekulation allein im zweiten Quartal mit einem Minus von 800 Mio. Dollar zu Buche schlagen, teilte das Unternehmen mit. Und Dimon warnt: "Es kann noch schlimmer werden." Denn die Finanzwetten, die zu den Abschreibungen führten, laufen weiter. Die Bank will nicht überhastet aus den riskanten Geschäften aussteigen und damit noch mehr Verluste riskieren.

mit Agenturen

  • FTD.de, 11.05.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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