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  FTD-Serie: Finanzkommunikation

Verschwiegenheit in Finanzangelegenheiten galt früher als Unternehmertugend. Heute punkten dagegen Firmen mit offensiver Informationspolitik gegenüber Banken, Investoren und Kunden. Wir zeigen, wie, wann und warum Firmen mehr von sich preisgeben sollten als unbedingt nötig.

Merken   Drucken   06.06.2011, 10:21 Schriftgröße: AAA

Finanzkommunikation: Schönfärben bis an die Schmerzgrenze

In der Kommunikation mit Kapitalgebern läuft vieles verkehrt. Manche Unternehmer schätzen sich falsch ein, andere schlampen mit Zahlen, viele aber schönen Tatsachen auch bewusst - und vergeblich. von Friederike Krieger
Nach dem Gespräch mit der Bank hatte der Unternehmenschef ein gutes Gefühl. Zwischen ihm und seinem Kapitalgeber ist alles in bester Ordnung - dachte er. Dabei hatte ihm sein Bankberater eigentlich mitteilen wollen, dass sein Kredit kurz vor der Kündigung steht. "Oft klaffen Selbst- und Fremdbild stark auseinander. Der Firmenchef hält sich für einen kompetenten Unternehmer, die Bank ist ganz anderer Meinung", sagt Johannes Müller, Chef der Johannes Müller Wirtschaftsberatung Finanzmanagement. Bevor er sich selbstständig gemacht hat, war Müller 30 Jahre lang bei verschiedenen Sparkassen tätig, davon 18 Jahre in führenden Positionen.
"Der größte Fehler ist, unvorbereitet zum Bankgespräch zu gehen", sagt er. Oft sind die Unterlagen, die Firmen dort präsentieren, nicht ausreichend oder sogar zu umfangreich. Häufig stammen sie vom Steuerberater, dem Dreh- und Angelpunkt für kleine Unternehmen. "Sie sind vom betriebswirtschaftlichen Standpunkt aus betrachtet oft nicht sonderlich aussagekräftig", sagt Müller.
"Der größte Fehler ist, unvorbereitet zum Bankgespräch zu ...   "Der größte Fehler ist, unvorbereitet zum Bankgespräch zu gehen"
Die betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA), die Mittelständler Banken in der Regel vorlegen, spiegelt nur die Buchhaltung in der Vergangenheit wider, nicht aber andere unternehmensrelevanten Informationen wie halbfertige Arbeiten oder Warenbestände. Ein Softwareunternehmen, mit dem Müller zu tun hatte, hat es unterlassen, Retouren zu buchen. "In der BWA stand dann ein positives Ergebnis von 80.000 Euro, auf dem Konto war aber kein Geld", sagt er. Am Ende waren 20.000 Euro nötig, um die Firma vor der Insolvenz zu bewahren.
Banken leben gut von Versäumnissen ihrer Kunden
Die Banken weisen die Unternehmen auf ihre Versäumnisse oft nicht hin - auch aus eigenem Interesse. "Je schlechter die Einschätzung einer Firma, desto höhere Kreditzinsen können sie verlangen", sagt Müller.
Unternehmen, die bei ihren Banken punkten wollen, sollten eine monatliche Bilanz erstellen. "Das ist auch für kleine Firmen nicht viel Arbeit, die Informationen sind ja meist schon vorhanden und brauchen nur zusammengefügt werden", sagt Müller. Mit Hilfe von Software könnten bei einem produzierenden Unternehmen Auftragsbestätigungen automatisch gebucht werden. Die vorhandenen Ressourcen werden aber selten vollständig ausgeschöpft. "Bei den Warenwirtschaftssystemen ist es wie bei dem menschlichen Gehirn: Es werden nur 10 bis 15 Prozent genutzt", sagt Müller.
Zudem ist eine vorausschauende Erfolgsrechnung empfehlenswert. "Wo stehe ich? Wo will ich hin? Was schaffe ich in diesem Jahr davon noch? Diese Fragen sollten dabei beantwortet werden", sagt Müller.
Die Arbeit zahlt sich am Ende aus. "Je besser ich die Bank informiere, desto besser sind die Konditionen für Kredite und desto weniger Sicherheiten benötige ich", sagt Müller. Wenn die Kommunikation mit der Bank nicht gut läuft und der Unternehmer dem Kreditinstitut fast alle Sicherheiten überschreiben muss, schränkt das seinen Spielraum empfindlich ein. "Eine zweite Bank wird dann keine Geschäfte mehr mit ihm machen wollen", sagt Müller. Und: Nicht nur die Bank will ordentliches Zahlenmaterial, sondern auch Kreditversicherer und Auskunfteien.

Teil 2: Das Schlimmste: Aktionäre vertrauen nicht mehr

  • FTD.de, 06.06.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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