Banken stehen mehr Informationen über Kunden zur Verfügung als Kreditversicherern
Noch immer ist es nicht selbstverständlich, dass Unternehmen ihre Zahlen Dritten wie Kreditversicherern oder Auskunfteien zur Verfügung stellen. Besonders geheimniskrämerisch geben sich Unternehmen in Familienbesitz. "Vor allem familiengeführte Unternehmen in Verbindung mit älteren Unternehmern tun sich schwer damit, Firmendaten offenzulegen", sagt Böhm. Schwerer als die Vorteile offensiver Finanzkommunikation wiegt hier immer noch die Angst, die Konkurrenz könnte an Geschäftsgeheimnisse kommen oder die Nachbarschaft den wahren Wohlstand des Unternehmers erfahren.
Reden hilft
"Wenn wir nichts über ein Unternehmen wissen, sind wir im Zweifel restriktiver", sagt Böhm von Coface. Das kann bedeuten, dass der Kreditversicherer Lieferungen an den verschwiegenen Kunden nicht abdeckt. Dann platzt im schlimmsten Fall das ganze Geschäft oder die Zahlungsmodalitäten sind deutlich unattraktiver.
Im Gegensatz zu Kreditversicherern oder Auskunfteien stehen den Banken deutlich mehr Informationen über ihre Kunden zur Verfügung. Und selbst hier kann es sich lohnen, noch mehr zu sagen als unbedingt nötig. "Wenn ein Unternehmen nicht transparent sein will, kann das Auswirkungen auf das Rating haben, umgekehrt öffnet mehr Transparenz die Tür für bessere Konditionen", sagt Gerhard Multerer von der HSH Nordbank. Die Bank betreut Kunden aus dem gehobenen Mittelstand ab 50 Mio. Euro Umsatz.
Zahlen allein reichen nicht
Denn ein besseres bankinternes Rating bedeutet bessere Kreditkonditionen, wie niedrigere Zinsen oder längere Laufzeiten. Jede Bank muss für ihre Kunden ein Rating erstellen. Danach richtet sich, mit wie viel Eigenkapital sie einen Kredit an den Kunden unterlegen muss. Ist das Rating gut, braucht das Institut weniger Eigenkapital einzusetzen, und kann bessere Bedingungen gewähren.