In Udo Wittlers Büro prangt ein Schild: "Gott schütze mich vor Unheil und der BAG." Ein Truckerschild, Wittler hat es gefunden und aufgehängt, auch wenn mit BAG das Bundesamt für Güterverkehr gemeint ist und nicht Wittlers BAG Hamm.
Mehr als zwanzig Jahre werkelte Wittler mit seinen Leuten still vor sich hin, bis das Land anfing, über Bad Banks zu diskutieren. Nun wird seine Bank in Talkshows und Leitartikeln ins große Licht gerückt: Seht her, im Gewerbegebiet in Hamm, zwischen einem Parkplatz und einem Maisfeld, da sitzt die Mutter aller Bad Banks, das leuchtende Beispiel!
Man könnte denken, dass sich Wittler darüber freut, der Vorstandschef, der bei der BAG grau geworden ist und sie "mein Kind" nennt. Doch er knurrt nur: "Wir sind nicht böse."
Seine Bank ist natürlich schon das, was man eine Bad Bank nennt. Sie springt Genossenschaftsbanken zur Seite, die unter faulen Krediten leiden. Bekannt wurde das Milliardendesaster der Berliner Volksbank, die zweifelhafte Immobilienfonds finanzierte; meist aber kümmert sich die BAG um Kleineres, um Dorfbanken, um Taxifahrer oder Hoteliers, denen das Geld ausgeht. Diese Kredite schieben die Bankgenossen dann an die BAG weiter, im vergangenen Jahr insgesamt 220 Mio. Euro.
Das Prinzip: Teile Gut und Böse und nimm das Böse raus, damit das Gute überlebt.
Außer diesem Prinzip hat die BAG mit den neuen Bad Banks nichts gemein. Diese sind Zweckgesellschaften, wo giftige Papiere deponiert und verwaltet werden. Die BAG dagegen ist eine Vollbank, hat mit Wertpapieren kaum zu tun - und versucht vor allem, Kreditnehmer zu retten.
Ein Bäcker hat sich mit dem neuen Ofen verrechnet? Nun, hat er ein gutes Konzept, versorgt ihn die BAG mit Geld und unabhängigen Gutachten. Hat er keines, versteigert die BAG die Backstube; oder führt den Laden erst mal selbst weiter. 300 Töchter der BAG sind derzeit Nothelfer, bauen Schwimmbäder fertig, betreiben Tankstellen und Hotels. Die Hälfte der Kredite können Wittlers Leute retten, geben sie zurück an die Volks- und Raiffeisenbanken, deren Verband Eigentümer der BAG ist.
Nach langen Jahren als Retter und Abwickler versucht Wittler, die Arbeit neu auszurichten. Die BAG will früher mit Sorgenkindern sprechen. Will vor allem Helfer sein, weniger Abwickler. Dafür braucht er das Vertrauen der Kunden.
Also tut es weh, wenn man zur Vorzeige-Giftmülldeponie aufsteigt. "Ich frage mich, wie das beim Bäcker oder Metzger ankommt", sagt Wittler. Vielleicht hängen die ja auch bald den Truckerspruch auf: "Gott schütze mich vor Unheil und der BAG."