Die Finanzkrise verändert die weltweite Bankenlandschaft rasant. Pleiten, Fusionen, Ausverkäufe - die Finanzwelt wird von einem Beben erschüttert, bei dem kaum ein Stein auf dem anderen bleibt.
Im dritten Quartal erlösten risikokapitalfinanzierte Unternehmen, die häufig aus dem IT- und Technologiebereich stammen, lediglich 4,57 Mrd. $ mit Börsengängen, Fusionen oder Verkäufen. Das hat die jüngste Erhebung von Dow Jones Venture Source ergeben. Das sind 66 Prozent weniger als im dritten Quartal des Vorjahrs. "Die sich allmählich ausbreitende Wirkung der Krise an den öffentlichen Kapitalmärkten ist bereits an den privaten Kapitalmärkten spürbar", sagte Jessica Canning, Forschungsleiterin von Dow Jones Venture Source. Der US-Risikokapitalbranche drohe der schlechteste Markt für Börsengänge (IPOs) in ihrer Geschichte.
Risikokapitalgeber investieren in der Regel in junge Technologieunternehmen, mit dem Ziel, sie an die Börse zu bringen oder zu verkaufen. Mit der Finanzkrise, dem Kollaps von Investmentbanken, der Kreditklemme und dem Chaos an den Aktienmärkten sind die sogenannten Exitstrategien, mit denen die Venture-Capitalists große Gewinne machen können, nahezu blockiert. Der Mangel an IPOs ist noch größer als nach dem Platzen der Dotcom-Blase vor acht Jahren.
"Ohne rentable Liquiditätsmöglichkeiten werden Risikokapitalgeber nicht in innovative Technologien und Unternehmen investieren, und wir werden möglicherweise einen Rückzieher sehen, der langfristige Auswirkungen auf die öffentlichen und privaten Kapitalmärkte haben wird", so Canning.
Im dritten Quartal ging mit Rackspace Hosting gerade einmal ein von Venture-Capitalists finanziertes Startup-Unternehmen an die Börse. Im dritten Quartal 2007 waren es elf. Noch schlechter sehen die Zahlen für die ersten neun Monate des Jahres aus. Bislang wagten sich sieben solche Startups an die Börse, in der gleichen Zeitspanne des Vorjahres waren es gemäß Dow Jones Venture Source 48. Im zweiten Quartal gab es keinen einzigen IPO von risikokapitalunterstützten Startups - das kam zuletzt 1978 vor.
Ohne Börsengänge "beginnt die gesamte Wirtschaft zu stagnieren, denn letztendlich sind es diese Firmen, die Arbeitsplätze schaffen", sagte Mark Heesen, Präsident des Verbands National Venture Capital Association (NVCA).
Die andere beliebte Exitstrategie, der Verkauf des Startups an einen Rivalen oder großen Technologiekonzern, wird ebenfalls schwieriger. Während zwischen Januar und September 2007 327 mit Risikokapital ausgestattete Startups akquiriert wurden, waren es in den ersten drei Quartalen dieses Jahres noch 247. Sollte sich die Lage bis nicht verbessern, rechnet auch Heesen mit weniger neuen Investitionen der VC-Firmen in Startups.