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Merken   Drucken   30.09.2009, 10:35 Schriftgröße: AAA

Finanzmarkt: Regulierer, vergesst bloß nicht die Hedge-Fonds!  

Kommentar Die Beschlüsse der G20 sind zu vage: Hedge-Fonds genießen weiter Wettbewerbsvorteile, weil sie weniger stark reguliert werden als andere Modelle dieser Art. Dabei hat die Finanzkrise gezeigt, dass gerade sie mehr Kontrolle nötig hätten. von Elisabeth Atzler 
Den Vertretern der 20 mächtigsten Industrie- und Schwellenländer waren sie am Wochenende nur eine Randnotiz wert: Die wenig regulierten Hedge-Fonds sollten mehr beaufsichtigt werden, schrieben die G20 in ihr Abschlussstatement. Das Gleiche soll für den außerbörslichen Derivatehandel, den Verbriefungsmarkt und Ratingagenturen gelten, heißt es im selben Satz.
Es ist richtig, dass die G20 zunächst systemrelevanten Großbanken strengere Vorschriften machen. Doch das sollte kein Grund dafür sein, Hedge-Fonds zu vergessen oder sich mit vagen Absichtserklärungen zufriedenzugeben. Hedge-Fonds waren nicht die Auslöser der Finanzkrise. Sie waren aber auch nicht einfach nur Opfer - wie manch ein Fonds gern glauben machen möchte. Deshalb ist es gut, dass wenigstens die Europäische Kommission einen Vorschlag zur Regulierung auf den Tisch gelegt hat.
Die großen Geheimniskrämer
Der Begriff des Hedge-Fonds ist in der aktuellen Diskussion weit gefasst. Eine Regulierung träfe ganz unterschiedliche Typen unter den weltweit geschätzt fast 9000 Akteuren, die zusammen rund 1000 Mrd. Euro verwalten: Da gibt es Fonds, die computergesteuert auf kleinste Zinsunterschiede oder Preisunterschiede am Rohstoffmarkt wetten. Andere analysieren Unternehmen und setzen auf steigende oder fallende Aktienkurse. Und wieder andere, die rebellischen Investoren, kaufen kleine Anteile an börsennotierten Firmen und mischen sich in die Unternehmenspolitik ein. Gemein ist den meisten: Sie erhöhen ihren Einsatz mit geliehenem Geld. Und sie geben nur so viel von sich preis, wie ihre Investoren - vermögende Privatleute, Pensionskassen, Stiftungen oder Versicherer - unbedingt wissen wollen.
Es ist zum einen diese Geheimniskrämerei, die die G20 mit einem internationalen Vorschlag beenden sollten. Bisher sind die Fonds weitgehend unreguliert. In den USA, von wo die meisten Akteure operieren, mussten sie sich bisher nicht einmal verpflichtend registrieren. Das führt dazu, dass es wenig verlässliche Daten aus der Branche gibt. Anzahl und Vermögen der Fonds schwanken, je nachdem welcher Dienstleister sie ermittelt. Auch Aufsichtsbehörden müssen sich die Zahlen mitunter mühsam zusammenklauben.
Vor der Finanzkrise hatten Branchenvertreter gern die volkswirtschaftliche Bedeutung von Hedge-Fonds betont. Sie argumentierten, dass Hedge-Fonds als Korrektiv wirken könnten und durch ihre Wetten falsche Einschätzungen anderer Marktteilnehmer ausgleichen würden. Die Krise aber hat gezeigt, dass das kaum der Fall ist.
  • Aus der FTD vom 30.09.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 07.10.2009 11:12:13 Uhr   Investment Berater: hedge-Fonds: Wissen hilft gegen Polemik

    Der Artikel ist an billiger Polemik kaum zu übertreffen. Ich kann verstehen, wenn so etwas in der B Zeitung erscheint. Dort redet man Stammtischphilosophen in den Mund. Die einseitig schlechte Stimmungmache gegen Hedge-Fonds lässt sich in keine Weise halten, trotzdem werde ich hier nicht wissenschaftlich argumentieren, sondern versuche in verständlicher Weise für das Produkt Hedgefonds zu sprechen. Im Artikel werden alle Hedge Fonds Strategien über einen Kamm geschert. Durch geschickte Allokation kann ein Anleger oder Vermögensverwalter Risiken eines Kundenportfolios signifikant vermindern, ohne weniger Ertrag zu erzielen. Hierzu gab es bereits Nobelpreise. So wäre auch der zitierte „Kleinsparer“ mit einem Anteil von 20% Hedgefonds im Portfolio deutlich besser durch die Finanzkrise gekommen, als wenn er (oder seine Pensionskasse), wie geschehen, ausschliesslich in Aktien und Renten angelegt hätte. So haben Aktientitel fast ohne Ausnahme über 50% Wertverluste erlitten, während das Gros der Hedgefonds keine oder nur geringe Verluste in 2008 zeigten. Das belegen nicht nur Indizes, sondern auch das Gespräch mit jedem einzelnen Fondsmanager, der seine Ergebnisse vom Wirtschaftsprüfer zertifizieren lassen muss. Hedgefonds Manager würden gerne ausserhalb des von Ihnen beschriebenen „Verborgenen“ agieren, aber die Regulierungen lassen nur vermögende Anleger zu und verbieten die öffentliche Werbung dieser Fonds. Und leider haben auch immer noch viel zu viele Finanzberater selber keinen Überblick und zu wenig Wissen über diese alternativen Fonds.
    Die Finanzkrise nun den Hedgefonds in die Schuhe zu schieben, widerspricht allen Ergebnisses der Aufarbeitung der Krise. Die übermässige Verschuldung der US Gesellschaft und Staat war schon seit Jahren ein Fakt – und die Korrektur hätte früher oder später kommen müssen. Übermässige und mittlerweile allgemein als bremsend für die Entwicklung von Volkswirtschaften betrachtete US Regulierungen wie Sabanne Oxley haben nicht geholfen, im Gegenteil, die beteiligten Gesellschaften wogen sich in (falscher) Sicherheit.
    Eine stärkere Regulierung erschwert den effizienten Kapitaltransfer auf der Welt. Es werden dann wieder mehr Gelder in die Illegalität abwandern. Europäische Übrigens, Hedgefonds arbeiten nicht nur von London, sondern grundsätzlich von allen Finanzzentren der Welt. Übrigens wären alle Volkswirtschaften gut beraten, ähnliche Fondskonstrukte zu fördern und zu integrieren, damit Arbeitsplätze zu schaffen und einen Abfluss von Anlagegeldern in das Ausland zu verhindern.

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