Kaum zu glauben, aber es gibt sie wirklich: Banken, die sich Sorgen machen, weil es ihnen zu gut geht. Und Bankchefs, denen die Arbeit derzeit so richtig Spaß macht.
Einer von ihnen ist Ulrich Schröder, der Vorstandschef der staatlichen Förderbank KfW. "Wir können uns vor unserem Bedeutungszuwachs nicht schützen", übte sich Schröder am Mittwoch auf einer Bankentagung in Frankfurt in, vermutlich gespielter, Bescheidenheit. Wo andere ihr langfristiges Kreditgeschäft und ihre Auslandsgeschäfte eindampfen, steigt die Nachfrage nach den Diensten der KfW, die jahrzehntelang das Image einer grauen Maus hatte - und irgendwie noch immer hat. Ihr Geschäft brummt wie nie, und möglich macht es die Dauerkrise im Kreditgewerbe.
So stieg die Bilanzsumme allein im ersten Halbjahr 2012 um 21,7 Mrd. auf 516,7 Mrd. Euro. Der Gewinn erreichte in den ersten sechs Monaten fast die Milliardengrenze und steuert im laufenden Jahr auf 2 Mrd. Euro zu. "Wir sind inzwischen nach der Deutschen Bank die zweitrentabelste Bank hierzulande", triumphierte Schröder. Und das, obwohl der Betriebszweck der Förderbank gar nicht die Profitmaximierung sei.
Dass es bei der KfW so gut läuft, hat mehrere Ursachen. Da ist das Geschäftsmodell, das an Schlichtheit kaum zu überbieten ist. Die Passivseite besteht ausschließlich aus Mittelaufnahmen am Kapitalmarkt, die Aktivseite aus mittel- und langfristigen Förderkrediten.
Waghalsiges Kreditersatzgeschäft, Investmentbanking? Fehlanzeige.
Treibsatz der aktuellen Wachstumsdynamik ist die umfassende Staatsgarantie, die der KfW die Geldaufnahme am Markt zu Traumkonditionen ermöglicht. "So günstig war es für uns noch nie", sagte Schröder. In diesem Jahr wird die Förderbank 80 Mrd. Euro am Kapitalmarkt aufnehmen und zum weltgrößten nichtstaatlichen Emittenten avancieren. "Wir können problemlos zehn- und sogar 30-jährige Anleihen platzieren. Die Käufer unserer Schuldtitel sind zu mehr als 90 Prozent Ausländer", sagte Schröder. Dem stehen auf der Aktivseite für dieses Jahr 70 Mrd. Euro an Darlehen gegenüber, davon gut die Hälfte an den deutschen Mittelstand.
"Der Bedeutungszuwachs der KfW auch im Auslandsgeschäft ist von uns nicht gewollt, und er wird von uns auch nicht forciert", sagte Schröder. Im Gegenteil seien die Probleme der anderen Banken im langfristigen Kreditgeschäft besorgniserregend.
Ebenfalls auf der Schokoladenseite sieht sich das genossenschaftliche Spitzeninstitut DZ Bank. Deren Chef Wolfgang Kirsch hält eine Eigenkapitalrendite von zwölf Prozent für machbar und sieht in allen wichtigen Geschäftsfeldern überdurchschnittliches Wachstum für sein Institut. "Bankgeschäft kann erfolgreich sein und auch Spaß machen", sagte er.