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Merken   Drucken   29.09.2008, 00:01 Schriftgröße: AAA

Folgen der Finanzkrise: Hypo Real Estate droht Kollaps

Exklusiv Alarmsignal für die deutsche Bankenlandschaft: Dem Münchner Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate droht nach FTD-Informationen wegen Refinanzierungsproblemen der Kollaps. Damit schlägt die Finanzkrise erstmals massiv auf einen Dax-Konzern durch.
von Birgit Marschall (Berlin), Steffen Klusmann (Hamburg), Nina Luttmer und Tim Bartz (Frankfurt)

Wie aus Regierungs- und Finanzkreisen verlautete, suchen Deutschlands private Banken seit Tagen fieberhaft nach einer Lösung zur Rettung des Dax-Konzerns. Ein Sprecher des Unternehmens, das in amerikanische Ramschhypotheken investiert hat, wollte die Informationen nicht kommentieren. Die Finanzaufsicht BaFin, die an den Gesprächen beteiligt ist, lehnte ebenfalls einen Kommentar ab.

Verantwortlich für die Schieflage der Bank sind nach FTD-Informationen Spekulationen der irischen Tochter Depfa. Der Staatsfinanzierer hatte sich für Langfristprojekte, für die er Geld verliehen hat, extrem kurzfristig refinanziert - was wegen des Misstrauens an den Märkten inzwischen nicht mehr möglich ist. "Der Markt für die Depfa ist tot", heißt es in Finanzkreisen. Für die Refinanzierung muss nun die Hypo  einstehen. Nach FTD-Informationen geht es um einen zweistelligen Milliardenbetrag. Es sei derzeit unwahrscheinlich, dass die Hypo Real Estate diese Summe stemmen kann.

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Der belgisch-niederländischen Finanzkonzern Fortis  wird derweil zerschlagen. In Notsitzungen hatten am Sonntag die Regierungen, Aufsichtsbehörden und Zentralbanken der beiden Länder über die Zukunft des Unternehmens beraten. Am späten Sonntagabend teilte der belgische Ministerpräsident Yves Leterme dann mit, Belgien werde 49 Prozent an Fortis für 4,7 Mrd. Euro übernehmen.

Zudem wollte Luxemburg sich mit 2,5 Mrd. Euro beteiligen. Die Zeitung "De Standaard" schrieb am Sonntagabend auf ihrer Internetseite, Fortis werde seine Teile an ABN Amro für 10 Mrd. Euro an den niederländischen Konkurrenten ING  verkaufen. Fortis hatte ABN Amro  erst 2007 gemeinsam mit der Royal Bank of Scotland  und der spanischen Banco Santander  zerschlagen und für seinen Teil 24 Mrd. Euro gezahlt. Erst am Freitag war Fortis-Chef Herman Verwilst zurückgetreten, nachdem Gerüchte über eine schwache Liquiditätsausstattung des Konzerns die Aktie auf Talfahrt geschickt hatten. Die Regierung in Den Haag dringe auf einen Rettungsfonds, den die Europäische Zentralbank für europäische Finanzdienstleister auflegen solle, hieß es in Finanzkreisen.

Hypo Real Estate und Fortis wären damit die größten europäischen Finanzkonzerne, die wegen der Krise zusammenbrechen. Zuvor war bereits die britische Hypothekenbank Northern Rock verstaatlicht worden - am Sonntag übernahm die Regierung in London überdies die Kontrolle über den angeschlagenen Baufinanzierer Bradford & Bingley.

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Die prominentesten Schieflagen in Deutschland sind die Sachsen LB und die Mittelstandsbank IKB. Zudem haben Landesbanken wie die BayernLB, die WestLB und die HSH Nordbank im Zuge der Krise bereits Milliarden abschreiben müssen. "Jetzt schwappt die Krise richtig nach Europa", sagte ein Banker. "Allein der Rettungsschirm für die Landesbanken müsste 100 Mrd. Euro betragen."

In den USA einigten sich Vertreter von Demokraten und Republikanern unterdessen auf ein Rettungspaket für die Finanzindustrie, das der Kongress voraussichtlich am Montag verabschieden wird. Ein erster Kompromiss war am Donnerstag am Widerstand republikanischer Politiker gescheitert. Demnach stellt Washington 700 Mrd. $ für den Aufkauf von Wertpapieren bereit, die auf notleidenden Hypothekenkreditpapieren beruhen und bis zum 14. März gekauft worden waren. Der Staat darf auch andere Produkte erwerben, falls dies die Finanzmärkte stabilisiert. Der Kongress gibt zunächst eine Tranche von 250 Mrd. $ frei; auf Beschluss des Präsidenten kann der Betrag auf 350 Mrd. $ erhöht werden. Alle Finanzinstitute mit bedeutender US-Präsenz dürfen das Programm in Anspruch nehmen - also auch ausländische. Unter welchen Umständen, ist allerdings unklar.

Die US-Regierung bekommt dafür Optionen auf Anteile an den Firmen, die von dem Programm profitieren - der Steuerzahler soll so an potenziellen künftigen Gewinnen beteiligt werden. Unternehmen, die die Hilfe des Staates in Anspruch nehmen, müssen Grenzen bei der Vergütung ihrer Manager akzeptieren. Die Bestimmung richtet sich vor allem gegen "goldene Fallschirme" für ausscheidende Führungskräfte.

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  • Aus der FTD vom 29.09.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland
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