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Merken   Drucken   14.10.2010, 13:00 Schriftgröße: AAA

Folgen der Subprime-Krise: Zwangsräumungs-Skandal überrollt USA

US-Banken sollen Eigenheimbesitzern widerrechtlich ihre Häuser weggenommen haben. Mit Wells Fargo ist offenbar auch eine der größten Hypothekenbanken in die Affäre verstrickt. Ermittler aller Bundesstaaten gehen gemeinsam gegen die Geldhäuser vor. Auch die Fed ist alarmiert.
Die Affäre um mutmaßlich unrechtmäßig durchgeführte Zwangsvollstreckungen in den USA weitet sich aus. Nach Informationen der Financial Times könnte auch die Wall-Street-Bank Wells Fargo  verwickelt sein. Dokumente zeigten, dass das Institut, der zweitgrößte Hypothekendienstleister in den Vereinigten Staaten, "Robo-Signer" eingesetzt habe. Darunter versteht man Mitarbeiter, die täglich Tausende Zwangsvollstreckungstitel unterschreiben - oft, ohne die Details zu überprüfen.
Viele Häuser wurden zwangsversteigert - einige möglicherweise zu ...   Viele Häuser wurden zwangsversteigert - einige möglicherweise zu Unrecht
Im Zusammenhang mit Vorwürfen gegen die selbe Praxis haben Bank of America , JP Morgan  und Ally Financial, die ehemalige Finanzsparte des Autokonzerns General Motors, bereits Zwangsvollstreckungen ganz oder in einer Reihe von Staaten eingestellt. Die Staatsanwaltschaften von 50 Bundesstaaten ermitteln in einer gemeinsamen Aktion.
Notleidende Hypotheken sind ein Riesenproblem in den USA: Die Wirtschaftskrise und die damit einher gehende hohe Arbeitslosigkeit haben die Zahl derer in die Höhe schnellen lassen, die ihre Hypotheken nicht mehr bedienen können. Im September erreichte die Zahl der Zwangsvollstreckungen laut dem Datendienstleister RealtyTrac mit 102.134 Immobilien einen Rekord. Die Stopps von Zwangsvollstreckungen dürften die Zahl in den kommenden Monaten laut RealtyTrac schrumpfen lassen. Damit würden die Prozesse aber nur aufgeschoben. Der zwischenzeitliche Schwebezustand droht dem ohnehin kriselnden Markt aber weiter zu schaden - und damit der Konjunktur.
Die Folgen für die Banken sind unabsehbar. Sie haben die Kredite in ihren Bilanzen mit einem gewissen Restwert eingebucht, weil sie - etwa über Zwangsversteigerungen - noch Geld aus den Papieren eintreiben können. Derzeit fehlt aber offenbar ein rechtlich gangbarer Weg, eindeutig nachzuweisen, wer der Gläubiger einer einzelnen Hypothek ist, die sich in einem gebündelten Kreditpaket befindet.
JP-Morgan-Chef Jamie Dimon räumte am Mittwoch ein, einige Staatsanwaltschaften könnten die Banken mit Strafen belegen. Die Bank habe zwar einige Unzulänglichkeiten in den Abläufen identifiziert, sei sich aber sehr sicher, einwandfrei gehandelt zu haben.
In die seit Tagen schwelende Debatte um einen möglichen landesweiten Stopp der Zwangsversteigerungen hat sich nach Angaben einer Verbraucherschutzgruppe inzwischen auch US-Notenbankchef Ben Bernanke  eingeschaltet. Die Immobilien-Gruppe NCRC zitierte den Fed-Chef mit den Worten, die Zentralbank wolle die umstrittenen Praktiken bei den Versteigerungen prüfen und potenzielle Dokumenten-Probleme lösen. Demnach haben sich Zentralbankvertreter bereits mit den großen Kreditgebern des Landes zu Gesprächen getroffen.
Führende Kongressmitglieder von Obamas Demokratischer Partei haben die Kreditinstitute aufgefordert, dem Beispiel der Bank of America zu folgen. Das Geldhaus setzte als erste US-Großbank Zwangsversteigerungen in allen Bundesstaaten aus. US-Präsident Barack Obama hat sich gegen einen Stopp ausgesprochen, weil er negative Folgen für den Immobilienmarkt fürchtet. Nach Schätzung von Experten stehen in diesem Jahr in den USA 1,2 Millionen Häuser zur Zwangsversteigerung an.
  • FTD.de, 14.10.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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