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Merken   Drucken   29.08.2012, 15:52 Schriftgröße: AAA

Frankfurt: Sparkassen-Kunden ziehen Milliarden aus Deka-Fonds ab

Dem Sparkassen-Fondsanbieter laufen die Anleger davon. Nun will er ins Zertifikate-Geschäft einsteigen und prüft eine Fusion mit der Landesbank Berlin.
© Bild: 2012 DPA/Bildfunk/Frank May
Dem Sparkassen-Fondsanbieter laufen die Anleger davon. Nun will er ins Zertifikate-Geschäft einsteigen und prüft eine Fusion mit der Landesbank Berlin.

Auf den neuen Deka-Chef Michael Rüdiger warten beim Sparkassen-Fondsanbieter große Aufgaben. Anleger zogen wegen niedriger Zinsen und hoher Risikoscheu im ersten Halbjahr unter dem Strich 3,2 Mrd. Euro aus den Wertpapierfonds des Frankfurter Instituts ab, wie die Deka mitteilte. Neben der Stabilisierung des Kerngeschäfts soll Credit-Suisse-Banker Rüdiger, der Anfang November bei der Deka antritt, auch ins Zertifikate-Geschäft einsteigen und Zusammenlegungen mit der Landesbank Berlin (LBB) prüfen. Beide Institute gehören den Sparkassen.

Große Überschneidungen zwischen LBB und Deka sehe er vor allem im Kapitalmarkt- und Fondsgeschäft, sagte der kommissarische Deka-Chef Oliver Behrens. Im Immobiliengeschäft seien die Überlappungen dagegen überschaubar, betonte Finanzchef Matthias Danne. "Das Synergie-Potenzial ist begrenzt." Die Sparkassen, die bei der Deka seit vergangenem Jahr alleine das Sagen haben, wollen Doppelarbeiten bei Deka und LBB beseitigen und sich im Herbst mit möglichen Zusammenlegungen befassen.

Deka-Chef Michael Rüdiger will auch ins Zertifikate-Geschäft ...   Deka-Chef Michael Rüdiger will auch ins Zertifikate-Geschäft einsteigen

Deutlich umstrittener ist der geplante Einstieg der Deka ins Zertfikate-Geschäft, mit dem das Institut den Landesbanken Konkurrenz machen wird. Behrens sieht in dem Schritt, der im September abgesegnet werden soll, kein Problem. Für die Sparkassen steige dadurch die Auswahl an Zertifikaten, betonte er. Zum Deka-Ergebnis werde das Geschäft einen "vernünftigen Beitrag leisten, aber es wird nicht spielentscheidend sein", sagte er. Ein Geschäfts-Volumen von drei bis vier Mrd. Euro sei eine vernünftige Größenordnung.

Behrens führt die Deka seit April, als die Sparkassen Ex-Chef Franz Waas nach einem Streit um Boni in Millionenhöhe vor die Tür setzten. Behrens galt selbst auch als Kandidat für die Waas-Nachfolge, muss sich nun aber mit dem neu geschaffenen Posten als stellvertretener Deka-Chef zufrieden geben. "Das ist dann nun mal so", sagte Behrens. Er will dem Institut jedoch die Treue halten und setzt nach ersten Gesprächen mit Rüdiger auf eine gute Zusammenarbeit. "Ich habe ein gutes Gefühl."

Im kriselnden Fonds-Geschäft sieht Behrens trotz der anhaltenden Mittelabflüsse Licht am Ende des Tunnels. Die neu aufgelegten Produkte Deka-Vermögenskonzept und Deka-BasisAnlage würden sich gut verkaufen. Um die Rendite großer -Aktien---Fonds zu verbessern, bei denen die Deka der Konkurrenz hinterherhinkt, will Behrens Verantwortlichkeiten neu sortieren und Teams straffen. Ein Sanierungsfall sei die Deka jedoch keinesfalls: "Nur weil es Baustellen gibt, heißt das nicht, das wir alles über den Haufen werfen müssen", sagte Behrens.

Im ersten Halbjahr ging das wirtschaftliche Ergebnis - der Vorsteuergewinn sowie das Bewertungsergebnis von Finanzinstrumenten - um sieben Prozent auf 314 Mio. Euro zurück. Im Gesamtjahr 2012 traut sich die Deka jedoch zu, das Vorjahresergebnis von 383 Mio. Euro zu übertreffen. Die Bank verdient derzeit gut daran, dass sich Sparkassen und andere institutionelle Kunden bei ihr kurzfristig mit Liquidität versorgen. Zudem profitiert das Institut von der Kurserholung bei Wertpapieren und dem florierenden Immobiliengeschäft.

Im zweiten Halbjahr stellt sich Finanzchef Danne jedoch auf mehr Gegenwind ein und hat deshalb bereits in den ersten sechs Monaten vorsorglich 80 Mio. Euro zur Seite gelegt. Auch die Risiken in der Bilanz hat er heruntergefahren und Staatsanleihen aus südeuropäischen Krisenstaaten verkauft. Zurückgeblieben in der Bilanz sind lediglich noch Staatsanleihen aus Spanien und Italien im Wert von rund 220 Mio. Euro.

  • Reuters, 29.08.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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