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Banken weltweit verdienen an der öffentlichen Hand - und reißen sich darum, als Primärhändler bei der Emission von Staatsanleihen mitzuwirken. In den USA erhielten mit Jefferies, RBC Capital Markets und Nomura Securities seit Juni gleich drei Finanzinstitute die Primärhändler-Lizenz. In Europa bewirbt sich nach Informationen des "Wall Street Journal" neben MF Global, Jefferies, Scotiabank und Daiwa Securities mit der Citadel Group auch der erste Hedge-Fonds um solch eine Erlaubnis.
Jahrelang war das Geschäft der Primärhändler eher uninteressant. Solche Firmen erwerben bei Schuldenauktionen des Staates Anleihen, die sie dann an Kunden weiterverkaufen. Sie stellen zudem als "Market Maker" Geld- und Briefkurse. Inzwischen hat sich die Situation jedoch radikal gewandelt. Wegen Konjunkturprogrammen und Bankenrettungspaketen ist der Refinanzierungsbedarf der Länder so hoch wie nie. Allein die Vereinigten Staaten werden dieses Jahr mehr als 2500 Mrd. $ an neuen Papieren begeben. Gleichzeitig fragen Investoren wieder sichere Anlagen nach, die Nachfrage nach Staatsanleihen ist deshalb hoch.
Überhaupt steht der Handel mit festverzinslichen Wertpapieren hoch im Kurs. Im zweiten Quartal war er die Ertragsmaschine schlecht hin. Goldman Sachs beispielsweise verdiente 6,8 Mrd. $. Goldman-Finanzchef David Viniar führte das auf die hohen Differenzen zwischen Geld- und Briefkursen und eine "fragmentierte Kreditlandschaft" zurück. Damit spielte er auch auf die Abnahme der Wettbewerbsintensität an: Die Zahl der Primärhändler sank in den USA von 31 vor zehn Jahren auf 18. Dank der guten Gewinnaussichten setzt jetzt der Gegentrend ein - und die Banken kehren zurück.
Die Finanzinstitute verdienen dabei nicht nur mit dem Staat, sondern auch mit den Notenbanken. Die US-Notenbank kauft Staatsanleihen und hypothekenbesicherte Wertpapiere im Umfang von 1750 Mrd. $ auf. Da sie ihre Pläne stets im Voraus bekannt gibt, bieten sich für die Wall Street automatisch Gewinnchancen: Vor dem Kauf durch die Notenbank steigen die Kurse, vor der Emission durch das Finanzministerium fallen sie. Beides ist gut für die Banken.
Dass der Staat eine Geldmaschine für die Banken ist, wird innerhalb der Notenbank und in der Politik kritisch gesehen. "Das ist der Preis, den wir bezahlen müssen. Man kann nicht das Finanzsystem retten, ohne dass es ein paar Menschen gibt, die davon profitieren", sagte Barney Frank, Leiter des Finanzausschusses im US-Repräsentantenhaus. Der Kongress werde aber genau darauf achten. "Wir wollen nicht, dass die Fed den bestmöglichen Preis heraushandelt. Wir wollen aber auch nicht, dass sie über den Tisch gezogen wird."