Demnach zahlen die Banken in Europa derzeit die höchsten Aufschläge für Geldausleihungen in US-Dollar seit dem Dezember 2008. Die Differenz zwischen dem dreimonatigen Euribor und dem Overnight Indexed Swap OIS erreichte zuletzt den höchsten Wert seit Mai 2009. Dieser Spread ist ein Maß für die Abneigung der Banken, sich untereinander Geld zu leihen.
"Wir bewegen uns auf ein Szenario zu, wie es in den Nach- Lehman-Zeiten existierte - wo die Banken auf Geldausleihungen durch die Europäische Zentralbank angewiesen waren und wo die Finanzierungen teurer waren", sagte Analyst Marcello Zanardo von Sanford C. Bernstein Bloomberg. "Das dürfte zu einer Kreditklemme führen", falls es den Banken nicht möglich sei, ihre gesamten Kosten weiterzureichen.
Die EZB solls richten
Da die Banken sich gegenseitig kein Geld mehr leihen, suchen sie es bei der Europäischen Zentralbank (EZB). EZB-Chef
Jean-Claude Trichet hatte den Banken in der vergangenen Woche unlimitierte, an den Leitzins gekoppelte Geldausleihungen für sechs Monate zugesichert. Außerdem verlängerte er bereits existierende Liquiditätsspritzen. Er wollte Befürchtungen zerstreuen, dass die Banken in Südeuropa Probleme bei Geldausleihungen haben. Die EZB kauft überdies italienische und spanische Staatsanleihen auf.
Die Banken nutzen das neue Liquiditätsfenster auch ausgiebig. Bei einem aktuellen Tender haben sich europäische Institute dann auch direkt knapp 50 Mrd. Euro für die kommenden sechs Monate gesichert, wie die EZB mitteilte.