FTD.de » Unternehmen » Finanzdienstleister » Kein Pardon für US-Banken
Merken   Drucken   08.08.2012, 09:12 Schriftgröße: AAA

Geldwäsche: Kein Pardon für US-Banken

Für US-Banken wird es eng. Politik und Aufseher gehen mit neuer Härte gegen Geldwäsche vor. Für die Institute ist das vor allem eins: teuer.
von Kim Bode, New York

Mit den Geldwäschevorwürfen der obersten New Yorker Finanzaufsicht gegen die britische Bank Standard Chartered  hat der Kampf der USA gegen illegale Finanztransaktionen seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Seit Jahren fahren Politik und Aufsichtsbehörden immer schärfere Geschütze gegen internationale und heimische Institute auf, um mögliche Schlupflöcher für illegale Geldtransaktionen mit unter Sanktionen stehenden Ländern, Drogenkartellen und extremistischen Organisationen zu stopfen.

Vor Standard Chartered bekamen dies bereits die ebenfalls britische Bank HSBC  und ING  aus den Niederlanden zu spüren - wie auch eine Reihe von US-Geldhäusern. Den strengeren Auflagen gerecht zu werden kommt die Banken teuer zu stehen.

Kursinformationen und Charts
   [ %
   [ %
  •  
  • blättern

Geschäfte mit dem Iran etwa, wie sie Standard Chartered vorgeworfen werden, sind schon seit mehreren Jahrzehnten erheblich eingeschränkt - also lange bevor die Sorgen über ein mögliches iranisches Atomprogramm akut wurden. Mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 verschärften die USA ihr Vorgehen noch einmal deutlich. Ziel ist es, jegliche Art von Geldwäsche - ob von Extremisten, Drogenhändlern oder Unternehmen, die in einem politischen Konflikt mit den USA stehen - auszumerzen. In Amerika operierende Banken sind dazu angehalten, Geldströme genau zu kontrollieren und Auffälligkeiten den Aufsichtsbehörden zu melden. Wenn sie diese Pflichten nicht erfüllen, drohen Geldbußen und strafrechtliche Ermittlungen.

Vier Jahre nach dem Höhepunkt der Finanzkrise wird nun deutlich, dass die USA ihre Anstrengungen im Kampf gegen Geldwäsche noch einmal verstärkt haben. Experten begründen dies damit, dass sich das Finanzsystem vermeintlich wieder etwas gefangen habe und einige der Zielobjekte wieder stabiler dastünden.

Denn nicht nur die möglichen Bußgelder, sondern vor allem die erhöhten Anforderungen an die Geldwäschekontrolle durch die Banken selbst schlagen finanziell gehörig zu Buche. Bei der US-Einheit von HSBC etwa hatten sich die Kosten für die Einhaltung diverser Auflagen 2011 im Vergleich zum Vorjahr auf insgesamt knapp 300 Mio. Dollar fast verdreifacht. Ein Teil davon wurde zwar für ordnungsgerechte Zwangsversteigerungen von Häusern verwendet, der Großteil des Anstiegs ist aber auf verschärfte Auflagen zur Geldwäschekontrolle zurückzuführen. Deren Einhaltung ist vor allem deshalb so teuer, weil die Regeln kompliziert und zahlreiche Spezialisten gefordert sind.

Abschreckende Beispiele

Jüngste Strafen nach Geldwäsche-Ermittlungen durch US-Behörden

DatumBankStrafeVorwurf
Juli 2012HSBC700 Mio. $*Geldwäsche für Drogenkartelle
Juli 2012Bank of AmericaErmittl. laufenGeldwäsche für Drogenkartelle
Juni 2012ING619 Mio. $illegale Transaktionen für den Iran und Kuba
Apr. 2012CitigroupErmittl. laufenMängel in der Geldwäschekontrolle
Aug. 2010Barclays298 Mio. $illegale Transaktionen für Kunden aus Kuba, dem Iran, Libyen, dem Sudan und Myanmar
Mai 2010ABN Amro500 Mio. $Verschleierung von Transaktionen mit dem Iran, Libyen, Kuba und dem Sudan
März 2010Wells Fargo160 Mio. $Geldwäsche für Drogenkartelle
Dez. 2009Credit Suisse536 Mio. $Verschleierung von Transaktionen mit dem Iran, Kuba, Myanmar und Libyen
Jan. 2009Lloyds217 Mio. $Verschleierung von illegalen Transaktionen

*Rückstellung für mögl. Strafen; Quelle: US Permanent Subcommittee on Investigations, Unternehmen, JP Morgan Cazenove, FTD

Gegen viele der nun öffentlich beschuldigten Banken wird schon seit einigen Jahren ermittelt, gegen Standard Chartered etwa bereits seit Anfang 2009. Eine Reihe von Verfahren ist bereits abgeschlossen. Im Jahr 2010 hatte sich die US-Bank Wells Fargo  auf einen Vergleich über 160 Mio. Dollar mit dem Justizministerium geeinigt, das dem Haus fehlerhafte Kontrolle von Geldströmen aus Mexiko vorgehalten hatte. Das Institut habe es einem Kokainkartell ermöglicht, Geld zu waschen, so der Vorwurf.

Im Juni dieses Jahres dann hatte die niederländische Bank ING einer Buße über 619 Mio. Dollar zugestimmt. Damals lautete die Anschuldigung, das Geldhaus habe Milliarden Dollar für iranische und kubanische Unternehmen durch das US-Finanzsystem geschleust.

00:50:32 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
    % 
    % 
    % 
    % 
  • Aus der FTD vom 08.08.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Immobilien-Kompass
Immobilien-Kompass Deutschlands beste Wohnlagen

Preise, Mieten und Prognosen für Deutschlands Metropolen und Regionen mit detaillierten Übersichtskarten

Jetzt eigene Wohnlage prüfen

 
Anstatt FTD.de lese ich künftig ... Zum Ergebnis
Alle Umfragen
In eigener Sache
  • An Kiosks in der ganzen Republik hieß es am letzten Erscheinungstag der FTD: Zeitung vergriffen! Der Hype um die Schlussausgabe trieb merkwürdige Blüten. Der Verlag druckte 30.000 Exemplare nach. Wer keines abbekam - bestellen ist möglich. mehr

  •  
  • blättern
Zwischen Leben und Arbeiten
Work-Life-Balance

Die FTD hat zusammen mit dem GfK Verein die umfassendste bundesweite Studie zum Thema Work-Life-Balance veröffentlicht. Die Ergebnisse und mehr zum Thema finden Sie hier. Die Studie können Sie hier kaufen. mehr

Folgen Sie der FTD auf Twitter
Werden Sie Fan der FTD auf Facebook
  • Sie waren ein Herzstück der Zeitung und pointiert, scharf, teils brillant: Ihre Kolumnen, Leitartikel und Kommentare haben die FTD entscheidend geprägt. Zum letzten Mal: Unsere Kolumnisten sagen, was Sache ist. mehr

  •  
  • blättern
© 1999 - 2013 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Impressum | Datenschutz | Nutzungsbasierte Online Werbung | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

Geldanlage | Altersvorsorge | Versicherung | Steuern | Arbeitsmarkt | Energiewende | Ökostrom | Auto | Quiz | IQ-Test | Allgemeinwissen | Solitär | Markensammler