Es wirkt wie Geschacher auf dem Trödelmarkt: Morgan Stanley und die Citigroup , zwei der größten amerikanischen Banken, können sich trotz wochenlanger Verhandlungen und der Einschaltung eines Schlichters nicht auf eine übereinstimmende Bewertung ihres Gemeinschaftsunternehmens Morgan Stanley Smith Barney einigen, das sie seit 2009 betreiben.
Genau diese Bewertung ist allerdings wichtig, weil Morgan Stanley seinen Anteil an dem Wertpapierhändler und Vermögensverwalter von derzeit 51 auf 65 Prozent aufstocken will. Damit hat die Citigroup grundsätzlich zwar kein Problem - dafür aber mit dem Preis, den der Wall-Street-Konkurrent ansetzt. Während Morgan Stanley den Gesamtwert des Unternehmens auf 9 Mrd. Dollar beziffert und entsprechend wenig zahlen will für die weiteren 14 Prozent, um die die Bank ihre Beteiligung aufstocken will, kommt die Citigroup auf 23 Mrd. Dollar, die die gemeinsame Tochter wert sein soll.
Es geht für alle Beteiligten um viel. Die Citigroup braucht das Geld aus dem Verkauf der Anteile - je nach Berechnung 1,3 Mrd. bis 3,2 Mrd. Dollar -, Morgan Stanley will seinen Durchgriff auf den Broker erhöhen, noch stärker von dessen Erträgen profitieren und sich so breiter aufstellen. Smith Barney beschäftigt US-weit 17.000 Berater und betreut ein Kundenvermögen von 1700 Mrd. Dollar.
Bis zum heutigen Donnerstag hätten die Banken zu einem einvernehmlichen Urteil kommen sollen. Die enorme Spanne beider Bewertungen macht einen Kompromiss allerdings unmöglich. Das ist auch insofern bemerkenswert, als dass beide Banken quasi von Berufs wegen damit beschäftigt sind, für Kunden den Wert von Unternehmen zu ermitteln, etwa in der Fusionsberatung - eigentlich sollten sie daher über ausreichend Expertise verfügen, um zu einem annähernd gleichen Ergebnis zu kommen.
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Da aber frühzeitig absehbar war, dass ein Kompromiss kaum zu erzielen sein würde, hatten Morgan Stanley und Citigroup Partner bereits im Juli die Investmentbanker von Perella Weinberg Partners als Schlichter eingeschaltet. Sie sollten ursprünglich bis heute den fairen Wert für Morgan Stanley Smith Barney ausrechnen, tun sich aber offenbar ähnlich schwer wie die beiden Streithähne: Jetzt wurde die Frist bis zum 10. September verlängert.
Perellas Aufgabe ist knifflig. Kommt die Investmentbank auf eine Bewertung, die im mittleren Drittel dessen liegt, was Morgan Stanley und Citigroup jeweils ansetzen, müssen beide zustimmen. Dann würde Morgan Stanley etwas mehr zahlen als beabsichtigt, die Citigroup mehr abschreiben als geplant - die Belastung wäre in etwa gleich verteilt. Anders sieht es aus bei einer Bewertung im unteren oder oberen Drittel der Spanne. Dann müsste eine der Banken draufzahlen, entweder Morgan Stanley beim Preis oder die Citigroup bei der Abschreibung.
Insofern haben sich die beiden Wall-Street-Riesen keinen Gefallen damit getan, ihre Tochter so unterschiedlich zu bewerten, wie sie es tun: Die Gefahr ist groß, dass einer von beiden als Verlierer vom Platz geht. Offenbar aber war der Anreiz, zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen, zu gering für die Investmentprofis beider Institute. Und das ist dann vermutlich auch schon der größte Unterschied zum Gefeilsche auf dem Trödelmarkt.
| Das ist Smith Barney |
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| Neuer Name Im Januar 2009 teilte die Citigroup mit, dass Morgan Stanley 51 Prozent seiner Tochter Smith Barney kauft. Mehr als 17000 Berater betreuen heute die Vermögen von Privatanlegern und Firmen jeder Größe. Ab September heißt Smith Barney dann Morgan Stanley Wealth Management – sofern sich die Banken einigen können. |