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Merken   Drucken   06.02.2012, 06:00 Schriftgröße: AAA

Geplatzte Börsenfusion: "Die Rivalen schütteln den Kopf"

Interview Deutsche-Börse-Chef Reto Francioni kann das Verbot der Fusion mit der NYSE kaum fassen. Nun prüfe er eine Klage, sagt er im FTD-Interview. Doch vor allem muss er zeigen, wie sein Unternehmen allein wachsen kann. von Reinhard Hönighaus  und Sarah Speicher-Utsch  Frankfurt
Nach der geplatzten Fusion mit der NYSE Euronext  steht Deutsche-Börse  -Chef Reto Francioni unter Druck. Die EU-Kommission hat den Zusammenschluss verboten, weil beide Unternehmen den börslichen Derivatehandel in Europa beherrscht hätten. Es war sein zweiter Versuch: 2008 war Francionis Projekt einer transatlantischen Elefantenhochzeit schon einmal gescheitert, damals an Indiskretionen. Der 56-jährige Schweizer spricht mit der FTD über sein Unverständnis für die Regulierer und die Möglichkeit, aus eigener Kraft zu wachsen.
FTD Herr Francioni, Sie kommen gerade aus dem Frankfurter Börsenrat, der am Freitag erstmals nach dem Aus der Fusion getagt hat. Da sitzen Ihre Kunden. Was mussten Sie sich da anhören?
Deutsche Börse-CEO Reto Francioni   Deutsche Börse-CEO Reto Francioni
Reto Francioni Der Börsenrat bedauert die Entscheidung aus Brüssel sehr. Das Gremium hatte die geplante Fusion als richtigen Schritt für das Unternehmen unterstützt und kontinuierlich begleitet. Jetzt richtet sich auch dort der Blick nach vorn.
Wie fühlen Sie sich denn persönlich, nachdem die EU-Kommission Ihren Fusionsplan gestoppt hat?
Francioni Wichtig ist nicht, was ich fühle, sondern wie wir nun die Zukunft für unser Unternehmen gestalten. Wir haben keine Zeit, eine verpasste Chance zu betrauern, dazu ist der Wettbewerb viel zu stark. Wir werden mit Nachdruck unsere Positionen ausbauen, mit Schwerpunkt auf den Bereichen Derivateclearing, Risiko- und Sicherheitenmanagement. Darüber hinaus werden wir die Internationalisierung und unser eigenes Wachstum beschleunigen. Wir sind stark genug, auch wenn es jetzt länger dauern wird als mit einer Fusion.
Und was, wenn einigen Aktionären dieser Weg zu lang ist?
Francioni Unser Unternehmen ist unverändert attraktiv und ertragsstark. Wir erwarten auch für 2012 ein gutes Geschäftsjahr. Warum sollten sich Aktionäre zurückziehen?
Ihre Aktionäre hatten sich auf eine mit der Fusion verbundene Sonderdividende gefreut. Schütten Sie die trotzdem aus?
Francioni Die vorläufigen Zahlen für 2011 veröffentlichen wir am 13. Februar, ebenso Informationen zur Ausschüttung an die Aktionäre.
Übernehmen Sie die Verantwortung für das Scheitern der Gespräche mit der EU-Kommission?
Francioni Der Vorstand hat immer die Verantwortung für das Geschäft, und Aufsichtsrat und Aktionäre haben ja mit überwältigender Mehrheit die Richtigkeit des Projekts bestätigt. In den letzten Tagen haben mich viele Vorstände und Politiker angerufen und kopfschüttelnd gefragt, was mit Europa los ist. Das Projekt war richtig, und seine Logik ist es unverändert. Im Gegenzug muss man eher nach einer übergeordneten Verantwortung der Wettbewerbsbehörde fragen.
Wie konnten Sie den Wettbewerbskommissar so falsch einschätzen? Joaquín Almunia hat früh auf die gemeinsame Marktmacht Ihrer Derivatebörse Eurex und der NYSE-Tochter Liffe abgestellt. Den außerbörslichen Derivatehandel der Banken (Over the Counter, OTC) ließ er außen vor.
Francioni Wir haben unsere Fusionspläne im Februar beschlossen und die entsprechenden Anträge in Brüssel gestellt. Im August hat die Kommission ihre Bedenken artikuliert. Bis dahin hat niemand mit einer derartig eigenwilligen Marktdefinition der Kommission rechnen können. Zudem haben andere Behörden den Zusammenschluss innerhalb ihres Verantwortungsbereichs bereits genehmigt; zum Beispiel die BaFin in Deutschland oder das Justizministerium und die Börsenaufsicht SEC in Amerika. Die Deutsche Börse hatte und hat sehr gute Argumente, die ja auch verschiedene EU-Kommissare überzeugt haben. Wir haben selbstverständlich eine Reihe von Experten die Chancen ermitteln lassen, und die lagen demnach deutlich über 50 Prozent.

Teil 2: Was der Fusionsversuch kostete

  • Aus der FTD vom 06.02.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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