Aufgeregte Bankkunden haben in Lettland rund 20 Mio. Lat (28 Mio. Euro) von Konten der Swedbank abgeräumt. Ursache waren nach Angaben des in Schweden beheimateten Geldhauses Gerüchte über finanzielle Probleme des Instituts. Der Lettland-Chef der Bank, Māris Mančinskis, sprach in einem auf der Website der Bank verbreiteten Schreiben von "dreisten Lügen". Die lettische Finanz- und Kapitalmarktkommission teilte mit, es gebe keinen Grund zur Sorge um die finanzielle Situation der Bank. Ministerpräsident Valdis Dombrovskis sagte, die Lage in Lettland solle durch Falschinformationen destabilisiert werden. Polizei und Staatsanwalt nahmen Ermittlungen auf.
Der Ansturm von rund 10.000 Bankkunden auf die lettischen Geldautomaten macht deutlich, welche verheerenden Auswirkungen Gerüchte angesichts der Krise auf den Finanzmärkten haben können. Erst im August hatte die französische Großbank
Société Générale aufgrund eines später zurückgezogenen Zeitungsberichts einen Kurssturz an der Börse erlitten. Die britische Zeitung "Mail on Sunday" hatte geschrieben, Regierungskreise sähen die Bank "am Rande des Abgrunds" - eine Darstellung, die das Blatt später selbst als substanzlos bezeichnete.
Institut bestand Stresstest mit Bravour
Die Swedbank schaffte im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Banken im zurückliegenden Quartal einen Gewinnsprung, gegenüber dem Vorjahr stieg das Nettoergebnis um 34 Prozent auf 3,5 Mrd. Schwedische Kronen (390 Mio. Euro). Den jüngsten Stresstest der Europäischen Bankenaufsicht EBA bestand das Institut locker, anders als die großen deutschen Geldhäuser muss die Swedbank ihr Eigenkapital nicht aufstocken.
Dass die via SMS und den Online-Kurznachrichtendienst Twitter verbreiteten Gerüchte dennoch auf fruchtbaren Boden fielen, führte das Institut auf die große Nervosität nach der Schließung der lettischen Krajbanka vor zwei Wochen zurück. Auch bei der Krajbanka handelte es sich um die Tochtergesellschaft eines ausländischen Kreditinstituts, sie gehörte zur litauischen Snoras-Bank. Letztere war im November nach Aufdeckung von Bilanzfälschungen verstaatlicht worden und soll ebenfalls abgewickelt werden.