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Merken   Drucken   18.11.2005, 09:00 Schriftgröße: AAA

Gesundheitswirtschaft: Codierter Patient  

Im Supermarkt sind sie nicht mehr wegzudenken, jetzt werden sie auch in Kliniken getestet: Identifikationstechniken, mit denen Produkte eindeutig zugeordnet werden können. Als zukunftsweisend gilt die Technologie der Radiofrequenzidentifikation (RFID). von Inga Niermann, Hamburg
Bei ihr werden Daten auf einem Chip gespeichert, die per Funk abrufbar sind. "Mit dieser Technik können Abläufe auf Stationen effizienter organisiert und der Einsatz von Medikamenten und Materialien sicherer gesteuert werden", sagt Thorsten Wichmann, Geschäftsführer des Berliner Technologieanalysten Berlecon Research.
RFID-Chips sind fingernagelgroß und können auf Arzneimittel, Blutkonserven, Betten, OP-Instrumenten und Wäsche aufgebracht werden. Daten sind in großer Menge auf den Chips speicherbar und im Gegensatz zum im Handel üblichen Barcodesystem jederzeit veränderbar.
Die Wäscherei des Berliner Krankenhauses Königin Elisabeth Herzberge näht zum Beispiel RFID-Chips in ihre Wäsche ein, um Diebstahl zu verhindern: "Früher war jedes zehnte Wäschestück nach einem Jahr weg", berichtet Geschäftsführer Gerhard Gruner. Bei den Heimen, die seine Wäscherei beliefert, summierte sich der Verlust auf jährlich 3000 Euro. "Seit ich RFID einsetze, sind es noch 700 Euro im Jahr", sagt Gruner.
Kliniken markieren Patienten
Einen Schritt weiter gehen Kliniken, die den Funkchip nicht nur für die Kennzeichnung von Sachen, sondern auch von Patienten probeweise einsetzen. Dabei gehen sie meist nach folgendem Muster vor: Bei der Aufnahme in die Klinik bekommt der Kranke ein Armband mit RFID-Chip, mit dem er jederzeit identifizierbar ist.
Verwechselungen und Medikationsfehler könnten so besser unterbunden werden, argumentieren die Befürworter - so auch im Klinikum Saarbrücken. Das Krankenhaus testet derzeit RFID-Chips für solche Zwecke. "Wir koppeln die Technologie mit einer Software, mit der wir eine Art elektronische Patientenkarte für die Zeit des Klinikaufenthaltes erstellen", sagt der Leiter der Klinik für Innere Medizin, Daniel Grandt. Drei bis fünf Prozent aller Klinikaufenthalte wären unnötig, wenn die Patienten die richtigen Arzneien in der optimalen Dosierung verabreicht bekämen.
Oft fehlten den Ärzten bei der Verschreibung aber wichtige Informationen über den Patienten, zum Beispiel über seine Allergien. "Die Vermeidung der stationären Aufenthalte wären nicht nur medizinisch wünschenswert. Die Kliniken würden auch 400 bis 450 Mio. Euro im Jahr an Kosten sparen", sagt Klinikleiter Grandt.
Kritiker der Testläufe verweisen jedoch auf ungeklärte Probleme des Daten- und Persönlichkeitsschutzes. "Wo kämen wir denn hin, wenn auf diese Weise Patienten kontrolliert werden?", bemängelt ein Sprecher der Deutschen Krankenhausgesellschaft in Berlin. Vorstellbar sei ein Einsatz der neuen Technologie nur dort, wo es um höchste Sicherheit gehe, beispielsweise auf Säuglingsstationen.
  • Aus der FTD vom 18.11.2005
    © 2005 Financial Times Deutschland,
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