Die HypoVereinsbank (HVB) erwartet angesichts der anhaltenden Euro-Schuldenkrise höhere Risiken für das Inlandsgeschäft. "Das wird die deutsche Wirtschaft belasten. Das kann man jetzt schon erkennen", sagt Vorstandschef Theodor Weimer am Freitag anlässlich der Präsentation der Ergebnisse für das erste Halbjahr. In den ersten sechs Monaten hat die Unicredit -Tochter bereits Rückstellungen für Kreditausfälle in Höhe von 265 Mio. Euro bilden müssen, nachdem sie im Vorjahreszeitraum die Risikovorsorge per saldo sogar noch auflösen konnte.
Die wieder steigenden Kreditausfallrisiken bedeuten eine zusätzliche Belastung für die Kreditinstitute, deren Ergebnisse ohnehin schon von den niedrigen Zinsen und der schwachen Nachfrage nach Anlageprodukten beeinträchtigt werden. Bei der HVB führten die schlechten Rahmenbedingungen zu einem deutlichen Gewinneinbruch im zweiten Quartal. Ihr Vorsteuergewinn lag mit 436 Mio. Euro gut die Hälfte unter dem Wert des Vorjahresquartals. Der Konzernüberschuss brach gar um mehr als 70 Prozent auf 182 Mio. Euro ein.
In den ersten sechs Monaten verdiente die Münchener Bank vor Steuern mit 1,6 Mrd. Euro knapp 20 Prozent weniger als 2011. Allerdings profitierte sie im ersten Quartal noch von einem Einmaleffekt von knapp 330 Mio. Euro. Ohne diesen Sonderfaktor stünde im Halbjahresvergleich ein Minus von einem Drittel zu Buche. "Unser Geschäftsverlauf ist für die Branche üblich", verteidigte Weimer das schlechte Abschneiden.
Wie ihre Konkurrenten leidet die HVB, die rechtlich Unicredit Bank AG heißt, unter den aktuell niedrigen Zinsen. Dadurch gehen die Erträge aus der Anlage von Kundengeldern zurück. Der Zinsüberschuss lag im ersten Halbjahr mit 1,8 Mrd. Euro 15 Prozent unter dem Vorjahreswert. Zudem lasse die Kreditnachfrage deutlich zu wünschen übrig, klagte Weimer. Eine Ausnahme sei das Immobilienkreditgeschäft, das von der starken Nachfrage nach Wohnungen profitieren würde. "Davon allein kann aber eine Bank unserer Größe nicht leben", sagte der Vorstandschef.
Auch die Provisionserträge aus dem Verkauf von Anlageprodukten gehen seit einigen Quartalen beständig zurück. Sie lagen im ersten Halbjahr mit rund 600 Mio. Euro knapp 14 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum. "Die Leute halten Liquidität vor und gehen nicht in den Kauf von Wertpapieren hinein", sagte Weimer. Gleichzeitig wirft das Firmenkundengeschäft weniger ab, weil Börsengänge platzen und Aktien- und Anleiheplatzierungen ausbleiben.
Die bröckelnden Erträge kann die HVB nicht annähernd durch Einsparungen auffangen. In den ersten sechs Monaten verharrte der Verwaltungsaufwand mit 1,8 Mrd. Euro auf dem Niveau des Vorjahres. "Wir können nicht wie Industriebetriebe einfach Fabriken schließen", verteidigte sich Finanzvorstand Peter Hofbauer. Einsparungen könnten nur durch kontinuierliche Anstrengungen erreicht werden.
Für das Gesamtjahr peilt die HVB ein Ergebnis auf dem Niveau des Vorjahres an, als die Bank vor Steuern 1,6 Mrd. Euro verdiente. Dies hat sie zwar nun bereits geschafft. Weimer sieht allerdings Parallelen zum Vorjahr, als dem guten ersten Halbjahr eine schwache zweite Jahreshälfte folgte. Die Unsicherheit sei weiterhin hoch ebenso wie die Schwankungen an den Kapitalmärkten. "Es gab selten Zeiten, in der man das Bankgeschäft so wenig gestalten konnte wie jetzt", räumte Weimer ein. Die Bank sei Gefangener und davon abhängig, was die Märkte vorgeben würden. Die Bank müsse sich dem schwierigen Umfeld anpassen, dies bleibe Hauptaufgabe für das zweite Halbjahr, betonte Weimer.
Der 52-Jährige ging auch kurz auf den Strategieschwenk der Konzernmutter ein. Unicredit hatte unlängst angekündigt, ihren ausländischen Tochtergesellschaften künftig wieder mehr Freiräume zu gewähren. Weimer begrüßte die Entscheidung, die Regionen wieder zu stärken. Wie sich der Plan auf die HVB auswirken werde, sei noch offen. Derzeit würden die Details der neuen Konzernstruktur erarbeitet, die Anfang 2013 stehen soll.