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Merken   Drucken   01.03.2004, 21:41 Schriftgröße: AAA

Hamburger Börse prüft Einstieg in Handel mit Patentrechten  

Die Hamburger Börse prüft den Einstieg in den Handel mit Patentrechten. Experten erwarten einen neuen Markt mit Milliarden-Volumen.
von Ingmar Höhmann, Frankfurt, und Eike Petering, Hamburg

"Es finden intensive Überlegungen statt", sagte der Vorstand der Trägergesellschaft der Hamburger und Hannoveraner Börsen, BÖAG Börsen AG, Thomas Ledermann, am Mittwoch der FTD. Damit wäre das Unternehmen der erste Anbieter für diesen Markt.

Die Bundesregierung spielt derzeit die gesetzlichen Voraussetzungen für einen Handel mit Urheber- und Patentrechten durch. Danach könnte ein Investor Anteile an Patentrechten von Unternehmen erwerben und diese wie Aktien handeln. Zudem würde er den anteiligen Anspruch auf die Lizenzeinkünfte erhalten, die steuerlich begünstigt werden sollen. Unternehmen könnten so leichter Forschungsprojekte finanzieren.

Zielgruppe im Mittelstand

Die Handelskammer Hamburg unterstützt das Vorhaben der BÖAG Börsen AG. Ihr Innovations- und Patentzentrum solle das nötige Know-How liefern, sagte Ledermann. Mit von der Partie ist auch das Beratungsunternehmen Knowledge One Fonds AG (K1F), das sich auf immaterielle Vermögensgegenstände wie gewerbliche Schutzrechte (Patente) spezialisiert hat. Die Partner sollen den Aufbau der Plattform begleiten und dabei helfen, die Patente zu bewerten. Zielgruppe seien innovationsgetriebene, mittelständische Unternehmen, die Kapital mobilisieren wollen, sagte Ledermann. Die Patente sollen dabei entweder als Absicherung dienen oder in Fonds rechtlich verselbstständigt werden.

Die Hamburger Börse ist mit ihren Überlegungen, patentgesicherte Kredite zu verbriefen und in den Börsenhandel zu überführen, unter Deutschlands Börsen allein. Die Deutsche Börse sowie die Düsseldorfer, Stuttgarter und Leipziger Börse sagten am Mittwoch jeweils auf Anfrage, man prüfe derzeit keinen Aufbau einer ähnlichen Handelsplattform.

Großes Marktpotenzial

Aus der Industrie kommt derweil erste Zustimmung: "Profitieren könnten vom Patentrechtehandel nicht nur kleine und mittelständische Unternehmen, sondern auch Großkonzerne wie wir", meinte Horst Schmidt-Bischoffshausen, der beim Luft- und Raumfahrtkonzern EADS für das Patentwesen in Deutschland zuständig ist. "Wir stehen unter enormen Kostendruck und Patente sind nun einmal teuer."

Nach Angaben der IP Bewertungs AG, einer Tochter von K1F, gibt es derzeit theoretisch verbriefbare Patentbestände in Deutschland im Wert von 750 bis 940 Mrd. Euro. Und jedes Jahr sollen 75 bis 100 Mrd. Euro für weitere Patente dazukommen.

  • FTD, 01.03.2004
    © 2004 Financial Times Deutschland
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