Die Krise treibt viele Hedge-Fonds zur Verzweiflung: Die Renditen brechen ein - Kunden ziehen Mittel ab - das drückt Renditen weiter. Ein Teufelskreis.
Aber die Branche ist erfinderisch. Illiquide, schwer verkäufliche Wertpapiere um jeden Preis auf den Markt werfen? Das kommt nicht infrage. Schließlich würde es Image und Rendite vollends ruinieren. Stattdessen schieben viele Hedge-Fonds ihre toxischen Anlagen in sogenannte Side Pockets. Im Klartext: Sie gründen eine hauseigene Bad Bank für Schrottpapiere. Die besser handelbaren Vermögenswerte bleiben im eigentlichen Fonds liegen. Experten schätzen, dass teilweise bis zu 30 Prozent der Anlagen in Side Pockets gewandert sind.
Für die Anleger heißt das: Wollen sie Geld abziehen, bekommen sie einen Teil aus dem normalen Fonds ausbezahlt. Für den Resteinsatz schreibt ihnen der Anbieter einen Bad-Bank-Anteil gut - der freilich eingefroren ist. Die Fonds versuchen so, alle Anleger - egal, ob sie Mittel abziehen oder nicht - gleich zu behandeln.
Doch was als Fairness daherkommen soll, verdeutlicht vor allem, wie hart die Kreditkrise Hedge-Fonds trifft. Zu Boomzeiten waren Side Pockets verpönt. "Früher hieß es: Wenn ein Fonds Side Pockets einführt, ist er tot", sagt Lars Jaeger, Teilhaber des Schweizer Dachfonds Partners Group, die in Hedge-Fonds anlegt. Inzwischen aber sind Side Pockets üblich. "Viele Fonds wussten einfach nicht, wie sie mit starken Mittelabflüssen umgehen sollen", sagt Jaeger.
Für Hedge-Fonds sind Side Pockets Rettung und Verlusttarnung zugleich: Da die Anbieter Papiere aus Side Pockets nicht zu niedrigen Preisen verkaufen müssen, schönen sie ihre Rendite. Sonst hätte die Branche 2008 wahrscheinlich weitaus mehr als die registrierten 20 Prozent verloren.