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Merken   Drucken   08.10.2008, 17:48 Schriftgröße: AAA

Höherer Kapitalbedarf: Hypo Real sucht Mitschuldigen

Exklusiv Der Aufsichtsrat der Hypo Real Estate lässt nach FTD-Informationen per Gutachten prüfen, was die Ursachen sind für den von zunächst 35 Mrd. auf nunmehr 50 Mrd. Euro erweiterten Kapitalbedarf des Münchener Immobilienfinanzierers.
von Tim Bartz (Frankfurt)

Das Gutachten, das von einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft erstellt wird, soll Ende dieser oder Anfang kommender Woche vorliegen. Dann könnte auch die Rolle von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) in neuem Licht erscheinen.

Das erste, am 29. September geschnürte Rettungspaket hatte eine Risikoabsicherung für den Dax-Konzern von 35 Mrd. Euro vorgesehen, wovon maximal 26,6 Mrd. Euro auf den Bund entfielen. Ende vergangener Woche dann stellte sich durch Analysen der Deutschen Bank heraus, dass die Liquiditätssituation der Hypo Real Estate sogar noch prekärer ist. Nach stundenlangen Verhandlungen einigten sich Bund und Finanzinstitute darauf, die Kreditlinien für die Hypo Real Estate um 15 Mrd. auf jetzt 50 Mrd. Euro zu erhöhen. Steinbrück hatte wegen des plötzlich höheren Kapitalbedarfs das Management der Hypo Real Estate scharf angegriffen und dem Vorstand um Georg Funke vorgeworfen, mit falschen Zahlen operiert zu haben.

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Denkbar ist allerdings auch, dass Steinbrück selbst eine Mitschuld trägt an dem höheren Finanzierungsbedarf. So hatte der Finanzminister im Anschluss an das erste Rettungspaket von der "Abwicklung" der Hypo Real Estate gesprochen und den Eindruck erweckt, als habe das Institut keine Zukunft mehr. Hypo-Insider hatten Steinbrücks Worte harsch kritisiert. Denn möglicherweise verschärften Geschäftspartner der Hypo Real Estate nach den Äußerungen des Ministers die Finanzierungsbedingungen für das Unternehmen. Mit der gutachterlichen Prüfung der Usarchen bereitet sich der Konzern auch auf Klagen institutioneller Anleger aus Europa vor, die derzeit in der Vorbereitung sind und auf irreführende Darstellungen des Managements über die Lage des Konzerns abzielen.

Weist das Gutachten Steinbrück eine Mitschuld nach, könnte der Minister selbst in die Schusslinie geraten. Kritik an ihm gibt es indes bereits jetzt: So halten ihm neben der Hypo Real Estate auch Oppositionspolitiker vor, seine Äußerung über die "Abwicklung" der Hypo Real Estate sei fahrlässig gewesen. Kritisiert wird zudem, dass Steinbrück noch kurz vor Bekanntwerden der Schieflage des Konzerns versichert hatte, dass das deutsche Finanzsystem stabil sei. Auch die Folgen der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers für deutsche Kreditinstitute hatte Steinbrück als gering bezeichnet. Tatsächlich hatte die Finanzkrise nach der Lehman-Insolvenz mit voller Wucht auf den kontinentaleuropäischen und deutschen Finanzmarkt durchgeschlagen.

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Dass nach Staatsfinanzierungs-Vorstand Bo Heide-Ottosen und Konzernchef Funke weitere Mitglieder der Hypo-Führung gehen, wird innerhalb des Unternehmens derweil ausgeschlossen. Steinbrück hatte den Aufsichtsrat aufgefordert, den kompletten Vorstand außer Risikochefin Bettina von Oesterreich auszuwechseln. Denkbar sei höchstens, Finanzvorstand Finanzvorstand Markus Fell "einen anderen Wirkungskreis" zu geben, wie es im Konzern heißt. Auch der Aufsichtsrat selbst soll nach dem Willen von Steinbrück und Hypo-Großaktionär JC Flowers so rasch wie möglich rasch abdanken.

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