Das Staatsfinanzierungsgeschäft mit der Tochter Eurohypo reißt das Geldhaus tief in die roten Zahlen. In anderen Sparten sehen die Perspektiven durchwachsen bis gut aus. FTD.de seziert Deutschlands zweitgrößte Bank.
von Frank BremserFrankfurt
Die Zahlen der Commerzbank sorgen für wenig Begeisterung an den Märkten und bei Analysten. "Die Zahlen waren schwach und recht enttäuschend. "Es war klar, dass die Abschreibungen kommen würden, aber sie haben auf operativer Ebene enttäuscht", sagt Philipp Haessler, Analyst bei Equinet.
Die Bank selbst sieht sich auf gutem Weg. So betont der Vorstand, dass die Kernbank gutes Geschäft mache und das Institut auch keine zusätzliche Staatshilfe brauche. Finanzvorstand Eric Strutz sagte: "Die Commerzbank gehört nicht zu den Banken mit Refinanzierungsproblemen." Analysten sehen das teilweise anders.
Über einen möglichen Bittgang von Konzernchef Martin Blessing zum Bankenrettungsfonds Soffin sagt Analyst Olaf Kayser von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) in der vergangenen Woche: "Er wird mit aller Macht versuchen, das zu vermeiden. Es ist möglich, aber es ist schwierig. Ob Blessing es schafft, werden wir frühestens in einem halben Jahr wissen." Alles hänge davon ab, ob es an den Märkten noch einmal abwärts geht.
Die Bank will sich auf die so genannte Kernbank konzentrieren. Zu dieser gehören die vier Sparten Privatkunden, Mittelstand, Osteuropa und Corporates & Markets. Dies steht nach drei Quartalen auch recht gut da. Im dritten Quartal stieg der operative Gewinn im dritten Quartal von 205 auf 851 Mio. Euro. "Von Januar bis September 2011 haben wir in der Kernbank fast 3 Mrd. Euro verdient", sagte Blessing. Finanzchef Strutz rechnet angesichts der Konjunkturabkühlung im laufenden vierten Quartal allerdings mit mehr Gegenwind. Die Kernbank werde auch von Oktober bis Dezember gut abschneiden, sagte Strutz. "Allerdings dürfte sich das wirtschaftliche Umfeld zunehmend eintrüben."
Um die Risiken in der Bank zu verringern will die Bank das Kreditneugeschäft ohne Verbindung zu Deutschland und Polens sowie beim Immobilienfinanzierer Eurohypo zeitweise einstellen. Zudem sollen nicht zum Kerngeschäft gehörende Finanzierungen so schnell wie möglich abgebaut und Finanzbeteiligungen verkauft werden. Dies soll insgesamt 30 Mrd. Euro bringen. Das Geschäft der Bank im Einzelnen:
Im Geschäft mit seinen gut elf Millionen Privatkunden verdiente die Bank operativ in den ersten neun Monaten des Jahres 266 Mio. Euro, das ist deutlich mehr als die 60 Mio. Euro des Vergleichszeitraums im Vorjahr.
Im dritten Quartal stieg das Ergebnis von 47 auf 71 Mio. Euro. Grund für die Ergebnisverbesserung ist vor allem eine gesunkene Risikovorsorge und ein gesunkener Verwaltungsaufwand. Die Bank teilte mit, dass die Dresdner Bank inzwischen technisch vollständig integriert worden sei. Der Zinsüberschuss stieg aufgrund höherer Gewinnmargen im Einlagegeschäft an. Der Provisionsüberschuss ging jedoch zurück. Dies liegt vor allem an der Zurückhaltung der Privatkunden an den Finanzmärkten. Der Provisionsüberschuss ist stark umsatzabhängig. Aufgrund der fortgesetzten Unsicherheit über die Situation in Griechenland erwarten Analysten dass er weiter zurückgehen wird
Zuwächse erzielte das Institut in der Mittelstandsbank. Das begründet die Commerzbank in ihrem Quartalsbericht vor allem mit dem guten konjunkturellen Umfeld in Deutschland. Ebenso wie im Privatkundengeschäft sank die Risikovorsorge, der Verwaltungsaufwand stieg jedoch an. Unterm Strich steht ein operativer Gewinn von 1,256 Mrd. Euro in den ersten neun Monaten zu Buche. Allerdings sank das Volumen des Kreditgeschäfts. Im ditten Quartal alleine verdiente die Mittelstandsbank 344 Mio. Euro, 20 Prozent weniger als im Vorjahresquartal
Ein Erfolg ist für die Bank derzeit das Geschäft in Mittel- und Osteuropa. Hier ist auch die polnische Tochter BRE Bank angesiedelt, die gute Ergebnisse abliefert. In Polen seien die Margen im Einlagengeschäft, die Gewinne aus dem Kreditgeschäft und der Provisionsüberschuss aufgrund einer hohen Nachfrage von Produkten durch Privatkunden angestiegen.
Gute Geschäfte macht die Bank in Polen
Nach einem operativen Verlust von 18 Mio. Euro im Vorjahr verdiente die Commerzbank in den ersten neun Monaten dieses Jahres 269 Mio. Euro in Zentral- und Osteuropa. Gestützt wird das Ergebnis aber vor allem von einer gesunkenen Risikovorsorge. Hatte das Institut im Jahr 2010 noch 313 Mio. Euro beiseite gelegt, waren es 2011 nur noch 68 Mio. Euro. Im dritten Quartal betrug der operative Gewinn 92 Mio. Euro nach einem Minus von 31 Mio. Euro im Vorjahr.
Ein von 562 auf 557 Mio. Euro rückläufiges operatives Ergebnis für die ersten neun Monate verzeichnete die Bank im Kapitalmarktgeschäft. Das Investmentbanking sei stark von der europäischen Staatsschuldenkrise bestimmt und leide unter den sehr volatilen Aktienmärkten, schreibt die Bank in ihrem Bericht. Im dritten Quartal verdiente die Bank jedoch immerhin 35 Mio. Euro - andere Banken stehen schlechter da. Allerdings stand im Vorjahr im dritten Quartal noch ein Gewinn von 121 Mio. Euro in der Bilanz.
Als Fass ohne Boden erweist sich das Geschäft mit Staats-, Immobilien- und Schiffsfinanzierungen, die im in der Sparte Asset Based Finance zusammgefasst sind. Dazu gehört auch die Problemtochter Eurohypo. Alleine im dritten Quartal weitete der Bereich seinen Vorsteuerverlust von 403 Mio. Euro auf 1,5 Mrd. Euro aus. Nach neun Monaten liegt das Minus in der Sparte bei 2,5 Mrd. Euro. Davon entfallen fast 1,6 Mrd. Euro auf Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen.
Klotz am Bein Eurohypo
Die in der Krise vom Steuerzahler mit Milliarden gerettete Bank korrigierte den Wert ihrer griechischen Staatsanleihen um weitere 798 Mio. Euro nach unten. Bereits im zweiten Quartal hatte das Institut ein Viertel des Wertes abgeschrieben und dafür eine Belastung von 760 Mio. Euro verbucht. Grund für die neue Abwertung ist die Ankündigung der Finanzbranche beim Euro-Gipfel der vergangenen Woche, freiwillig bei einem 50-prozentigen Schuldenschnitt für Griechenland mitzumachen.
Außerdem wurde das Anleiheportfolio generell aufgebaut. Dabei nahm das Institut auch Verluste in Kauf. Das Volumen der Anleihen aus Griechenland, Irland, Italien, Portugal und Spanien (PIIGS) belief sich Ende September noch auf 13 Mrd. Euro. Das waren gut 20 Prozent weniger als zu Jahresbeginn, Wertberichtigungen eingeschlossen. "Der Abbau von europäischen Staatspapieren soll in den kommenden Monaten weiter fortgesetzt werden", schreibt das Institut.
Aufgrund der Schuldenkrise habe die Bank keinerlei Neugeschäft in der Staatsfinanzierung gemacht. Sie soll über die Zeit auslaufen. Auch in der gewerblichen Immobilienfinanzierung werden nur noch ausgewählte Kernmärkte bedient. Das Neugeschäft sank hier von 3,7 auf 2 Mrd. Euro. Die Commerzbank muss die Tochter nach dem Willen der EU bis 2014 verkaufen, sieht dafür im Moment nach eigenem Bekunden aber keine Chance. Für das Gesamtjahr erwartet die Bank in diesem Bereich einend deutlichen Verlust.
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