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Merken   Drucken   26.06.2012, 22:25 Schriftgröße: AAA

Immobilien- und Schiffsfinanzierung: Commerzbank reißt Konzernplan ein

Anstatt ein neues Kernbanksegment zu starten, trennt sich die Commerzbank von einer ganzen Sparte. Das teilverstaatlichte  Geldinstitut baut die Geschäftsfelder für gewerbliche Immobilien und für Schiffsfinanzierung ab - ein radikaler Schritt.
© Bild: 2012 DPA/Bildfunk/Arne Dedert
Anstatt ein neues Kernbanksegment zu starten, trennt sich die Commerzbank von einer ganzen Sparte. Das teilverstaatlichte Geldinstitut baut die Geschäftsfelder für gewerbliche Immobilien und für Schiffsfinanzierung ab - ein radikaler Schritt.

Die Commerzbank  zieht sich entgegen früheren Plänen nun vollständig aus der Schiffs- und der gewerblichen Immobilienfinanzierung zurück. Der Vorstand entschied am Dienstag, die beiden Geschäftsfelder komplett abzubauen. Das ursprünglich geplante neue Kernbanksegment Real Estate and Ship Finance (RES) wird es daher nicht geben. Das zur Abwicklung bestimmte Portfolio inklusive Staatsanleihen hat einen Umfang von schätzungsweise knapp 180 Mrd. Euro.

Mit dem Entschluss revidiert der Vorstand seine Entscheidung von Ende März. Unter dem Druck der europäischen Bankenaufsicht EBA hatte Deutschlands zweitgrößtes Institut zwar schon damals die weitgehende Abwicklung ihrer Staats- und Immobilienfinanzierungstochter Eurohypo beschlossen. Die gewerbliche Immobilienfinanzierung in den Kernmärkten wie Deutschland und Frankreich im Umfang von rund 25 Mrd. Euro sollte jedoch erhalten bleiben und mit der Schiffsbank das neue Segment RES bilden. Zudem hatte die Commerzbank die Integration der Schiffsbank erst im Frühjahr abgeschlossen, nachdem sie 2011 von der HVB die letzten acht Prozent an dem Schiffsfinanzierer übernommen hatte.

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Mit der Entscheidung verschwinden zwei große Spieler vom Markt. Die Deutsche Schiffsbank ist hinter der HSH Nordbank die Nummer zwei unter den deutschen Schiffsfinanzierern. Die Eurohypo war in der gewerblichen Immobilienfinanzierung einer der Marktführer, im Boomjahr 2008 lag allein das Neugeschäft bei 13,8 Mrd. Euro. Beide Sparten leiden aber derzeit unter hohen Verlusten. Vom endgültigen Aus der Schiffs- und Immobilienfinanzierung sind knapp 1400 Mitarbeiter betroffen.

Die Commerzbank begründete die Entscheidung mit der schwierigen Lage an den Finanzmärkten. "Vor dem Hintergrund der anhaltenden Finanz- und Staatsschuldenkrise, deren Ende nicht absehbar ist, und des unsicheren regulatorischen Umfelds unterziehen wir im Rahmen unseres strategischen Planungsprozesses alle Geschäftsbereiche einer gründlichen Überprüfung", sagte Vorstandschef Martin Blessing. Die hohe Kapitalbindung und steigende Liquiditätsanforderungen unter Basel III machten das Geschäftsmodell der gewerblichen Immobilienfinanzierung und der Schiffsfinanzierung für die Commerzbank nicht mehr attraktiv, sagte er in einem Interview mit der Mitarbeiterzeitung.

Vom ursprünglichen Immobiliengeschäft der Eurohypo verbleibt letztlich nur ein 10 Mrd. Euro schweres Portfolio aus privaten Baudarlehen. Es wird wie geplant in das Privatkundensegment integriert. Laut der Commerzbank-Mitteilung vom Dienstag wird nun auch die Commerzreal, ein Anbieter geschlossener Fonds, in die Kernbank integriert. Alle Änderungen sollen Anfang August wirksam werden, teilte das Institut mit. Zugleich stellte die Bank Änderungen im Vorstand in Aussicht, nannte aber keine Details.

Das zur Abwicklung bestimmte Immobilien- und Staatsanleihenportfolio wird in das interne Abbausegment Non Core Assets (NCA) übertragen. Rechtlich verbleiben die Vermögenswerte jedoch in der Eurohypo. Ihr Name verschwindet. Voraussichtlich zum 31. August 2012 werde das Institut unter dem Namen Hypothekenbank Frankfurt firmieren, teilte die Commerzbank mit.

Die Commerzbank sollte die Eurohypo ursprünglich bis 2014 verkaufen. Dies hatte die EU-Kommission zur Auflage gemacht für ihre Genehmigung zu den Staatshilfen von 18,2 Mrd. Euro, mit denen die Commerzbank während der Finanzkrise vor der Pleite gerettet werden musste. Das Institut fand jedoch keinen Käufer für die Eurohypo, die mit einer Bilanzsumme von 200 Mrd. Euro viel zu groß für potenzielle Interessenten war.

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  • FTD.de, 26.06.2012
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