David Moffett tritt als Vorstandschef des Hypothekenfinanzierers Freddie Mac zurück. Moffett teilte seine Entscheidung dem Verwaltungsrat am Montag mit. Der Rücktritt soll bis spätestens 13. März erfolgen. In seinem Schreiben begründete Moffett den Schritt mit dem Wunsch, wieder im Privatsektor zu arbeiten.
Für Freddie Mac kommt der Rücktritt zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Nach der Quasi-Verstaatlichung häufen sich die Verluste: Im Schlussquartal 2008 lag das Minus nach vorläufigen Berechnungen bei 30 bis 35 Mrd. $. Das Unternehmen bekräftigte in einer Mitteilung, dass die zuständige Behörde Federal Housing Agency (FHFA) beim Finanzministerium um entsprechend viel Kapital bitten werde. Bereits im November hatte der Immobilienfinanzierer vom Staat 13,8 Mrd. $ erhalten, um einen 25,3-Mrd.-$-Verlust im dritten Quartal auszugleichen.
Moffett hielt es nicht lange bei Freddie Mac: Er war erst im September 2008 an die Spitze gerückt. Die Bush-Regierung hatte große Hoffnung in ihn gesetzt: Moffett kann auf eine jahrelange Erfahrung verweisen. So war er Finanzchef von US Bancorp. 2005 wurde er vom Magazin "Institutional Investor" zu den dreibesten Finanzchefs der Bankenbranche gekürt.
Auf die beiden Hypothekengiganten Freddie Mac und Fannie Mae, bei denen im Zuge der Finanzkrise der Staat das Steuer übernommen hat, entfallen etwa die Hälfte der Immobilienkredite in den USA. Um einen völligen Kollaps des Hypothekenmarkts zu verhindern, waren die in extreme Schräglage geratenen Institute im September unter staatliche Kontrolle gestellt worden.
Die Krise auf dem amerikanischen Häusermarkt ebbt nicht ab: Im Dezember brachen die Immobilienpreise in den 20 größten US-Metropolen um 18,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat ein. Das ist der größte Einbruch, seit dem die Daten in Form des S&P-Case/Shiller-Hauspreisindex erhoben werden.
Gegenüber dem Vormonat lag das Minus bei 2,5 Prozent. Es ist der größte Rückgang seit Februar 2008. Seit der Hochzeit des Immobilienbooms im zweiten Quartal 2006 brachen die Hauspreise damit um 26,7 Prozent ein. Die Investmentbank Goldman Sachs geht davon aus, dass die Hauspreise um weitere 20 bis 25 Prozent fallen werden.
Der Häusermarkt steht im Zentrum der Wirtschaftskrise der Vereinigten Staaten. Seit Dezember 2007 befindet sich die USA in der Rezession. Im vierten Quartal schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt auf das Jahr hochgerechnet um 6,2 Prozent, die Arbeitslosenquote kletterte im Januar auf 7,6 Prozent. Dementsprechend schlecht ist es um das Verbrauchervertrauen bestellt. Im Februar brach es auf 25 Zähler ein. Das ist der tiefste Stand seit Beginn der Datenerhebung im Jahr 1967.