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Merken   Drucken   06.12.2012, 12:39 Schriftgröße: AAA

In der Finanzkrise: Deutsche Bank soll Milliardenverluste versteckt haben

Der Vorwurf wiegt schwer, die Deutsche Bank weist ihn auch umgehend zurück: Ehemalige Mitarbeiter behaupten, die Bank habe Verluste bei Derivaten in bis zu zweistelliger Milliardenhöhe nicht korrekt ausgewiesen. Der mögliche Grund: Einen Antrag auf Staatshilfe vermeiden.
© Bild: 2012 DPA/Arne Dedert
Der Vorwurf wiegt schwer, die Deutsche Bank weist ihn auch umgehend zurück: Ehemalige Mitarbeiter behaupten, die Bank habe Verluste bei Derivaten in bis zu zweistelliger Milliardenhöhe nicht korrekt ausgewiesen. Der mögliche Grund: Einen Antrag auf Staatshilfe vermeiden.

Die Deutsche Bank  soll während der akuten Phase der Finanzkrise Buchverluste von bis zu 12 Mrd. Dollar  versteckt haben. Das berichtet die Financial Times. Sie beruft sich dabei auf drei ehemalige Mitarbeiter der Bank, die ihre Vorwürfe US-Finanzaufsichtsbehörden gemeldet haben, darunter die mächtige Securities and Exchange Commission (SEC).

Der Vorwurf der Ehemaligen lautet konkret wie folgt: Die Bank soll Verluste mit Derivaten unter der Bezeichnung "Leveraged Super Senior Trades" nicht wie in den Bilanzvorschriften vorgesehen zum aktuellen Marktwert ("mark-to-market") verbucht haben. Der nominale Wert der Derivateposition betrug laut FT 130 Mrd. Dollar . Die Vorgesetzten der Mitarbeiter sollen von der angeblich falschen Bewertung der Verluste in den Büchern gewusst haben, behaupten die Ehemaligen. Wären die Verluste korrekt ausgewiesen worden, wäre das Kapital der Bank auf ein kritisches Niveau gefallen. Eine staatliche Rettung wäre möglicherweise nötig geworden, schreibt die FT.

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Die Deutsche Bank wies den Bericht zurück: „Die Vorwürfe, die Deutsche Bank habe nicht korrekt berichtet, sind mehr als zweieinhalb Jahre alt. Über diese wurde bereits im Juni 2011 öffentlich berichtet. Die Vorwürfe waren Gegenstand einer sorgfältigen und umfangreichen Untersuchung und haben sich als vollkommen unbegründet erwiesen. Die Untersuchung hat darüber hinaus ergeben, dass diese Vorwürfe von Personen stammen, die weder über eigene Kenntnisse über wichtige Fakten und Informationen verfügten noch dafür verantwortlich waren. Wir haben in dieser Angelegenheit mit der SEC kooperiert und werden dies auch weiterhin tun"

Der Großteil der entsprechenden Wertpapiere befinde sich nicht mehr im Besitz der Deutschen Bank, teilte der Sprecher außerdem mit: "Die Bewertungen und die Finanzberichterstattung waren korrekt, und ein signifikanter Teil dieser Positionen wurde im Rahmen eines planmäßigen Verkaufs abgewickelt."

Der Fall wirft auch ein neues Licht auf Aussagen des damaligen Vorstandschefs der Deutschen Bank, Josef Ackermann. Dieser hatte im Oktober 2008 gesagt, er würde sich schämen, wenn seine Bank in der Krise Staatsgeld annehmen würde. Stimmen die jetzigen Vorwürfe, hätte Ackermann das anschließend nur über kreative Buchhaltung vermieden.

Konkret lautet der Vorwurf, der Verlust auf das Wertpapierportfolio hätte in der heißen Phase der Finanzkrise 4 Mrd. Dollar überschritten und hätte bis auf 12 Mrd. Dollar anwachsen können. Dabei handelt sich um Absicherungsgeschäfte, die 2009 von der Versicherungsgesellschaft Berkshire Hathayway des Starinvestors Warren Buffett zur Verfügung gestellt wurden. Laut FT war bislang nicht öffentlich bekannt, dass es diese Absicherungsgeschäfte gab.

Danach wurden die Vorwürfe der drei ehemaligen Mitarbeiter bereits in den Jahren 2010 und 2011 vorgetragen, und zwar unabhängig voneinander. Alle drei Männer hätten bei der SEC ausgesagt und dabei interne Bankdokumente vorgelegt. Die SEC lehnte gegenüber der FT eine Stellungnahme ab.

Zwei der drei Ehemaligen geben an, sie seien aus der Bank gedrängt worden, als sie ihre Bedenken intern äußerten. Einer von ihnen, der ehemalige Risikomanager Eric Ben-Artzi, wurde laut FT gefeuert, nachdem er drei Tage zuvor seine Vorwürfe bei der SEC angezeigt hatte. Er beschwerte sich anschließend beim US-Arbeitsministerium, seine Kündigung sei eine Vergeltung dafür gewesen.

In der Bank sieht man das anders: Ben-Artzi sei von der Deutschen Bank ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht worden, dass er sich an die SEC wenden könne, sagt ein mit der Angelegenheit Vertrauter der FTD. Seinen Arbeitsplatz habe Ben-Artzi auch nicht deshalb verloren, sondern weil seine Abteilung geschlossen und die Aufgaben nach Berlin verlagert worden seien.

Der zweite Ehemalige, der Wertpapierhändler Matthew Simpson, verließ die Bank, nachdem er seine Bedenken bei der SEC vorgetragen hatte. Die Bank zahlte ihm anschließend eine Abfindung von 900.000 Dollar, damit er seine Kündigungsschutzklage zurückzieht. Der dritte Ehemalige arbeitete im Risikomanagement der Bank und möchte nicht namentlich genannt werden. Er verließ die Bank nach der SEC-Aussage freiwillig.

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  • FTD.de, 06.12.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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