Nach langer Entwicklungsphase hat Fidelity in der vergangenen Woche das Vermögensverwaltungstool SAM gestartet. Das Programm - mit vollem Namen: Strategische Anlage Modellierung (SAM) - fragt Nutzer nach Vermögensverhältnissen, Risikoneigung, Anlagehorizont und Renditeerwartung, ermittelt daraus eine Investmentstrategie, schlägt passende Fonds mehrerer Gesellschaften vor und fährt zum Ende der Laufzeit hin das Risiko des Portfolios herunter, ähnlich wie ein klassischer Lebenszyklusfonds. "Investoren sehen, was passiert, müssen sich aber nicht selbst darum kümmern", wirbt Fidelity-Geschäftsführer Andreas Feiden.
Für die Nutzung des Tools werden je nach Portfolio 0,3 bis 0,8 Prozent des durchschnittlichen Anlagebetrags pro Jahr als Verwaltungsgebühr fällig, zuzüglich der Gebühren für die ausgewählten Fonds und einem Ausgabeaufschlag von 1,5 Prozent. Die Quoten der Anlageklassen im Portfolio werden einmal jährlich überprüft und gegebenenfalls angepasst, die Kosten für das sogenannte Rebalancing sind in der Verwaltungsgebühr enthalten.
Im angelsächsischen Raum sind solche internetbasierten Anlagelösungen bereits deutlich weiter verbreitet als in Deutschland. Das Programm Nutmeg etwa, entwickelt vom Londoner Unternehmen Nutmeg Saving and Investment, fragt Investoren ebenfalls nach bestimmten Parametern und schlägt ein entsprechendes Portfolio vor, das die Kunden dann mithilfe des Computers überwachen können. Bei Fidelity hofft man, dass Investoren sich auch hierzulande vermehrt solchen Instrumenten zuwenden werden. "Wir stoßen mit SAM einen Prozess an", ist Feiden überzeugt. "Teure Anlagelösungen sind nicht mehr im Trend."
Die Argumente der Anbieter für automatisierte Asset-Allocation-Lösungen sind simpel: Das Vertrauen der Investoren in Bankberater sei seit der Finanzkrise angeknackst, die Dienste unabhängiger Vermögensverwalter für die breite Masse der Anleger zu teuer. Und Dachfonds böten zu wenig Flexibilität, ihre Manager können schließlich nicht auf individuelle Bedürfnisse eingehen. "Der einzelne Anleger hat keine Chance, sich in einem Dachfonds wiederzufinden", sagt Fidelity-Geschäftsführer Feiden.
Auch bei dem Münchner Unternehmen Yavalu ist man davon überzeugt, dass internetbasierten Anlagelösungen die Zukunft gehört. Diese böten schließlich nicht zuletzt die Transparenz und Unabhängigkeit, die Verbraucherschützer immer wieder forderten, argumentiert Matthias Lamberti, Gründer und Geschäftsführer des vor rund einem Jahr gestarteten Finanzportals.
Auch bei Yavalu beantworten Investoren Fragen zu ihrem Anlagehorizont, ihrer Risikoneigung und ihren Investmenterwartungen und bekommen dann einen auf ihre Antworten zugeschnittenen Entwurf für die Asset-Allokation, den sie mit vorgeschlagenen Indexfonds (Exchange Traded-Funds, ETFs) umsetzen können. Ein Computer wacht anschließend darüber, dass die Quoten der einzelnen Anlageklassen konstant bleiben. "Wir verzeichnen eine wachsende Nachfrage", sagt Lamberti.
Lamberti sieht sich von aktuellen Studien bestätigt, aus denen hervorgeht, dass viele Investoren Bankberatern nicht mehr vertrauen. Zu entsprechenden Ergebnissen kam zuletzt etwa eine Studie der Unternehmensberatung Eurogroup Consulting, ebenso eine von Yavalu in Auftrag gegebene Umfrage unter 200 Anlegern im Frühjahr. Das Gros der Anleger wolle die Hoheit über seine Investments behalten, statt sich ganz in die Hände eines Profis zu begeben, ist Lamberti überzeugt. "Mit internetbasierten Anlageplattformen können Investoren sich endlich ein eigenes Bild von ihrer Geldanlage machen, Angebote vergleichen und Szenarien simulieren."
Ob die Computermodelle brauchbare Renditen bringen, muss sich erst noch zeigen. Die Chancen stehen jedenfalls nicht schlecht, dass künftig noch mehr solcher Angebote auf den deutschen Markt kommen. "Das ist eine Marktlücke, die ausprobiert werden muss", sagt Detlef Glow, Leiter der Fondsanalyse beim Datenanbieter Lipper. "Ein gut gemachtes Tool kann für Privatinvestoren, die sich gut auskennen, eine Entscheidungshilfe sein, die durchaus Geld wert ist."
Investoren sollten allerdings nicht zu viel erwarten. "Ich glaube nicht, dass der klassische Portfoliomanager ersetzt werden wird. Viele dieser Tools werden Anlegern die Asset-Allokation nicht abnehmen können", sagt Glow. Der Grund: Sie können Marktverläufe nicht prognostizieren und über- oder unterschätzen Risiken oft, wenn sie lediglich Daten aus der Vergangenheit auswerten. "Den Tools fehlt es an Bauchgefühl", sagt Glow. Das haben freilich auch menschliche Portfoliomanager nicht immer.